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Theaterschaffende fürchten um Existenz wegen Corona-Krise

23.03.2020 - Auch die Theater leiden unter den Auswirkungen des Coronavirus. Zahlreiche Vorstellungen mussten abgesagt oder verschoben werden, auch der Kulturminister spricht von «existenzbedrohenden Einnahmerückgängen» und verweist auf Unterstützungsangebote.

  • Blick auf den Eingangsbereich des Pfalztheaters. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf den Eingangsbereich des Pfalztheaters. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Krise führt zur Absage vieler Vorstellungen an rheinland-pfälzischen Theatern und stellt Künstler vor große finanzielle Herausforderungen. Ein Sprecher des Pfalztheaters Kaiserslautern, das selbst den Spielbetrieb bis 19. April eingestellt hat, sprach von unzähligen Krisensitzungen. Das Ausmaß des Schadens für die Bühnen ist derzeit kaum zu beziffern, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Kulturminister Konrad Wolf (SPD) sagte: «Kultureinrichtungen stehen vor massiven, teilweise existenzbedrohenden Einnahmerückgängen.» Viele Freischaffende hätte wegen abgesagter Veranstaltungen keine Arbeit und damit auch kein Einkommen mehr. Die Betroffenen würden aber nicht allein gelassen.

Das Theater Koblenz hat bislang etwa 75 Vorstellungen gestrichen, wie ein Sprecher mitteilte. «Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sich diese Anzahl noch erhöht, da die Spätfolgen der jetzigen Unterbrechung für die folgenden Monate noch nicht abzuschätzen sind.» Das Theater rechne mit einem Einnahmeausfall von mindestens 750 000 Euro. Doch auch diese Zahl könne sich noch deutlich erhöhen.

«Die aktuelle Lage kann besonders für Freiberuflerinnen und Freiberufler dramatisch sein», sagte der Sprecher. Für Gastschauspieler gebe es grundsätzlich keinen rechtlichen Anspruch auf finanziellen Ausgleich, das Theater bemühe sich aber um einen fairen und unangemessenen Umgang und individuelle Lösungen.

«Unzählig viele» Veranstaltungen müssten auch am Pfalztheater abgesagt oder verschoben werden, sagte dessen Sprecher. Betroffen seien in Kaiserslautern auch einige Premieren, wie das Musikdrama «Salome» von Richard Strauss. Wie hoch der Schaden sei, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Auch das Staatstheater Mainz konnte derzeit weder benennen, wie viele Vorstellungen abgesagt werden mussten, noch, wie hoch der finanzielle Schaden sei. Einer Sprecherin zufolge ist noch ungewiss, wie lange der Spielbetrieb eingestellt bleibt.

Der Landesverband professioneller freier Theater hat finanzielle Hilfen ohne Rückzahlungspflicht gefordert. Die Auswirkungen der Corona-Krise treffen die freie Theaterszene aufgrund der finanziellen Ausfälle besonders stark, wie Geschäftsführerin Birgit Walkenhorst sagte. Der Verband mit Sitz in Koblenz beobachte mit Sorge, dass die bisher formulierten Lösungsansätze an der Lebensrealität einer Mehrzahl der freien Theaterschaffenden vorbei zielten. Kredite seien wenig hilfreich, da freie Theater kaum über finanzielle Rücklagen verfügten, mit denen Kredite zurückgezahlt werden könnten.

Nach Angaben des Verbandes gibt es neben den großen Bühnen wie etwa in Mainz, Kaiserslautern und Koblenz etwa 50 bis 60 professionelle freie Theater in Rheinland-Pfalz. Die Akteure der freien Szene finanzieren sich in erster Linie aus Einnahmen an der Abendkasse und Gastspielhonoraren.

Minister Wolf verwies auf das geplante milliardenschwere Hilfspaket für Solo-Selbstständige und andere Kleinstfirmen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen plant die Bundesregierung ein Paket von über 40 Milliarden Euro für Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen. Diese sollten so Soforthilfen von bis zu 9000 beziehungsweise 15 000 Euro erhalten, erklärte Wolf.

Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marion Schneid, sagte, das Ministerium müsse sicherstellen, dass das Geld unbürokratisch bewilligt und schnell bei Betroffenen ankomme. Kulturschaffende müssten nun einmal laufende Kosten begleichen. Viele kreativ arbeitende Menschen lebten ohne Coronavirus oftmals schon am Existenzminimum. «Ihre Situation hat sich in den vergangenen Tagen und mit Blick auf die nächsten Monate extrem verschärft.»

Um Künstlern unter die Arme zu greifen, wird laut Ministerium in Rheinland-Pfalz auch davon Abstand genommen, wie sonst üblich Projektförderungen nach einer Absage zurückzufordern. Bereits getätigte Ausgaben für abgesagte Veranstaltungen könnten als solche geltend gemacht werden. Der Bewilligungszeitraum für Projektförderungen werde bis Ende des Jahres verlängert. So sollten Veranstalter in die Lage versetzt werden, Aufführungen nicht abzusagen, sondern zu verschieben, auch bis Ende 2020.

Für Fragen zu all diesen Themen stehen dem Ministerium zufolge fortan die im vergangenen Jahr geschaffenen Kulturberater bereit. Für den Norden des Landes ist dies Björn Rodday von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur in Lahnstein, für den Süden Roderick Haas vom Verein Kulturnetz Pfalz mit Sitz in Kaiserslautern.

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