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Religiöse Beratung für muslimische Häftlinge

08.08.2019 - Dem Bedürfnis muslimischer Gefangener nach religiöser Betreuung will Rheinland-Pfalz in allen Haftanstalten nachkommen. Ein Konzept dafür hat Minister Mertin schon Ende 2017 vorgelegt. Von September an soll es jetzt im ganzen Land greifen.

  • Der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP). Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP). Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Alle muslimischen Gefangenen in Rheinland-Pfalz sollen sich ab September an einen Seelsorger wenden können. Von den rund 3200 Häftlingen in den zehn Justizvollzugsanstalten seien mindestens 500 muslimischen Glaubens, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Christoph Burmeister, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Genaue Zahlen dazu gebe es aber nicht.

Drei Vollzeit- und eine Honorarkraft sollen künftig die religiöse Betreuung in deutscher Sprache anbieten. Alle vier seien Islamwissenschaftler mit deutschem Abschluss und hätten eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen. Einer habe bereits Erfahrung in Baden-Württemberg gesammelt und im August angefangen, der vierte soll im September beginnen.

Justizminister Herbert Mertin (FDP) hatte Ende 2017 ein Konzept zur religiösen Betreuung muslimischer Gefangener vorgelegt. Das Angebot soll unabhängig von Nationalität und Glaubensrichtung möglichst viele muslimische Gefangene erreichen. Aus dem internationalen Recht und dem Landesjustizvollzugsgesetz ergebe sich die Verpflichtung, Gefangenen die Ausübung ihrer Religion und Zugang zu einer Seelsorge ihres Bekenntnisses zu ermöglichen. «Eine Seelsorge, wie sie im Christentum verankert ist und praktiziert wird, gibt es im Islam nicht», heißt es in dem Konzept. Daher spricht das Ministerium von «religiöser Betreuung», die auch einer Art Lebensberatung diene.

Im Konzept heißt es zudem: «Zwar ist anzunehmen, dass eine funktionierende muslimische Seelsorge auch präventive Effekte hinsichtlich möglicher Radikalisierungen von Gefangenen entwickeln kann.» Dies sei aber nicht der Hauptzweck, würde dem eigentlichen Sinn von Seelsorge sogar widersprechen.

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