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Dresdner Kupferstich-Kabinett feiert 300-jähriges Bestehen

11.06.2020 - Das Dresdner Kupferstich-Kabinett zählt zu den wichtigsten Museen seiner Art in der Welt. Es ist die zweitälteste Sammlung nach dem Pariser Louvre - und die älteste im deutschsprachigen Raum.

  • Besucher betrachten die Werke der Ausstellung «300 Jahre Sammeln in der Gegenwart». Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Besucher betrachten die Werke der Ausstellung «300 Jahre Sammeln in der Gegenwart». Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Von Grünwald und Dürer bis Richter und Dumas: Mit einer Retrospektive «300 Jahre Sammeln in der Gegenwart» gibt das Kupferstich-Kabinett Dresden ab Freitag Einblick in den von Sachsens kunstsinnigen und wissbegierigen Fürsten begründeten Fundus. Die Schau zur Geschichte des ältesten Spezialmuseums für Kunst auf Papier im deutschsprachigen Raum spannt den Bogen von den Anfängen des Grafiksammelns in der fürstlichen Kunstkammer bis zu den jüngsten Neuerwerbungen.

Das Kupferstich-Kabinett sei von jeher ein Wissensspeicher und eine Quelle der Inspiration, «eine Art Spiritus Rector, also das geistige Zentrum der Staatlichen Kunstsammlungen», sagte Generaldirektorin Marion Ackermann am Donnerstag. «Das hat vielleicht auch mit dem Medium zu tun: Punkt und Linie zur Fläche, der einfachsten Geste am Beginn einer jeden Kunst.»

Unter dem Dach des Residenzschlosses versammelt sind über 200 Werke - von frühen Druckgrafiken des 15. Jahrhunderts bis zu Zeitgenössischem. Sie zeugen von der Entwicklung aus der fürstlichen Kunstkammer zum Museum, den Erwerbungsstrategien sowie Ordnung und Erweiterung des Bestandes in den einzelnen Epochen. In einer «Schatzkammer» werden im dreiwöchigen Wechsel je zehn Meisterzeichnungen gezeigt.

Highlight zum Auftakt: das «Bildnis eines älteren Mannes» des flämischen Malers Jan van Eyck. «Es ist die einzige erhaltene originale Handzeichnung von ihm auf der Welt und eine Ikone der Zeichenkunst», sagte Kupferstich-Kabinett-Direktorin Stephanie Buck. Die sie umgebende Prominenz reicht von einer Apostelstudie Matthias Grünwalds über ein Selbstbildnis Anton Raphael Mengs' bis zu einem Farbentwurf von Piet Mondrian.

Der Rundgang führt vom «Grafik-Kabinett der Fürsten» mit dem ältesten Inventar von 1738 über die Museumswerdung im 19. Jahrhundert bis zu «Brüche und Kontinuitäten» von 1920 bis 2020. Dafür stehen Werke von Bellotto, Tiepolo oder Piranesi, mit denen das Kabinett im 18. Jahrhundert internationales Ansehen erlangte. Zeichnungen von Caspar David Friedrich und Ludwig Richter zeugen von Dresdens Bedeutung als Kunstort in der Romantik. Blätter Alter Meister wie ein seltener Goya auf Elfenbein, Plakate von Toulouse-Lautrec, japanische Farbholzschnitte und Fotografie repräsentieren die Vielfalt der Zuwächse im 19. Jahrhundert.

Werke von Otto Dix, Erich Heckel, Oskar Kokoschka und Wassiliy Kandinsky sowie Fotografien von Edmund Kesting und Charlotte Rudolph stehen für die Erwerbungen in der Weimarer Republik. An einer Wand sind die Titel der 381 im Zuge der NS-Aktion «Entartete Kunst» beschlagnahmten Stücke aufgelistet. «Aber insgesamt rund 5000 Zeichnungen und etwa 45 000 druckgrafische Werke sind bis heute vermisst», sagte Buck.

In dem Raum finden sich zudem Werke osteuropäischer und nonkonformer Kunst aus der DDR neben solchen aus dem Westen: Picasso neben Hermann Glöckner, Karl-Heinz Adler neben Ilka Kabakov oder Gerhard Richters «Mappe des Kapitalistischen Realismus» neben Claus Weidensdorfer.

Das 1720 gegründete Kupferstich-Kabinett bewahrt gut eine halbe Million Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen, Gouachen, Lithographien, Kupferstiche, illustrierte Bücher, Mappenwerke und Fotokunst, die den Ruf der Sammlung ausmacht. Die Arbeiten aus acht Jahrhunderten sind von hoher Qualität und oft einzigartig. Der Bestand wächst laut SKD-Generaldirektorin Ackermann weiter. «Das Sammeln muss weitergehen, auch gerade in Krisenzeiten.»

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