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Debatte: Linke sehen Ost-Clubs im Abseits

01.10.2020 - Beim Thema Fußball kommen schnell Emotionen auf - auch wenn Politiker über die angeblich zweitschönste Sache der Welt diskutieren. Bei einer Debatte im Landtag blieben verbale Fouls aber aus.

  • Marika Tändler-Walenta (Die Linke) steht anlässlich der konstituierenden Sitzung des sächsischen Landtags vor einer Fotowand. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/ZB/archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Marika Tändler-Walenta (Die Linke) steht anlässlich der konstituierenden Sitzung des sächsischen Landtags vor einer Fotowand. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/ZB/archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sachsens Linke haben mit einer Fußball-Debatte im Landtag für Emotionen gesorgt. Dabei ging es ihnen darum, die Probleme der ostdeutschen Clubs als Spiegelbild der Entwicklung im ganzen Land darzustellen. «Die Geschichte der Ost-Vereine könnte auch heißen: Wie der Markt den ostdeutschen Fußball abwickelte», sagte die Abgeordnete Marika Tändler-Walenta. «Nicht in derselben Liga» - diese Bild trifft für den Osten in weiten Teilen immer noch zu.»

Vielen Menschen im Osten seien im Zuge der Einheit Ungerechtigkeiten widerfahren, betonte Tändler-Walenta: «Es ist zu spät, die vielfältigen Gefühle und Erfahrungen der Herabsetzung, der Nichtwertschätzung und vor allem der Ungleichbehandlung zu entkräften. Aber es ist nicht zu spät für eine ehrliche Bilanz als Ausgangspunkt echter Annäherung. Es geht um gerechte Chancen - für Fußballvereine, Unternehmen und jeden Menschen, der im Osten lebt.»

Für Tändler-Walenta fing das Fußball-Dilemma schon mit der Formel «zwei plus sechs» an. Nur zwei Clubs der DDR-Oberliga durften 1991 in die 1. Bundesliga, sechs wurden der 2. Bundesliga zugeteilt. Diese Formel sei der «erste Sargnagel» für den ostdeutschen Fußball gewesen, sagte die Linke. Bis heute befinde er sich in einem Teufelskreis. Geld und Sponsoren fehlten genauso wie eine Lobby beim Deutschen Fussball-Bund. Für Ost-Vereine sei es schwer, nach oben zu kommen.

Innenminister Roland Wöller (CDU) hielt die ganze Debatte für ein «Eigentor» der Linken. Beim Profisport gehe es ausschließlich um Leistungen. Wirtschaftlich starken Clubs falle das freilich leichter. Man könne zwar einwenden, dass kleine Clubs bei der Verteilung der Fernsehgelder benachteiligt würden: «Das ist aber ganz eindeutig ein Thema, dass der Profi-Fußball selbst lösen muss.» Der Ruf nach dem Staat sei fehl am Platz.

In der Debatte outeten sich mehrere Redner als Fans von Drittligist Dynamo Dresden. Etwas geringer fiel das Bekenntnis zum Champions League-Halbfinalisten RB Leipzig aus, der nach Meinung von Albrecht Pallas (SPD) «mit viel Geld und turbokapitalistischem Know-how» des Getränkekonzerns Red Bull nach oben kam. Das Geld sei aber gut für den nachhaltigen sportlichen Erfolg eingesetzt worden. Zweitligist Erzgebirge Aue erhielt Respekt für solide Arbeit, und auch der FSV Zwickau wurde lobend erwähnt - mehr sächsische Clubs gibt es im Profifußball derzeit nicht.

Der Unionspolitiker Wolf-Dietrich Rost (CDU) empfand den Auftritt der Linken als Beispiel dafür, «wie man die deutsche Einheit nicht erfolgreich gestalten kann». Auch vergleichbare Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein hätten nicht mehr Clubs in den beiden ersten Ligen. Wichtig sei eher die breite sportliche Verankerung. Schließlich seien im Freistaat knapp 900 Fußballvereine mit rund 6350 Mannschaften und 150 000 Aktiven am Ball.

Laut AfD-Politiker Holger Hentschel will seine Partei weder ein «Jammer-Ossi» noch ein «Quoten-Ossi» sein. Er erinnerte daran, dass von den damaligen Zwei-Plus-Sechs-Clubs keiner mehr in den Bundesligen vertreten ist. Allerdings habe es seither auch ein paar Sternstunden gegeben, etwa der Aufstieg von Energie Cottbus bis in die höchste Spielklasse.

Thomas Löser (Grüne) hob die Erfolge des Frauenfußballs im Osten hervor, für den vor allem Turbine Potsdam steht. Es helfe nicht, sich immer nur zu beklagen, dass man benachteiligt sei. Löser forderte eine bessere Nachwuchsförderung. «Statt Verbitterung mit Power etwas Neues schaffen», lautete die Devise des Dresdner Politikers.

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