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Wenn der Abschied vom Haustier schwer fällt

11.08.2019 - Sterben Hund oder Katze, werden sie oft zu Fleischbrei oder Mehl verarbeitet - kein angenehmer Gedanke für Tierfreunde. Sie können in Rheinland-Pfalz an vielen Stellen würdig von ihrem Liebling Abschied nehmen. Oder sich gar gemeinsam mit ihm begraben lassen.

  • Eine Katze streift am frühen Morgen auf der Jagd nach Mäusen durch das hohe Gras auf einer Wiese. Foto: Julian Stratenschulte/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Katze streift am frühen Morgen auf der Jagd nach Mäusen durch das hohe Gras auf einer Wiese. Foto: Julian Stratenschulte/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neustadt/Koblenz (dpa/lrs) - Anfangs waren es meist Hunde und Katzen. Mittlerweile lassen Tierfreunde längst auch andere liebgewonnene Gefährten bestatten: Schildkröten, Wellensittiche, Kaninchen - sogar tote Fische. Das Geschäft mit der Tierbestattung in Rheinland-Pfalz sei einträglich, sagen Branchenkenner im Bundesland. Manche Kunden kommen sogar von auswärts: «Wir haben hier auch eine Katze aus Berlin und einen Hund aus Nürnberg», sagt etwa Roger Koch vom Abschiedswald Freilingen. Auf dem Areal im Westerwald liegen 485 Tiere. «Urnen sind die große Ausnahme, meist sind es Ganzkörperbestattungen.»

Die gesetzliche Regelung in Rheinland-Pfalz ist klar: «Einzelne tote Heimtiere dürfen im eigenen Garten oder auf eigenem Grundstück begraben werden, wenn sich dieser oder dieses nicht in einem Wasserschutzgebiet befindet», heißt es etwa. «Wer keine Möglichkeit dazu hat oder sein Tier nicht auf dem eigenen Grund begraben möchte, kann das Tier auf einem dafür zugelassenen Tierfriedhof bestatten oder in einem Tierkrematorium verbrennen lassen.»

«Das Verhältnis zum Tier ist heute anders als vor 30 oder 40 Jahren», sagt Simon Hähnel, der in Neustadt/Weinstraße die Tierbestattung «Engelspfote» betreibt. «Keiner will, dass sein Begleiter nach dem Tod zu Knochenmehl vermahlen wird. Tiere sind für viele fast ein Familienmitglied.» Er bestätigt die große Nachfrage nach einem würdigen Abschied von Bello und Kitty. Für Katzen und Hunde bis 20 Kilogramm berechnet er 350 Euro. Möglich sind ein Pfotenabdruck auf der Urne und Haare vom Fell des langjährigen Begleiters.

«Früher lagen Hunde im Hof an der Kette, heute liegen sie im Haus auf der Couch», sagt Ursula Kugel von Tierbestattung «Aaron» in Dausenau bei Bad Ems. Sie kümmert sich nach eigenen Angaben um 30, 40 tote Tiere im Monat. Mit Religion haben solche Bestattungen ihrer Ansicht nach nichts zu tun. «Ich trenne das und habe zum Beispiel keine Engelsfigur im Laden», sagt Kugel. Sie verurteile jedoch nicht, wenn ein Tierhalter dies für nötig halte. «Ich persönlich möchte dabei keinen Glauben verherrlichen. Man sollte alles im Normalen halten.»

«Jeder muss es für sich wissen», meint auch ein Sprecher von «Anubis» Tierbestattungen Mainz-Rhein-Nahe. «Manche Tierbesitzer kommen, füllen Papiere aus und sind gleich wieder weg, andere wollen eine Zeremonie mit Aufbahrung und Musik.» Ein Mann habe ihn einmal um die Bestattung eines Wellensittichs gebeten und gesagt: «Er hatte einen Namen, also gehörte er zur Familie», erzählt er in Mainz.

In Hermeskeil soll im Herbst ein neues Kleintierkrematorium eröffnet werden. «Früher waren sie Wachhund und Mäusefänger, heute sind sie Lebenspartner und Familienmitglied», sagt Svenja Holle von Tierbestattung «Rosengarten», das die Einrichtung betreiben wird. Eine Frau habe ihr einmal erzählt, dass sie Angst gehabt habe vor dem Tag, an dem die Asche ihres Hundes vom Krematorium komme. «Als aber das Halsband klimperte, das wir wie gewünscht in die Urne gelegt hatten, gab ihr das vertraute Geräusch ein Gefühl der Leichtigkeit.»

Auch eine gemeinsame Urnenbestattung von Mensch und Tier ist mittlerweile möglich, etwa in Dachsenhausen bei Koblenz. «Mensch-Tier-Bestattungen sind sehr aktuell», meint Holle. «Ich bin sicher, dass dieses Thema noch viel mehr in den Fokus geraten wird.»

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