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Kunstgewerbemuseum ehrt DDR-Möbeldesigner Rudolf Horn

23.08.2019 - Rudolf Horn ist der Schöpfer des Kult-Möbelklassikers MDW. Der Leipziger Gestalter hat viel getan, um das Wohnen in der DDR schön zu machen - und sich mit einer Design-Ikone des Westens gemessen.

  • Rudolf Horn, deutscher Möbeldesigner, sitzt vor einer MDW-Schrankwand. Foto: Sebastian Kahnert © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Rudolf Horn, deutscher Möbeldesigner, sitzt vor einer MDW-Schrankwand. Foto: Sebastian Kahnert © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dresden (dpa) - Freischwinger-Sessel und MDW-Möbel - Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ehren den ostdeutschen Designer Rudolf Horn zu dessen 90. Geburtstag mit einer Präsentation seines Schaffens. «Ich habe Herzklopfen», sagte der Jubilar am Freitag beim Rundgang durch die Ausstellung «Wohnen als offenes System» (bis 3. November) im Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz.

«Wenn man nach fast 70 Jahren seinem ersten Tun begegnet, das ist schon nicht ganz ohne», bekannte Horn in einer Art Wohnlabor im Eingangsbereich. Dort können Besucher, inspiriert vom Original, ab Samstag eigene Raumkonzepte anlegen, wie Museumsdirektor Thomas Geisler sagte.

Der Rundgang führt über die Beschäftigung des Designers mit Bauhaus und Klassischer Moderne zu Projekten wie der zu DDR-Zeiten zum Möbel-Kultklassiker gewordenen MDW-Wand der Deutschen Werkstätten Hellerau. «Es war ein langer Prozess», erinnert sich Horn an die Entwicklung seines erfolgreichsten Produkts zusammen mit Eberhard Wüstner. Das variabel-funktionale Baukastensystem aus Spanplatten mit Frontfurnier aus Mahagoni konnte von den Nutzern individuell zusammengestellt werden.

Die damals «revolutionäre Idee» habe mit Ikea nichts zu tun, «das gab es noch gar nicht», betonte Horn. Die MDW-Möbel gingen 1968 in Serie und wurden bis 1991 produziert. Briefe und Fotos in der Schau zeugen davon, dass sie noch immer ihre Fans hat. «Für uns ist diese «Wand» eine mittlerweile 48-jährige Liebesbeziehung», schrieb jemand mit Grüßen von der Insel Rügen.

Noch immer begeistert ist Horn auch von seinem Freischwinger aus schwarzem Leder, 1966 entworfen als Pendant zum berühmten Barcelona-Chair von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969). «Ein Sessel, den ich tief verehre und noch heute sage: ihn sehen, niederknien und beten», bekannte er. Als er sich bei einem spontanen Besuch im Grassi-Museum hineinsetzte, «leistete er mir Widerstand». Der junge Gestalter macht schnell die Ursache der Steifheit aus: der gekreuzte Bandstahl der Füße.

Nach langer Tüftelei mit dem dynamischen Material gab Horn seinem Clubsessel eine Z-förmige Unterkonstruktion, die wie eine Feder wirkt. «Er wurde einige Jahre produziert und gegen Devisen auch in den Westen exportiert», berichtete er. Nach gut 50 Jahren erlebt sein Entwurf eine Neuauflage - nun als ganze Produktpalette. «Ein westdeutscher Zahnarzt hatte die Idee und wollte auch Hocker, Zweisitzer und Liege.» Im Geschäft der Deutschen Werkstätten Hellerau in Leipzig können die auf den ersten Blick identischen Sessel - Rohes Barcelona-Chair und Horns Clubsessel - getestet werden: «Da wird sich zeigen, wer Recht hat und wer nicht.»

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