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Chemnitzer Messerattacke: Hauptzeuge kaum hilfreich

20.05.2019 - Das Chemnitzer Landgericht ringt um Aufklärung der tödlichen Messerattacke vom August 2018. Der Hauptbelastungszeuge wird erneut befragt - Licht ins Dunkel bringt er aber nicht.

  • Das Außenschild des Gerichtsgebäudes des Oberlandesgerichts (OLG) Dresden. Foto: Arno Burgi/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Außenschild des Gerichtsgebäudes des Oberlandesgerichts (OLG) Dresden. Foto: Arno Burgi/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dresden (dpa/sn) - «Ich kann mich nicht erinnern» war der am häufigsten zu hörende Satz am Montag im Prozess um die tödliche Messerattacke vom 26. August 2018 in Chemnitz. Auch bei der dritten Befragung im Saal des Oberlandesgerichts Dresden konnte der Hauptbelastungszeuge in dem Verfahren nicht zur Aufhellung des damaligen Geschehens beitragen. Der Mann verstrickte sich in Widersprüche und machte erneut Erinnerungslücken geltend. Drei andere Zeugen zuvor konnten ebenfalls keine Angaben zur Tat machen.

In dem seit Mitte März laufenden und aus Sicherheitsgründen verlegten Prozess am Landgericht Chemnitz ist ein Syrer wegen gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt. Der 23-Jährige soll zusammen mit einem weltweit gesuchten Iraker beim Stadtfest einen 35 Jahre alten Deutschen erstochen haben. Nach der Tat war es zu rassistisch motivierten Übergriffen, rechten Demonstrationen sowie Anschlägen auf Restaurants mit ausländischer Küche in Chemnitz gekommen.

Sie seien keine Augenzeugen, sagten drei Männer am Vormittag aus. Auch ein weiterer junger Mann wollte nur die Leiche und Blutspuren gesehen haben. Er gab zu Protokoll, dass alle Beteiligten betrunken gewesen seien.

Am Nachmittag sagte dann der Hauptbelastungszeuge aus, dass nach der Tat zwei Männer mit blutigen Händen in einen Dönerladen direkt am Tatort gekommen seien, in dem er damals als Koch arbeitete. Der 30-Jährige nannte aber andere Namen als die des Angeklagten und des noch gesuchten tatverdächtigen Irakers. Er befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm und wurde von drei Personenschützern und einem Rechtsbeistand in den Saal begleitet.

In seiner ersten Vernehmung hatte der Hauptbelastungszeuge nicht aussagen wollen, später dann teils unterschiedliche Angaben zum Tatablauf gemacht, sich an Vieles nicht erinnern können und von Morddrohungen berichtet. Die Verteidigung, die seine Glaubwürdigkeit erschüttern wollte, zweifelt am angegebenen Bedrohungsszenario. Anwältin Katja Lang sprach von einem «ambivalenten Aussageverhalten» und sagte, der Beweiswert gehe «gegen Null».

Kurz vor Ende der Befragung wurde ein Video von einer Vernehmung des 30-Jährigen bei der Polizei eingespielt. Darin demonstrierte der Mann im Detail, wie der angeklagte Syrer das Opfer mit Stichbewegungen, einem Tritt und einem Kopfstoß attackiert haben soll. Ein anderes Mal beschrieb er den Beschuldigten als «ordentlichen und höflichen Jungen», der keine Probleme mache und nicht mit Drogen deale.

Die Verteidigung hat nach Angaben von Lang Aussagen eines Mannes, wonach der Hauptbelastungszeuge nach der Tat häufig mit seinem Vater telefoniert und bei diesem Rat eingeholt haben soll. Er habe befürchtet, selbst zur Rechenschaft gezogen zu werden - weil er bei der Polizei falsch ausgesagt haben- oder verstanden worden sein könnte. Der Prozess wird am 27. Mai fortgesetzt.

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