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Seilbahnen - Nachdenken über Nahverkehr in der Luft

23.08.2019 - In Barcelona schweben Touristen über den Hafen. Über die bolivianische Stadt La Paz spannt sich ein ganzes Netz von Seilbahnen. Sind sie künftig eine klimafreundliche Alternative im Nahverkehr auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland?

  • Die Seilbahn überquert den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 112 Metern. Foto: Thomas Frey © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Seilbahn überquert den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 112 Metern. Foto: Thomas Frey © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Koblenz (dpa/lrs) - Klimawandel, Luftverschmutzung, Autostaus: Angesichts dieser Herausforderungen erwägen manche deutsche Städte den Bau von Seilbahnen. Beispielsweise Frankfurt, Köln und München. Koblenz hat schon eine Seilbahn - von der hohen Festung Ehrenbreitstein ans gegenüberliegende Rheinufer im Zentrum. Wie sieht es in anderen Städten in Rheinland-Pfalz und im Saarland aus?

Seilbahnen haben durchaus einige Vorteile: Sie sind umweltfreundlich, leise, staufrei, haben wenig Flächenfraß, sind ampelfrei, oft schwellenfrei und kommen beim Bau fast ohne Straßensperrungen aus. Autobahnen und Flüsse können luftig überwunden werden - und die Kosten sind niedriger als bei neuen Straßen oder Gleise sein. Zu den Nachteilen gehören die Integration in den übrigen Nahverkehr und die Schaffung von Parkplätzen.

In LUDWIGSHAFEN wird über eine Seilbahn zur badischen Nachbarstadt Mannheim über den Rhein hin diskutiert. Hintergrund ist der geplante Abriss der Hochstraße Nord in Ludwigshafen, ein Nadelöhr für den Güterverkehr in der gesamten Region. Ein konkretes Projekt existiert nicht, allerdings soll ein Gutachter eine mögliche Umsetzung prüfen. Auch für den örtlichen Chemieriesen BASF ist das wichtig.

Die Frage ist: Wer wäre Betreiber - und was kostet das? Die FDP in Ludwigshafen schlägt eine Seilbahn mit barrierefreien Großkabinen vor, die im 40-Sekunden-Takt über den Rhein gondeln. Auch im benachbarten Mannheim in Baden-Württemberg soll es bei der Bundesgartenschau 2023 eine Personenseilbahn im Stadtgebiet geben.

Die saarländische Landeshauptstadt SAARBRÜCKEN teilt mit: «Es gibt derzeit keine konkreten Überlegungen zum Bau einer Seilbahn.» Allerdings hat kürzlich Ex-Oberbürgermeister Hajo Hoffmann (SPD) in der «Saarbrücker Zeitung» daran erinnert, dass bereits vor gut 20 Jahren ein Konzept sogar für mehrere Seilbahnlinien vorgelegen habe. Doch die Zeit sei damals wohl noch nicht reif gewesen.

Auch das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium hat neulich mitgeteilt, für die Einbindung von Seilbahnen in den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) brauche es noch Zeit. Zwar könnten schwebende Gondeln ein Baustein künftiger Mobilität sein. Bundesweit sei aber noch Pionierarbeit nötig.

Die Schwierigkeiten der Verknüpfung mit dem ÖPNV zeigt sich in KOBLENZ. Hier führt derzeit die gleichzeitige Sanierung der drei Rheinbrücken zu viel Frust in Verkehrsstaus. Doch Gespräche über eine intensivere Seilbahnnutzung sind laut Stadtsprecher Heiko Breitbarth im Frühling im Sande verlaufen. Das Fehlen von Parkplätzen an der Tal- und Bergstation verhindert nach seinen Worten meist eine Nutzung etwa als regulären Weg zur Arbeit. Zusätzliche Shuttlebusse zur Seilbahn seien vorerst zu teuer. Hinzu komme die Winterpause der Seilbahn.

Im regulären Betrieb zur Koblenzer Bundesgartenschau 2011 gestartet, sollte die Seilbahn nach dem Willen der Unesco nur wenige Jahre in Betrieb sein: Koblenz ist Tor zum Welterbe Oberes Mittelrheintal. Dann hat die Unesco grünes Licht für einen Betrieb bis 2026 gegeben. «Jetzt gibt es die Hoffnung, dass die Seilbahn bis zur Bundesgartenschau 2029 im Oberen Mittelrheintal läuft», sagt Breitbarth.

Die hoch über den Rhein schwebenden Gondeln mit Rundumsicht gelten bei vielen Koblenzern und Touristen als Attraktion. Eine ist als Vorführeffekt sogar als «Gondel Nr. 18 ÖPNV» mit Sitzschalen an den Seiten wie in U-Bahnen gestaltet - so könnten Seilbahnen bei einer Integration in den Nahverkehr aussehen. Die Koblenzer Seilbahn soll schon jetzt eine der höchsten Förderkapazitäten in Deutschland haben.

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt MAINZ gibt es nach Worten von Sprecher Ralf Peterhanwahr «derzeit viele Erwägungen zu Ergänzungen im öffentlichen Nahverkehr wie etwa die Pläne einer Citybahn mit der Stadt Wiesbaden. Konkrete Planungen zu einer möglichen Seilbahn über den Rhein gehören aktuell nicht dazu.» Fast wie ein Aprilscherz mutet eine neue Idee der Koblenz-Touristik an: Mit einer Seilrutsche sollen einzelne Wagemutige mit bis zu 115 Kilometern pro Stunde von 2022 an von der Festung Ehrenbreitstein über den Rhein bis in die Innenstadt sausen können. Die Machbarkeit sei bereits geprüft worden, versichert Sprecher Jan Moryson. Zuvor hat die «Rhein-Zeitung» darüber berichtet.

Die Technik der sogenannten Zipline sei erprobt und nicht schwierig umzusetzen. Koblenz könnte damit auf dem hart umkämpften Tourismusmarkt mehr Aufmerksamkeit erregen und eine jüngere Zielgruppe ansprechen, sagt Moryson. Zipline-Fahrer würden mit Rollen an einem Seil eingehängt, um auf einer Länge von etwa 1200 Metern abwärts zu sausen.

Zu visionär? Die Seilrutsche könnte auch eine Gefahr für den Welterbestatus des Oberen Mittelrheintals sein, warnt eine Unesco-Sprecherin in Bonn. Das müsse geprüft werden. Der romantische Talabschnitt mit der wohl höchsten Burgendichte der Welt befindet sich seit 2002 auf der Welterbe-Liste. Bei Fehlentwicklungen kann die Unesco diesen Status auch wieder aberkennen.

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