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«Boom ist ungebrochen»: Privatschulen in Sachsen mit Zulauf

07.08.2019 - Von Waldorf bis Montessori - freie Schulen sind gefragt. In Sachsen lernen mehr als 70 000 Jungen und Mädchen an einer freien Schule. Das Versprechen: Individuelle Förderung und alternative Pädagogik.

  • Mäppchen liegen vor einer Schülerin der 5. Klasse. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mäppchen liegen vor einer Schülerin der 5. Klasse. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dresden (dpa/sn) - Privatschulen verbuchen in Sachsen einen deutlichen Zulauf. Nach Angaben des Kultusministeriums besuchten im Schuljahr 2018/2019 rund 70 200 Schüler eine der mehr als 400 Schulen in freier Trägerschaft. Die Schülerzahlen seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, sagte eine Behördensprecherin auf Anfrage. Das habe auch damit zu tun, dass zahlreiche freie Schulen neu gegründet wurden und erst nach und nach ihre volle Schülerzahl erreichten. Um die Jahrtausendwende gab es im Freistaat gerade einmal 240 Privatschulen mit rund 37 000 Schülern.

Die Gründe, warum sich Eltern für eine Privatschule entscheiden, seien sehr unterschiedlich, so die Sprecherin des Kultusministeriums. Ausschlaggebend könnten etwa kürzere Schulwege oder pädagogische Alternativangebote sein. Zu Privatschulen gehören etwa Waldorf- und Montessorischulen oder Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. Sie müssen allesamt staatlich genehmigt werden und haben eine «heterogene Schülerschaft», wie der Verband Deutscher Privatschulverbände betonte. Bundesweit lernen knapp eine Million Kinder und Jugendliche - und damit jeder elfte Schüler - inzwischen in einer Privatschule.

Binnen 25 Jahren hat sich die Zahl der Schulen in privater Trägerschaft in Deutschland von rund 3200 auf knapp 5850 nahezu verdoppelt. Sie haben nach jüngsten Zahlen einen Anteil von 14 Prozent gemessen an allen Schulen. Das Wachstum kommt stark aus Ostdeutschland, wo es vor der Wende praktisch keine Privatschulen gab, so Bildungsforscherin Nele McElvany von der Uni Dortmund.

«Der Boom ist ungebrochen», bekräftigte auch Manja Bürger von der Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände freier Schulträger in Sachsen (LAGSFS). Geringe Klassengrößen und gezielte, individuelle Förderung - das seien wichtige Aspekte für Eltern, ihr Kind auf eine Schule in freier Trägerschaft zu schicken. Viele hätten zudem ein starkes Interesse am Thema Bildung. Bürger betonte, dass es nicht um soziale Spaltung gehe. «Wir haben ein Klientel von A bis Z.» Darunter seien auch Familien, denen das Schulgeld erstattet werde.

Angesichts der Verbeamtung von Lehrern an staatlichen Schulen wird es für Privatschulen in Sachsen zunehmend schwieriger, Lehrer zu gewinnen. «Das ist durchaus ein Problem», so Bürger. Mit einer Online-Petition unter dem Motto «Freie Schulen. Gleiche Schulen» kämpfen die Einrichtungen deshalb um eine politische Gleichbehandlung. Es gebe immer noch eine Benachteiligung bei den staatlichen Zuschüssen, etwa für das Personal. Auch bei der Verteilung von Fördermitteln hätten Schulen in freier Trägerschaft oft das Nachsehen. Die LAGSFS kritisierte, dass damit die vom Verfassungsgericht geforderte gleichrangige Behandlung von öffentlichen und freien Schulen nicht gegeben sei. Bisher haben mehr als 5200 Unterstützer die Petition unterschrieben.

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