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Tödliche Messerattacke: Lebenslange Haft

24.06.2019 - Ein Mann sticht auf dem Vorplatz des Ostparkbades in Frankenthal auf einen 51-Jährigen ein. Wenige Tage später ist das Opfer tot. Nun hat das Landgericht Frankenthal den 26-jährigen Täter verurteilt. Nach der Verhandlung kam es zu Tumulten.

  • Eine modellhafte Nachbildung der Justitia. Foto: Volker Hartmann/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine modellhafte Nachbildung der Justitia. Foto: Volker Hartmann/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankenthal (dpa/lrs) - Rund anderthalb Jahre nach einer tödlichen Messerattacke in Frankenthal hat das dortige Landgericht einen 51 Jahre alten Mann wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sahen es am Montag als erwiesen an, dass der Angeklagte im Januar 2018 vor dem Ostparkbad mehrmals auf seinen Kontrahenten eingestochen und diesen schwer verletzt hat. Trotz mehrerer Notoperationen starb das Opfer fünf Tage später in einer Klinik. Nach der Urteilsverkündung kam es im Landgericht zu tumultartigen Szenen.

Die Richter gingen davon aus, dass die Tat von langer Hand geplant war. Bereits Ende 2017 schrieb der türkischstämmige Angeklagte in Bezug auf sein Opfer - einen Boxer - in einem Chat: «Sie werden ihn nicht mehr Boxer, sondern Sieb nennen.» Die tiefen Stichverletzungen und mehrere Zeugenaussagen sprechen laut Richterin Mirtha Hütt für einen wuchtigen und aggressiven Angriff.

Darauf weise auch die zwischen zehn und 20 Zentimeter lange Tatwaffe hin. «Ein solches Messer soll verletzen, ein solches Messer soll töten», sagte Hütt in ihrer Urteilsbegründung. An einem früheren Verhandlungstag hatte der Angeklagte behauptet, er habe keinen Streit gesucht und es sei nie seine Absicht gewesen, den 51-Jährigen zu töten.

Der Kammer zufolge geht der Mord auf einen Vorfall in der Mannheimer Innenstadt zurück. Im Februar 2015 hatten sich zwei rivalisierende Gruppen entlang des Marktplatzes der Quadratestadt eine Schlägerei geliefert. Sie schlugen und stachen aufeinander ein, es fielen auch Schüsse. Der Angeklagte und ein zweiter Mann wurden durch Messerstiche verletzt. Das Mannheimer Landgericht verurteilte hierfür später fünf aktive oder ehemalige Mitglieder des rockerähnlichen Boxclubs «Osmanen».

Der 26-Jährige ging demnach davon aus, dass sein späteres Opfer den Überfall in Mannheim geplant oder veranlasst hat. «Der Angeklagte war wütend und frustriert, fühlte sich verraten, in seinem Ansehen und seiner Ehre verletzt», sagte Richterin Hütt. Wechselseitige Bedrohungen, die Angst vor einem erneute Angriff und die wilde Gerüchteküche in seinem Umfeld hätten die Lage zusätzlich angeheizt. «Die Vergeltung war zum Lebensinhalt des Angeklagten geworden.»

Die Staatsanwaltschaft hatte neben der lebenslangen Freiheitsstrafe auch Sicherheitsverwahrung beantragt. Letzterem folgten die Richter nicht. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert und eine Haftstrafe von höchstens acht Jahren gefordert. Das Mordmerkmal niedrige Beweggründe sei in dem Verfahren nicht tragfähig nachgewiesen worden, sagte Verteidiger Heinrich Maul. Der Anwalt kündigte an, gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen zu wollen.

Nach der Entscheidung kam es im Treppenhaus des Landgerichts zu Tumulten. Angehörige des Opfers und des Angeklagten schrien sich an und beschimpften sich lautstark. Erst Justizbeamte und mehrere Polizisten konnten die zwei Lager trennen. Bereits an früheren Verhandlungstagen war es im Gerichtssaal zu wüsten Beschimpfungen gekommen.

Der Prozess fand unter anderem wegen der Verbindung zum 2018 verbotenen Boxclub «Osmanen» unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zuschauer und Journalisten wurden am Eingang des Gerichts durchsucht und abgetastet. Der Prozess hatte im Oktober 2018 begonnen und sollte ursprünglich im Frühjahr zu Ende gehen. Im März erkrankte jedoch der Vorsitzende der Kammer. Nach zehnwöchiger Pause wurde die Hauptverhandlung Anfang Juni mit einer Ersatzrichterin fortgesetzt.

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