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Ein Jahr Welterbetitel: «Es ist vieles in Bewegung»

03.07.2020 - Seit einem Jahr ist die Montanregion Erzgebirge/Krušnohori Welterbe. Zuletzt herrschte Ruhe um den Titelträger. Mit Mitteln des Freistaates soll nun der Tourismus angekurbelt werden.

  • Eine Journalistin steht während eines Presserundgangs im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg in der Ausstellung. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Journalistin steht während eines Presserundgangs im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg in der Ausstellung. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es wirkt wie eine Punktlandung: Ein Jahr nach der Verleihung des Welterbetitels für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohori beleuchtet Freiberg das im Zusammenhang mit dem Bergbau wenig beachtete Thema der Altersvorsorge in Deutschland. Mit der Schau «Vom Gnadengroschen zur Rentenformel» wird von diesem Samstag an im Stadt- und Bergbaumuseum der Beginn der sozialen Absicherung durch die so genannten Büchsenpfennige der Bergleute bis hin zum heutigen Rentensystem aufgezeigt. Die Entwicklung werde am Beispiel der Knappschaft aufgezeigt, sagt Museumsdirektorin Andrea Riedel am Freitag vor Medienvertretern.

Knappschaften sind im Ursprung Zusammenschlüsse von Bergleuten eines Reviers oder Bergwerkes, um ihre Interessen geschlossen zu vertreten und sich gegenseitig bei Krankheit oder im Alter abzusichern. «Die Knappschaft wurde 1426 in Freiberg geprägt», sagt Riedel.

Dass die Schau zum ersten Welterbe-Jahrestag öffnet, ist Zufall, aber passend. Coronabedingt war die für April geplante Eröffnung verschoben worden. Der Welterbetitel begründe sich auf die montanische Vergangenheit, sagt Bürgermeister Holger Reuter (CDU). «Die Rentenversicherung der Bergleute gehört dazu», betont er.

Anschaulich dargestellt wird die frühe «Rentenkasse» anhand einer Sammelbüchse aus dem Jahr 1546, in die die Knappschaftsmitglieder die so genannten Büchsenpfennige einwarfen. Diese wurden später an alte oder kranke Bergleute oder deren Familien als «Gnadengroschen» ausgezahlt.

Frank Vogel trägt deutlich sichtbar einen Anstecker der Montanregion Erzgebirge/Krušnohori an seinem schwarzen Bergmannshabit. Der Landrat des Erzgebirgskreises ist Vorsitzender des gleichnamigen Fördervereins. Seit der Vergabe des Titels am 6. Juli vorigen Jahres in Baku (Aserbaidschan) war es ruhig geworden um die Welterbe-Region. «Es ist vieles in Bewegung», sagt CDU-Politiker Vogel im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Aue-Bad Schlema.

Damit meint er, dass vieles außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung gelaufen ist und auch noch immer läuft. So hat der Förderverein die Federführung der Geschäfte von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge übernommen und dafür eine neue Gesellschaft mit vier Mitarbeitern gegründet, berichtet Vogel.

Derzeit werden die vier Besucherzentren auf deutscher Seite in Annaberg-Buchholz, Freiberg, Marienberg und Schneeberg aufgebaut. Es gebe ein gemeinsames Konzept, die Kommunen seien in der Gebäudeplanung. «Man kann nicht innerhalb von zehn Monaten ein Besucherzentrum aus dem Boden stampfen. Es ist viel Klein-Klein-Arbeit», sagt Vogel. Immerhin hat die Welterberegion 22 Bestandteile, davon 17 auf deutscher Seite.

Die Coronavirus-Krise hat einiges aus dem Takt gebracht. So seien zum Beispiel Gespräche mit der Landesregierung in Dresden über finanzielle Zuwendungen ins Stocken geraten. Immerhin haben die beteiligten Kommunen laut Vogel einen Finanzbedarf von 90 Millionen Euro für zehn Jahre errechnet, um einen Sanierungsstau an den Welterbestandorten abzuarbeiten. «Wir wollen finanzielle Mittel im nächsten Doppelhaushalt haben», sagt Vogel.

Auch die Zusammenarbeit mit den Partnern auf tschechischer Seite war unter anderem wegen der Grenzschließung weitgehend zum Erliegen gekommen. «Die Kommunikation war schwierig», bekennt der Landrat. In der kommenden Woche soll es wieder eine erste Zusammenkunft geben. «Wir wollen Gemeinsames in den Mittelpunkt rücken», so Vogel.

Von tschechischer Seite wird die Kooperation gelobt. Man habe gezeigt, dass man zusammenarbeiten, voneinander lernen und engere Bande knüpfen könne, sagt der Politiker Vojtech Franta am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Der studierte Architekt ist Unesco-Beauftragter der Verwaltungsregion Karlsbad (Karlovy Vary).

Bis zum Beginn der Corona-Krise habe sich die Unesco-Eintragung auch leicht positiv auf die Besucherzahlen ausgewirkt, so Franta. Während des rund dreimonatigen Lockdowns in Tschechien seien Tourismusbranche und Kurwesen dann zum Erliegen gekommen. Nun kehrten die Besucher wieder zurück. Besucher-Bergwerke und Museen wie die Münzprägestätte in Jachymov (Sankt Joachimsthal) seien wieder geöffnet.

Im Vordergrund steht derzeit auch für die Sachsen die touristische Entwicklung der Region. Aus dem Hilfspaket des Freistaates für den Tourismus hat die Welterberegion 600 000 Euro bekommen. «Wir sind dankbar für diese Unterstützung und haben vor, das Geld sowohl in die Destinationsentwicklung zu investieren, als auch in das touristische Marketing für die Montanregion», sagt Ines Hanisch-Lupaschko, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge. Vogel drückt aufs Tempo: «Die 600 000 Euro müssen bis Mai 2021 verwendet sein.»

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