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Katholischer Bischof: Christ sein braucht reales Miteinander

09.08.2020 - Streaming-Gottesdienst und Online-Pfarrer - Corona hat in der Kirche zu Innovation beigetragen. Dresdens katholischer Bischof sieht in der Digitalisierung viele Vorteile - gemessen am Auftrag der Kirche aber auch ein entscheidendes Defizit.

  • Bischof Heinrich Timmerevers leitet ohne Gemeinde den Ostergottesdienst. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bischof Heinrich Timmerevers leitet ohne Gemeinde den Ostergottesdienst. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die im Corona-Lockdown zur Glaubensausübung hilfreiche Digitalisierung ist nach Auffassung des Bischofs des Bistums Dresden-Meissen nur begrenzt tauglich für den Kirchen-Alltag. «Christ sein braucht ein reales Miteinander», sagte Bischof Heinrich Timmerevers. Dabei spiele Emotionalität durch direkten Kontakt eine große Rolle. «Christ sein geht nicht, ohne dass Menschen sich treffen.» Gottesdienst und Gemeinde lebten von physischer Wahrnehmung, das Gemeinsame sei nicht digital ersetzbar. «Man kann immer über Häufigkeit, Intensität sprechen, aber die Gemeinschaft Gleichgesinnter muss real sein», so der Bischof.

Entlasten könne das Digitale, wenn es klar umrissene Fragen gebe und Entscheidungen per Videokonferenz geklärt werden müssten, sagt Timmerevers. Was aber reduzierter Gottesdienst und Gemeindeleben auf Sparflamme für ein Dreivierteljahr bedeuten, «da habe ich noch keine Antwort». Die abrupte Entschleunigung, die nicht unbedingt als negativ empfunden werde, zwinge auch die Kirche zur Konzentration auf sich selbst. Dabei könnte Timmerevers künftig auf einige Dinge gut verzichten. «Den Sitzungskatholizismus vermisse ich nicht sonderlich», sagt er. Und auch ohne den Eventkatholizismus sei es weitergegangen.

Von der Suche der Menschen nach Halt in Krisenzeiten kann das Bistum nach Erkenntnis des Bischofs nicht profitieren. «Es sind eher Einzelne, die sich auf den Weg machen.» Er verweist darauf, dass 80 Prozent der Bevölkerung nicht konfessionell gebunden und die Menschen in einem Umfeld aufgewachsen sind, «wo Religion eigentlich nicht vorkam, christliches Leben verborgen war». Ihnen fehle eine Erfahrung mit Kirche, die in der DDR-Zeit auch diskreditiert wurde.

«Diese andere Diktion merkt man schon.» Das habe sich in 30 Jahren nicht geändert. «Glaube ist nicht aufholbar, auch nicht mit großer Werbekampagne. Das ist kein Automatismus.» Wichtig seien die Christen selbst, die ihren Glauben überzeugend lebten und in Caritas und Schulen sichtbar machten, was christliches Leben bedeutet. «Christentum kann sich nur an Christen entzünden, die für ihren Glauben stehen und dafür begeistert sind.» Dazu komme, dass Christen im Osten ihren Glauben nicht so leben konnten, wie sie wollten, aber dennoch daran festgehalten und ihn gemeinsam geschützt haben gegen die Bedrängnis des Staates. «Das ist ein Fundus, das hat Gewicht.»

Das Christsein müsse sich nun in einer freien Gesellschaft und freien Welt bewähren. «Das ist die Herausforderung.» Kirche wirke in dem, was sie erkläre, verkünde, predige, und im Eintreten für Menschen und ihre Rechte. «Sie kann Menschen stark machen, dass sie christliche Werte leben und bezeugen.» Das sei vor allem in der pluralen Gesellschaft wichtig, wobei auch unterschiedliche Meinungen und Positionen ausgehalten müssten. «Als Christen haben wir da oft nur ein Mittel, den Dialog, das Gespräch, das ist die Kultur der Debatte», sagt der Bischof. «Wir können die Gesellschaft nicht strukturell ändern, aber wie beim Brotbacken einen Sauerteig durchsäuern, nach und nach.»

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