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Gewaltorgie in Abrisshaus: Trio wegen Mordes vor Gericht

05.12.2018 - Ein Angeklagter redet, zwei schweigen: Vor dem Landgericht Chemnitz sind drei Männer wegen Mordes angeklagt. Die Details zu der Gräueltat lassen die Leiden des Opfers nur erahnen.

  • Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Chemnitz (dpa/sn) - «Christopher ich vermisse dich» - Der Mann, der diesen Post als bislang letzten Eintrag auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht hat, sitzt seit Mittwoch mit zwei Zechkumpanen vor Gericht. Staatsanwalt Stephan Butzkies ist überzeugt davon, dass der 26-Jährige und die beiden 22 Jahre alten Mitangeklagten jenen Christopher umgebracht haben. Und das mit einer Brutalität, die der Anklagevertreter am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Chemnitz «herausstechend» nennt.

Die Staatsanwaltschaft hat die drei berufslosen Deutschen wegen Mordes angeklagt. Das Trio soll am 17. April in einem Abrisshaus in Aue einen Bekannten umgebracht haben. Hintergrund soll Wut auf den Mann gewesen sein. Einer der Beteiligten habe sich zudem von der Homosexualität des Opfers abgestoßen gefühlt, heißt es in der Anklageschrift. Der 27-Jährige erlitt schwerste Gesichts- und Kopfverletzungen. Er starb an einer Hirnstammprellung und -zertrümmerung.

Er habe an das Tatgeschehen keine Erinnerung, könne sich aber auch nicht vorstellen, dass er so gehandelt habe, lässt der 26-Jährige zum Prozessauftakt seinen Anwalt Uwe Lang erklären. In der Anklageschrift wird er als Rädelsführer der Gräueltat genannt. Er soll die Mitangeklagten über seine Tötungsabsicht informiert und sie zum Mitmachen aufgefordert haben.

Wegen Alkohol- und Drogenkonsums könne er sich nicht erinnern, am Tatort gewesen zu sein. «Er war zum Ereigniszeitpunkt stockbetrunken», erläutert der Verteidiger später. Die beiden Mitangeklagten schweigen.

Das Trio zog laut Anklage mit dem 27-Jährigen zu einem Abrisshaus, das öfter für Trinkgelage genutzt wurde. Dort begann das Martyrium für das Opfer: Schläge mit Faust, einem Aluminiumstück, einer Lampenröhre und letztlich einer Tür. Immer wieder waren Kopf und Gesicht Ziel der Attacken. Zwischendurch wurde der Mann in einen 1,80 Meter tiefen Schacht geworfen, ihm wurde unter anderem mit der kaputten Lampenröhre ins Gesicht gestochen.

Der 26-Jährige soll das schließlich hilf- und wehrlose Opfer mit dem Gesicht nach unten auf die Kante des Schachts gelegt und gemeinsam mit einem Mitangeklagten auf den Hinterkopf getreten haben. Am Ende warfen die drei Sachsen den grausam zugerichteten 27-Jährigen in den Schacht und bedeckten diesen mit der Tür.

Bei seiner Aussage vor Gericht gab der 26-Jährige an, das Opfer gegen 3.20 Uhr am 18. April dort gefunden zu haben. Er habe den Mann nicht in dessen Wohnung angetroffen. Das habe ihn besorgt, sagt Anwalt Lang. Deswegen habe er sich auf die Suche gemacht und an diesem Ort gesucht. Die Aussage war geprägt von Ungereimtheiten und Erinnerungslücken. Auf Nachfrage gab er zu, von der Leiche ein Foto gemacht und den Notruf erst nach Aufforderung gewählt zu haben.

Bis Februar 2019 sind neun weitere Verhandlungstage vorgesehen. Zum nächsten Prozesstermin am 14. Dezember soll die Beweisaufnahme beginnen.

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