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Trostloses Ende eines emotionalen Fußball-Märchens

10.06.2020 - Über das Pokal-Märchen des 1. FC Saarbrücken wird man noch viele Jahre erzählen. Doch ausgerechnet als beim Halbfinale gegen Leverkusen Millionen zusahen, endete es seltsam unemotional. Was an der Leistung beider Teams lag. Aber auch viel an den Umständen.

  • Leverkusens Karim Bellarabi (l) in Aktion gegen Saarbrueckens Anthony Barylla. Foto: Ronald Wittek/epa-Pool/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Leverkusens Karim Bellarabi (l) in Aktion gegen Saarbrueckens Anthony Barylla. Foto: Ronald Wittek/epa-Pool/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Keine Chance, keine Spannung, keine Stimmung: Das einzigartig und hochemotionale Fußball-Märchen des 1. FC Saarbrücken hat ein unwürdig trostloses Ende gefunden. Ohne Wettkampf-Praxis seit drei Monaten und ohne Zuschauer war der Viertligist beim 0:3 (0:2) gegen Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen im ersten Halbfinale des DFB-Pokals nur ein Sparringpartner. Das Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion, das im Viertelfinale gegen Düsseldorf noch in seinen Grundfesten gebebt und einen unvergesslichen Pokal-Abend erlebt hatte, sah diesmal ab der 17. Minute gefühlt ein Trainings-Spiel auf einer Bezirkssportanlage.

Saarbrückens Trainer Lukas Kwasniok stand kurz nach dem Abpfiff trotzdem noch mächtig unter Strom. Zunächst bescheinigte er einem ARD-Reporter, der das ultradefensive 5-5-0-System hinterfragt hatte, etwas taktlos «geistigen Dünnpfiff». Dann ging er auch mit seiner Mannschaft hart ins Gericht: «Wir wollten alle Waffen ziehen und haben mit Wattebällchen geworfen.»

Sein Team habe sich «achtbar aus der Affäre gezogen und nicht abschlachten lassen. Aber unter dem Strich überwiegt die Enttäuschung. Deshalb wird es jetzt erst einmal ein, zwei Frust-Bier geben», sagte der 38-Jährige. «Es war eine fantastische Reise. Aber es war nur noch ein Step bis zu einem Wunder. Wenn man da keine Enttäuschung zeigen würde, wären alle Parolen davor Luftschlösser und Worthülsen gewesen.» Irgendwann, so Kwasniok, würden alle stolz auf das Erreichte sein. «Aber das wird wohl erst kommen, wenn wir unsere Frauen und Kinder im Arm haben.»

Dass Stunden vor dem Spiel die Nachricht durchsickerte, dass der erfolgreiche und beliebte Sportdirektor Marcus Mann wohl vor einem Wechsel als Nachwuchs-Direktor zum Bundesligisten 1899 Hoffenheim steht, passte ins Bild. Doch eines muss man Kwasniok hoch anrechnen: Er suchte keine Ausreden. Obwohl sie alle parat lagen.

Für manchen war dieses Pokal-Halbfinale aufgrund der Umstände gar eine Farce. Schließlich hatte der FCS nicht nur wie alle Gastgeber im Moment ohne seine Zuschauer auskommen müssen. Sondern hatte durch die fehlenden Spiele augenscheinlich auch einen sportlichen Nachteil gegen die drei Klassen höher spielenden und voll im Saft stehenden Leverkusener. Die ihre Pflichtaufgabe aber auch seriös, konzentriert und professionell lösten. «Ich weiß nicht, wie es sonst gelaufen wäre», sagte Kwasniok: «Das ist aber auch hypothetisch. Wir müssen schauen, was wir besser hätten machen können.»

Doch auch wenn es für die Saarländer frustrierend ist, nach vier Überraschungen und Sensationen gegen Erst- und Zweitligisten ausgerechnet im ersten Live-Spiel im Free-TV vor Millionen Zuschauern keine Highlights gesetzt zu haben: Sie haben ein Pokal-Märchen geschrieben. Angesichts der Tatsache, dass sie als erster Viertligist das Halbfinale erreichten, sogar ein einmaliges.

Und sie gehen mit Zusatz-Einnahmen von sechs Millionen Euro in die 3. Liga. Dort können sie laut der im Saarland lebenden Manager-Ikone Reiner Calmund «in der Spitzengruppe mitmischen». Und man gewann am Dienstagabend das Gefühl: Mit weniger wird sich der Trainer auch nicht zufrieden geben.

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