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Warnung: Bahnanlagen kein Platz für Abenteuer

28.06.2019 - Die Suche nach Nervenkitzel treibt junge Leute immer wieder auf Bahngelände. Dies kann gravierende Folgen haben, wie schwere Unfälle in den vergangenen Monaten auch in Hessen zeigten. Das Unternehmen und die Polizei setzen auf verstärkte Aufklärung.

  • Auf einer Brücke am Bahnhof ist ein Warnschild mit der Aufschrift «Hochspannung Vorsicht ! Lebensgefahr» angebracht. Foto: Arne Dedert/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auf einer Brücke am Bahnhof ist ein Warnschild mit der Aufschrift «Hochspannung Vorsicht ! Lebensgefahr» angebracht. Foto: Arne Dedert/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Scheinbar verlassene Gleise, abgestellte Waggons und hohe Masten zum Klettern - Anlagen der Deutschen Bahn ziehen junge Leute auf der Suche nach Abenteuern an. Tatsächlich handelt es sich um eine hochgefährliche Umgebung: Im Januar kam im Kreis Fulda ein 21-Jähriger ums Leben, der nachts auf einem Waggon mitgefahren und beim Abspringen gegen einen Mast geprallt war. Vergangenen Sommer erlitt in Darmstadt ein 13-Jähriger einen tödlichen Stromschlag auf einem abgestellten Güterwaggon.

Aus dem gesamten Bundesgebiet meldet die Bahn zahlreiche Unfälle. Besonders Kindern und Jugendlichen sei die Gefahr nicht bewusst, die von Zügen und Oberleitungen ausgehen könne, sagt Christian Altenhofen von der Bundespolizei in Koblenz. Deshalb verstärken Bahn und Polizei nun zu Beginn der Sommerferien ihre Präventionsarbeit. Bahnanlagen dürften nicht betreten werden und seien kein Platz für Abenteuer, stellt das Unternehmen dabei klar.

Altenhofen sagt, um einen tödlichen Stromschlag zu erleiden, genüge es, sich einer Oberleitung auf nur 1,50 Meter zu nähern. 20 Unfälle im Zusammenhang mit Oberleitungen registrierte die Bahn im vergangenen Jahr bundesweit - darunter den tödlichen in Darmstadt. Das Klettern auf Strommasten oder auf Züge ist deshalb streng verboten.

Auch fahrende Züge sind eine große Gefahr, denn sie sind viel leiser unterwegs als allgemein angenommen und könnten nicht ausweichen. Der Bremsweg könne bis zu einen Kilometer lang sein, mahnt die Bahn. Eine Abkürzung über Gleise zu nehmen oder Schienen für Mutproben zu nutzen - mit Blick auf die Zahlen keine gute Idee: Mehr als hundert Unfälle zählte die Bahn vergangenes Jahr bundesweit durch unerlaubtes Überqueren von Gleisen. «Auch das Phänomen «Selfie im Gleis» hat sich zu einer lebensgefährlichen Angewohnheit entwickelt, die nicht nur das Leben kosten, sondern sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann», sagt Altenhofen.

Abenteuerspiele oder Mutproben auf Bahnanlagen werden, sofern sie der Polizei zur Kenntnis gelangen, in der Kriminalstatistik erfasst. Allerdings nicht einzeln, sondern zusammen mit gefährlichen Eingriffen in den Schiffs- und Luftverkehr. Vergangenes Jahr waren es in Hessen 204, zuvor 231, wie das Landeskriminalamt berichtet. 73 Störungen und Unfälle im Bahnbereich zählte die Bundespolizei vergangenes Jahr im Land, im Jahr zuvor waren es 84.

Erst vor wenigen Tagen gab es einen Beinahe-Unfall in der Nähe von Marburg: Ein 18-Jähriger stand auf den Schienen, mit 140 Stundenkilometern raste der Regionalexpress Kassel-Frankfurt auf ihn zu. Der junge Mann konnte rechtzeitig zur Seite springen, nun wird gegen ihn ermittelt. 13 Züge hatten nach dem Vorfall am 11. Juni Verspätung.

Auch der Fall von «S-Bahn-Surfen», der in Osthessen tödlich endete, ist kein Einzelereignis gewesen. Ein 18-Jähriger ließ sich im vergangenen September auf dem Dach der Taunusbahn nieder und fuhr kilometerweit mit. Fahrgäste alarmierten die Polizei, die den jungen Mann schließlich fasste. «Sehr gefährlich, nicht witzig und schon gar nicht cool», befanden die Beamten auf Facebook.

Selbst beim Warten am Bahnsteig droht Gefahr, wenn die Regeln nicht beachten werden, sagt Altenhofen. Ein in den Gleisbereich hineinragender Rucksack etwa könne bei Einfahrt eines Zuges zu schweren Unfällen führen. Die weißen Sicherheitslinien seien nicht umsonst auf den Bahnsteigen angebracht.

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