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Jugendherbergen in Sachsen: Hundert Jahre Sommerfrische

27.06.2019 - Der Landesverband Deutsches Jugendherbergswerk in Sachsen entstand vor hundert Jahren. Damals boten die Häuser Wanderern Zuflucht. Mit dem Konzept von heute hat sich viel verändert.

  • Statt ins teure Hotel buchen sich junge Menschen und Junggebliebene gerne in Jugendherbergen ein. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Statt ins teure Hotel buchen sich junge Menschen und Junggebliebene gerne in Jugendherbergen ein. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Leipzig (dpa/sn) - Schlafsäle, Früchtetee und Sommerfrische: Jugendherbergen gelten seit hundert Jahren als günstige Unterkünfte in der Natur. Die Zielgruppe hat sich über die Zeit geändert. Doch die Grundwerte der Jugendherbergen sind dieselben: Gemeinschaft, Toleranz, Respekt und Verantwortung prägten die Häuser auch heute noch, sagt Julia Nadler, Sprecherin des Landesverbands in Sachsen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH).

Vor hundert Jahren gründete sich der Landesverband. «Die Herbergen richteten sich damals ausschließlich an Jugendgruppen, die gewandert sind», erklärt Nadler. Heute ist das Publikum gemischter, die Besucher machen Urlaub statt nur zu nächtigen. Unternehmen tagen hier, es gibt vielerorts vegetarische Menüs, und Schulklassen können das Abenteuercamp gleich mitbuchen. Chöre kommen zum Probewochenende, und für Familien gibt es Kinderspeisekarten und Spielecken. «Viele Besucher genießen die Abgeschiedenheit und die Zeit ohne Handy in der Natur», beobachtet Nadler.

So locker und individuell ging es jedoch nicht immer zu: Während der NS-Diktatur übernahmen die Nationalsozialisten die Jugendherbergen, nutzten sie für «politische und erzieherische Aufgaben» der Jugend. In den 1930er Jahren wurden staatliche Zuschüsse gekürzt. 1941 wurden die Verbände aufgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR blieben die Häuser staatlich. Sie wurden als Jugenderholungszentren und Jugendtouristenhotels genutzt. «Die Jugendherbergen der DDR sind sozialistische Erziehungsstätten und dienen der Förderung und Entwicklung des Wanderns», heißt es in der damaligen Hausordnung. Gerade die FDJ (Freie Deutsche Jugend) veranstaltete häufig Lager in den Herbergen. 1958 gab es nach Angabe des Landesverbands 132 Einrichtungen in Sachsen.

Nach dem Mauerfall wurde der Landesverband erneut gegründet. Kommunen übernahmen viele Häuser. Zahlreiche Herbergen wurden ausgebaut und saniert. «Einige Häuser konnten wirtschaftlich nicht getragen werden oder wurden privat weitergeführt», sagt Nadler. Mittlerweile betreibt der Landesverband noch 22 Jugendherbergen im Freistaat. Bis 2020 sollen in Torgau und Schöneck neue Jugendherbergen eröffnen.

«Für den Landestourismusverband Sachsen gilt das Deutsche Jugendherbergswerk als ein Pionier für die Entwicklung des sächsischen Tourismus», sagt Vizepräsident Rolf Keil. Die Häuser seien heute wichtige Lebens- und Lernorte, die ein umfangreiches Angebot für Kinder und Jugendliche bieten. Damit sei der Verband heute einer der wichtigsten Akteure für Kinder- und Jugendreisen.

Der Gründer des Deutschen Jugendherbergswerks ist Richard Schirrmann. Der Volksschullehrer aus Altena (heute Nordrhein-Westfahlen) hatte 1909 die Idee für ein Netz von Herbergen, die nur einen Tagesmarsch voneinander entfernt liegen sollten. Die älteste sächsische Jugendherberge, die noch vor Gründung des Verbandes aufmachte, steht seit 1913 in Bautzen. In einem historischen Turm übernachten dort seit mehr als hundert Jahren Kinder und Jugendliche. 1922 eröffnete ein Haus in Neudorf, 1925 in Bad Schandau, ein Jahr später in Sayda und 1927 in Johanngeorgenstadt.

In den naturnahen Herbergen konnte man Gemeinschaft erleben, sich unabhängig von Eltern und Lehrern finden, ordnet Jürgen Reulecke von der Universität Gießen ein. Der emeritierte Professor hat zur Geschichte der Jugendherbergen geforscht. Er spricht von «Selbsterringung», welche die Diktaturen überdauert hat. Gerade die internationale Vernetzung der Jugendherbergen habe für den Fortbestand nach NS-Diktatur und DDR gesorgt. «Das Jugendherbergswerk muss sich immer wieder verändern, damit es weiter attraktiv bleibt», stellt Reulecke fest.

Noch immer ziehen die Häuser in Sachsen, die zwischen 60 und 480 Betten bieten, viele an. Die mit Abstand meisten Übernachtungen verbuchte in den Vorjahren die Jugendherberge Dresden. Knapp 30 000 Gäste verbrachten hier im Vorjahr mehr als 74 300 Nächte. «Das Stadthaus hat eine super Lage und ist auch für Individualgäste ideal», sagt Nadler.

Insgesamt stieg die Zahl der Jugendherbergsgäste in Sachsen in den vergangenen beiden Jahren wieder. Nachdem sie 2015 bei etwa 133 400 lag, besuchten im Vorjahr mehr als 142 400 Menschen die Herbergen. Nadler führt den Anstieg vor allem auf Angebote für Familien zurück. Außerdem habe das DJH aktiv um Tagungsgäste geworben.

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