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Gewerkschaft: Zu schnelle Öffnung von Kitas und Grundschulen

13.05.2020 - Nächsten Montag sollen die Kinder an Kitas und Grundschulen zurückkehren. Sachsens Lehrer sehen der Wiedereröffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Gewerkschaft übt Kritik.

  • Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sachsens Lehrer sehen der Wiedereröffnung der Grundschulen am nächsten Montag mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Reaktionen an den Schulen reichten von «absoluter Fassungslosigkeit bis hin zur Freude über die Rückkehr», sagte der Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes (SLV), Jens Weichelt, der Deutschen Presse-Agentur. «Insgesamt herrscht aber eine große Verunsicherung.» Der Verband warnte vor einer Mehrbelastung für die Lehrer. Zudem dürfte es gerade an Grundschulen schwer werden, das Konzept der strikten Trennung zwischen den Klassen umzusetzen.

Wie das Kultusministerium vergangene Woche verkündete, will Sachsen anstatt auf Abstandsregeln und kleine Gruppen an Kitas, Horten und Grundschulen auf ein Konzept der voneinander getrennten Gruppen setzen - sowohl in den Gebäuden als auf dem Pausenhof und Außenbereichen.

Dazu mehren sich kritische Stimmen: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach am Mittwoch von einer zu schnellen Öffnung an Kitas und Schulen - und forderte vorsichtige Schritte. Die Einrichtungen seien von der Entwicklung nicht nur überrascht, so die sächsische GEW-Chefin Uschi Kruse. Ihnen sei auch eine Verantwortung übertragen worden, die sie an vielen Stellen nicht einhalten könnten. Das Land habe die bundesweit weitreichendste Öffnung von Kitas und Grundschulen verfügt. Man nehme mit Verwunderung wahr, dass der Freistaat eine andere Strategie fahre als andere Länder, so Kruse.

Von Kleingruppen bis zu sieben Kindern in Kitas sei nicht mehr die Rede. Bisherige Schutzmaßnahmen für Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehörten, seien aufgegeben worden. Man befürchte nun eine hohe Belastung der Beschäftigten und Mehrarbeit. Die Gewerkschaft forderte unter anderem mehr Zeit, um die Räumlichkeiten und die Konzepte anzupassen sowie die Wahrung von Abständen in kleinen Gruppen.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) verteidigte die Öffnung: «Es gibt viele Gründe, die für die Öffnung von Schulen und Kitas sprechen. Der wohl wichtigste Grund ist das Recht der Kinder auf Bildung», sagte der Minister. Durch die Schließung verstärkten sich Bildungsdefizite, soziale Ungleichheiten verschärften sich. Zudem zeigten Studien, dass Kinder seltener als Erwachsene am Coronavirus erkrankten und seltener Überträger seien. «Jetzt ist also die Zeit, einen solchen Schritt zu gehen», so Piwarz. Gleichwohl betonte der Minister, dass sich das Konzept erst in der Praxis bewähren müsse.

An den weiterführenden Schulen - also ab der 5. Klasse - sollen sich Unterricht in der Schule und Lernzeiten zu Hause künftig abwechseln. Der Landesschülerrat begrüßt einerseits die Öffnung, weil der Online-Unterricht zu Hause trotz aller Bemühungen Schwächen habe. Auf der anderen Seite müssten trotz steigender Schülerzahlen die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. «Keine Schule darf ihre Schultore öffnen, wenn sie nicht für alle anwesenden Schülerinnen und Schüler Hygienemaßnahmen gewährleisten kann», sagte die Vorsitzende Joanna Kesicka. Zudem sollten die Schulen Spielräume bei der Notenvergabe ausnutzen und weniger Tests schreiben. Es sei niemandem geholfen, wenn in der wertvollen Präsenzzeit in der Schule den ganzen Tag Klassenarbeiten und Tests geschrieben würden.

Nach Einschätzung des Lehrerverbandes stellt die Wiedereröffnung die Schulen vor enorme Herausforderungen - allein schon die Ankunft im Schulbus am Morgen, so Vorsitzender Jens Weichelt. Auch in Pausenzeiten, in der Schulspeisung oder beim Gang auf die Toilette sei es sehr schwierig, Kontakt zu anderen Schülern zu verhindern.

«Eine Möglichkeit sind etwa gestaffelte Pausen», schlug Weichelt vor. Auch das Konzept der Einbahnstraßen im Schulhaus hätte sich im vergangenen Monat mit der Rückkehr der Abschlussklassen bewährt. Letztlich hätten die Schulen aber weitgehend freie Hand bei der Wiederaufnahme des Unterrichts - je nach Raumgröße, Personal und Klassengrößen. Oberste Priorität müsse der Gesundheitsschutz haben, mahnte Weichelt. Nächste Woche werde sich zeigen, ob es genügend Mund-Nasen-Bedeckungen für die Lehrer sowie Desinfektionsmittel gebe.

Bisher waren die Schulen lediglich für Abschlussklassen und Vorabschlussklassen geöffnet. «Das ließ sich bisher recht gut realisieren», sagte Weichelt. So habe man Hygiene- und Abstandsregeln einüben können, bevor nun mehr Schüler an die Schulen zurückkehrten. Weichelt lobte die Entscheidung des Freistaates gegen ein «Notabitur». So hätten die Abiturienten nun vollwertige und anerkannte Abschlüsse. Nach Angaben des Kultusministeriums verliefen die Abiturprüfungen bisher reibungslos. Etwa 95 Prozent der Abiturienten haben sich demnach für den Ersttermin entschieden, obwohl sie nach der coronabedingten Schulschließung auch auf den Nachtermin hätten ausweichen können.

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