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Naturschutzverband will nicht «Sterbebegleiter» sein

06.12.2019 - Der Kiebitz findet immer weniger Platz in Rheinland-Pfalz. Der Vogel mit dem besonderen Federkopfschmuck ist auf offene Wiesen und Weiden angewiesen. Die GNOR setzt mit einem neuen Präsidium verstärkt auf gezielte Artenschutzprogramme.

  • Ein Kiebitz stolziert über eine Wiese. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Kiebitz stolziert über eine Wiese. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mainz (dpa/lrs) - Die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) startet mit Beginn des kommenden Jahres ein Artenschutzprogramm für den vom Aussterben bedrohten Kiebitz. «Wir wollen Artenschützer sein, nicht Sterbebegleiter», sagte der Biologe Peter Keller, einer von zwei neugewählten Präsidenten des Naturschutzverbands. Gezielte Schutzmaßnahmen für den Kiebitz sollen mit Unterstützung des Umweltministeriums die Vogelart retten, deren Bestand in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen ist.

An die Stelle des bisherigen Vorsitzenden Heinz Hesping wählte der Naturschutzverband kürzlich zwei Präsidenten: Neben dem Landauer Peter Keller kümmert sich Volker Schönfeld künftig vor allem um den Norden des Landes. Die Satzungsänderung mit der Einführung eines Präsidiums solle deutlich machen, dass die GNOR einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit in der wissenschaftlichen Forschung sehe, erklärte Keller.

Das Artenschutzprogramm für den Kiebitz (Vanellus vanellus) baut auf Erfahrungen eines hessischen Kiebitz-Programms der Staatlichen Vogelschutzwarte auf. Dort konnten durch gezielte Schutzmaßnahmen für Wiesenvögel Lebensräume geschaffen oder erhalten werden, etwa in der Wetterau und im Hessischen Ried.

In Rheinland-Pfalz gibt es den Vogel mit der schicken Kopffeder in Rheinhessen und der Pfalz; die Zahl der Brutpaare wird auf 100 bis 200 geschätzt. «Die Situation für den Kiebitz ist sehr kritisch», sagt Keller. Grund ist vor allem der Rückgang offener Wiesen und Weiden als Folge der geringeren Viehhaltung. Weicht der Kiebitz auf Äcker aus, findet er auf spät, etwa mit Sommergetreide bestellten Flächen seinen Platz. Schwieriger ist es mit Kulturen wie Wintergetreide und Mais, die in der Brutzeit bereits hochwüchsig sind.

Der Kiebitz steht stellvertretend für weitere am Boden brütende Vogelarten. «Den Feldvögeln geht es generell nicht gut», erklärt Keller, der schon 40 Jahre lang im Naturschutz aktiv ist. Er nennt neben der Feldlerche auch die Wiesenschafstelze und die zu den Greifvögeln gehörende Wiesenweihe.

Neben der Erfassung des Bestands soll in Zusammenarbeit mit Landwirten geprüft werden, welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind. Dazu gehört etwa, bekannte Brutplätze zeitweise von der landwirtschaftlichen Nutzung auszunehmen, bis die Jungtiere flügge sind und die Nester verlassen. Falls dem Bauern dabei wirtschaftliche Verluste entstehen, sollen diese ersetzt werden. Das Umweltministerium hat zur Finanzierung des Programms rund 120 000 Euro aus der Artenschutz-Initiative «Aktion Grün» bereitgestellt.

Der Kiebitzschutz in Rheinland-Pfalz ergänzt bestehende Monitoring-Programme für häufige Brutvögel und für Wasservögel. Diese vor vier Jahrzehnten begonnene Erfassung wird inzwischen vom Umweltministerium finanziert.

«Wir lassen nichts unversucht, beim Artenschutz weitere Projekte aufzustellen und wollen dies in den nächsten zwei, drei Jahren deutlich forcieren», sagt der neue GNOR-Präsident. Auch werde sich der Verband in die Diskussionen über die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU einbringen. Wichtig sei dabei das Gespräch mit den Bauernverbänden. «Kein Naturschützer hat etwas gegen die Landwirtschaft», sagt Keller. «Ich will dazu beitragen, die Wogen zu glätten und neue Wege für das Miteinander suchen.»

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