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Bauernpräsident: Pflanzen mit Gentechnik vor Dürre schützen

26.06.2019 - Trockenheit, Tierhaltung und Düngeverordnung - die deutschen Bauern treibt vieles um. Landwirtschaftsministerin Klöckner steht hinter mancher Forderung - muss aber auch Kritik einstecken.

  • Mohnblüten auf einem Blühstreifen an einem Feldrand. Foto: Frank Rumpenhorst/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mohnblüten auf einem Blühstreifen an einem Feldrand. Foto: Frank Rumpenhorst/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schkeuditz (dpa) - Die deutschen Bauern wollen sich mit speziellen Züchtungen gegen den Klimawandel wappnen. Dazu sei eine Änderung der europäischen Gentechnik-Gesetze nötig, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Mittwoch beim Deutschen Bauerntag in Schkeuditz bei Leipzig. Die Pflanzen müssten sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe umgehen können, sagte er bei dem zweitägigen Treffen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stimmte der Forderung zu: «Wir brauchen neue Züchtungen, die klimastressresistent sind», sagte sie. Von einer vom Bauernverband geforderten steuerfreien Risikorücklage für mögliche Ernteausfälle hält die Ministerin nach Aussage einer Sprecherin nichts. Sie setzte sich unter anderem für den ermäßigten Steuersatz bei der Dürreversicherung ein.

Klöckner stellte aber auch Forderungen: Sie erwarte von den Landwirten, dass sie «vor die Welle» kommen, statt abwehrend auf Neuerungen zu reagieren. Sie müssten zeigen, dass sie sich für die Reduzierung von Kohlenstoffdioxid einsetzen. Dafür sollten sie stärker in die Diskussion einsteigen darüber, welchen Einfluss der Konsument auf Tierwohl und Ökologie hat. Gleichzeitig appellierte Klöckner an die Verbraucher, eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. Auch der Handel müsse für mehr Wertschätzung für die Produkte der Landwirtschaft einbezogen werden.

Bauernpräsident Rukwied kritisierte die von der Bundesregierung vorgeschlagenen zusätzlichen Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Sie verlangt nun zusätzliche Dünge-Beschränkungen.

Würden Zwischenfrüchte nicht gedüngt, bildeten sie weniger Wurzeln aus, warnte der Bauernpräsident. Das könne dann ebenfalls zu einem höheren Nitratgehalt im Boden führen, sagte Rukwied. Er hoffe auf «mehr Sachverstand» der Regierung bei der Ausarbeitung der Ackerbaustrategie, die das Landwirtschaftsministerium im Herbst vorlegen will. Klöckner verteidigte die Düngeverordnung, die Vorgaben seien sehr streng gewesen. Die Ministerin kündigte an, dass ein Thema in der Ackerbaustrategie der Humusaufbau ist.

Der Bauernpräsident hob hervor, dass Landwirte mit insgesamt 230 000 Kilometer langen Blühstreifen am Rand von Feldern in Deutschland entscheidend zur Artenvielfalt beitragen. Auch die Initiative Tierwohl sei wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Landwirtschaft.

Diese Nachhaltigkeit sieht er durch ein mögliches Mercosur-Abkommen in Gefahr: Durch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund kämen Produkte aus ehemaligen Regenwaldgebieten in die Region. Außerdem habe Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro seit seinem Antritt 150 Pflanzenschutzmittel neu zugelassen. «Ich erwarte von der Politik Geradlinigkeit», sagte Rukwied. Durch das Abkommen könnte die europäische Landwirtschaft sieben Milliarden Euro einbüßen.

Rukwied warnte vor einer zunehmenden Entfremdung von Stadtbewohnern und Landwirten. Mit Blick auf Volksbegehren zum Schutz von Bienen sagte er: «Ich habe kein Verständnis dafür, dass man vom Schreibtisch aus auf die Bauern zeigt und sagt, ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht.» Ihn sorge, dass urbane Milieus zunehmend versuchten, die tägliche Arbeit von Bauern zu beeinflussen.

Der Deutsche Bauernverband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 300 000 Landwirten und ihren Familien.

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