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«Respekt vor Historie»: Schweizer retten Dresdens Raddampfer

02.09.2020 - Die Weiße Flotte gehört zu Dresden wie Semperoper und Frauenkirche. Die historischen Dampfer gerieten durch Niedrigwasser und Corona in Schieflage. Nun will ein Schweizer Investor das Traditionsunternehmen in sicheres Fahrwasser führen.

  • Das Schweizer Unternehmen United Rivers AG aus Basel wird die insolvente Sächsische Dampfschiffahrts GmbH (SDS) übernehmen. Foto: Robert Michael/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Schweizer Unternehmen United Rivers AG aus Basel wird die insolvente Sächsische Dampfschiffahrts GmbH (SDS) übernehmen. Foto: Robert Michael/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die älteste Raddampferflotte der Welt ist gerettet: Die insolvente Sächsische Dampfschiffahrt GmbH (SDS) in Dresden hat seit dem 1. September einen neuen Eigentümer. Die Schweizer United Rivers AG aus Basel - ein Unternehmen der europäischen Binnenschifffahrt - betreibt das Geschäft auf der Elbe weiter. Damit bleiben die Dampfer Sachsen erhalten. «Wir treten an mit Respekt vor rund 200 Jahren Historie», sagte der Vorstandschef und neue Besitzer Robert Straubhaar am Mittwoch in Dresden. Der Schweizer will künftig die Geschicke der Dampferflotte als Geschäftsführer gemeinsam mit dem gebürtigen Sachsen Stefan Bloch lenken. Alle rund 150 Mitarbeiter des Dresdner Unternehmens sowie der Tochterfirmen sollen ihren Job behalten.

«Wir können Schiff. Wir können Elbe. Wir können Niedrigwasser», sagte Straubhaar. Beim Betreiben der Dampfschiffe setze man auf die Erfahrung der Mitarbeiter. In diesem Jahr will der neue Dampferchef nichts mehr ändern - Fahrpläne, Veranstaltungen und Charterfahrten finden wie geplant statt. Die anstehende Winterpause wollen Straubhaar und sein Team nutzen, um neue Ideen für die nächste Saison zu entwickeln. «Wir wollen mehr Präsenz zeigen, mehr Vielfalt und auch die jüngere Generation ansprechen», umriss Straubhaar das Projekt.

Das Schweizer Unternehmen zeigte sich zuversichtlich, mehr Gäste nach Dresden und auf die Dampfer und beiden modernen Salonschiffe zu locken - und verwies auf Erfahrung mit Flusskreuzfahrten und Ausflugsschiffen. Die United Rivers AG besitzt weltweit 100 Schiffe und beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter. Zum Konzern gehört auch die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt, die Straubhaar 2016 übernahm. Seither habe der Umsatz um 30 Prozent zulegen können, sagte der Schweizer Unternehmer.

Die Sächsische Dampfschiffahrt wird künftig in einer neuen Unternehmensstruktur unter dem Dach von United Rivers mit zwei Firmen weitergeführt: Die Weiße Flotte Sachsen GmbH übernimmt alle operativen Aufgaben der SDS, den Gastronomiebetrieb Elbezeit und die beiden modernen Salonschiffe. Als Tochterunternehmen kümmert sich die Kulturerbe Dampfschiffe Dresden GmbH fortan um die neun zwischen 1879 und 1929 gebauten Elbdampfer.

Damit ist gesichert, dass die älteste Raddampferflotte der Welt in Sachsen bleibt und im angestammten Revier verkehrt. «Sie sind damit wohlbehütet», so Straubhaar. Er will auch den Freundeskreis der Weißen Flotte, wie die neun Raddampfer auch genannt werden, mit ins Boot holen.

Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) zeigte sich erleichtert über die Rettung des Unternehmens. «Dank des neuen Investors für die Sächsische Dampfschiffahrt können die ‎weltberühmten Dampfer auch zukünftig ihren Gästen die Schönheit links ‎und rechts der Elbe zeigen.» Der Freistaat stellt als Grundstückseigentümer die Anleger am Dresdner Terrassenufer zur Verfügung. Das ist über Erbbaupacht geregelt.

Die SDS war nach zwei Niedrigwasser-Perioden in die roten Zahlen gerutscht und seit Juni in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Eigentümer der GmbH & Co. KG waren knapp 500 Kommanditisten mit unterschiedlichen Anteilen und der Freistaat mehrheitlich an der GmbH als persönlich haftender Gesellschafter beteiligt. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Frank-Rüdiger Scheffler ist die Sanierung in Eigenverwaltung mit dem Verkauf an die Schweizer abgeschlossen. Nun erfolgt die Abwicklung der bisherigen Firmen in einem regulären Insolvenzverfahren. «Wenn das Verfahren abgeschlossen ist, sind alle Beteiligten raus», so Scheffler.

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