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Protest gegen Atomwaffen vor Stützpunkt in der Eifel

05.08.2020 - Ein Heißluftballon von Greenpeace eröffnet Aktionen zum 75. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Auch der Mainzer Bischof Kohlgraf wendet sich gegen die atomare Abschreckung.

  • Greenpeace-Aktivisten protestieren mit einem Heißluftballon und einem Plakat mit der Aufschrift „Hiroshima - never again“ gegen die auf dem Fliegerhorst Büchel stationierten Atomwaffen. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa -...

    Greenpeace-Aktivisten protestieren mit einem Heißluftballon und einem Plakat mit der Aufschrift „Hiroshima - never again“ gegen die auf dem Fliegerhorst Büchel stationierten Atomwaffen. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben vor dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel einen Heißluftballon aufgestellt und gegen die Stationierung von US-Atomwaffen protestiert. «Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass mit den US-Soldaten auch die amerikanischen Atombomben aus Büchel abgezogen werden», erklärte am Mittwoch Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven. Auf dem Bundeswehr-Stützpunkt in Büchel sollen die einzigen Atomwaffen in Deutschland lagern. Offiziell wird dies weder von deutscher noch von US-Seite bestätigt. Für ihren Einsatz nach dem Konzept der «nuklearen Teilhabe» hält die Bundeswehr Tornado-Kampfjets bereit.

Anlass der Protestaktion ist der 75. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf die japanische Stadt Hiroshima am 6. August 1945. «Atomwaffen abschaffen! - Ban Nuclear Weapons!», lautete die Aufschrift auf dem Ballon, der am Mittwoch für eineinhalb Stunden auf einem Weg vor dem Militärgelände am Boden stand. Laut Greenpeace waren sechs Aktivisten an der Aktion beteiligt. Ein Ziel der Kampagne sei, die Bundesregierung dazu zu bewegen, den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen zu unterzeichnen. «Das werden wir die nächsten drei Jahre konsequent verfolgen», sagte von Lieven.

Greenpeace stellte am Mittwoch eine Studie vor, wonach bei einem Atomangriff auf deutsche Großstädte Hunderttausende Menschen sofort ums Leben kommen würden. Zehntausende müssten demnach mit längerfristigen Folgen wie einer Krebserkrankung rechnen. Die Physikerin Oda Becker verwendete für die am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung im Auftrag der Umweltorganisation eine Software-Simulation namens Nukemap, die die Folgen eines Atombombenabwurfs für einen bestimmten Ort berechnen soll.

Neben den Szenarien von atomaren Angriffen auf das politische Zentrum in Berlin und auf das Finanzzentrum in Frankfurt untersucht die Studie auch die möglichen Folgen einer Explosion auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel, wo nach offiziell nicht bestätigten Informationen US-Atomwaffen mit einer Sprengkraft von jeweils 170 Kilotonnen lagern sollen. Für diesen hypothetischen Fall kam die Software auf insgesamt 130 000 unmittelbare Todesfälle, davon 107 000 durch die Fallout-Strahlung.

Zum Hiroshima-Gedenktag am Donnerstag wollen sich Aktivisten der Kampagne «Büchel atomwaffenfrei» in einer Mahnwache vor dem Haupttor des Luftwaffenstützpunkts in der Eifel versammeln. «Um Viertel nach acht wird zu Beginn der Mahnwache eine Glocke geschlagen», sagte Kampagnensprecherin Marion Küpker. «Zu diesem Zeitpunkt wurde in Hiroshima die Bombe abgeworfen.» Für den 9. August, den Jahrestag des zweiten Atombombenabwurfs der USA auf Nagasaki, ist ein 24-stündiges Dauergebet geplant.

Zu der Mahnwache wollen nach Angaben Küpkers mehrere Politiker der Linken und der SPD kommen. Auch die Grünen-Landesvorsitzende Misbah Khan will nach Büchel kommen. «Dieser Jahrestag mahnt uns, das Thema Atomwaffen wieder verstärkt auf die Agenda zu setzen», sagte Khan und forderte den Abzug und die Vernichtung der in Büchel gelagerten Atombomben.

Der 6. August 1945 müsse im Gedächtnis der Menschheit auf ewig mit dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima verbunden sein, sagte SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur. Die aktuellen Entwicklungen der internationalen Beziehungen sehe er mit großer Sorge. «In unser aller Interesse muss das Ziel mehr denn je die weltweite nukleare Abrüstung lauten. Dazu gehört auch ein atomwaffenfreies Deutschland und Rheinland-Pfalz.»

Katrin Werner, rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete der Linken, erklärte zum Hiroshima-Gedenktag: «Nachdem der Teilabzug der US-Truppen aus Spangdahlem im Raum steht, müssen wir jetzt endlich über die Entsorgung der Atomwaffen in Büchel sprechen. Der Atomwaffenstützpunkt muss endlich dicht gemacht werden.»

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kritisierte, dass die Bundesregierung und das Nato-Bündnis weiter auf Abschreckung setzten. «Die Drohung mit der Vernichtung des Lebens durch Atomwaffen kann kein Synonym für Frieden sein», mahnte der Bischof.

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