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Leipziger Völkerkundemuseum beleuchtet eigene Geschichte

21.11.2019 - Nicht fremde Kulturen, sondern Personen hinter den Exponaten stehen im Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Leipziger Grassi Museum für Völkerkunde. Auch Kritik an Ethnologen rückt zum 150-jährigen Bestehen in den Fokus.

  • Theatermasken aus Sri Lanka aus der Zeit um 1900 sind im Völkerkundemuseum ausgestellt. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Theatermasken aus Sri Lanka aus der Zeit um 1900 sind im Völkerkundemuseum ausgestellt. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Leipzig (dpa) - Das Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig beleuchtet zum 150-jährigen Bestehen seine eigene Geschichte. In Bezug auf Kritik an ethnologischen Museen will Direktorin Léontine Meijer-van Mensch die «Waage halten zwischen kritischem Nachschauen und Ehren», wie sie bei einer Präsentation der Sonderausstellung «Die Weltensammler» am Donnerstag sagte. Die Schau soll am Sonntag eröffnen.

Gerade ältere Menschen seien «irritiert und unsicher, wenn alles in einen postkolonialen Kontext gesetzt wird», beobachtet Meijer-van Mensch. Mit einfacher Sprache will die Direktorin die breite Bevölkerung erreichen: Biografien einzelner Sammler beleuchten die Arbeit von Ethnologen in unterschiedlichen Epochen. Masken und Gebrauchsgegenstände aus fernen Ländern veranschaulichen Feldforschung und Beschaffung zusätzlich.

Die Geschichte des Hauses wird ganz unmittelbar hinterfragt: In Folge der kritischen Auseinandersetzung mit dem Wirken des ehemaligen Museumsdirektors Karl Weule (1864-1926) wurde seine Büste im Treppenhaus entfernt. Auf dem Sockel türmen sich nun mehrere Meter hoch Bücher - allesamt Publikationen des Hauses. Es sei unklar, wie sich Weule ein Jahr nach der blutigen Niederschlagung des Maji-Maji-Aufstands gegen die deutsche Kolonialherrschaft in den Jahren 1905 und 1906 in Ost-Afrika Sammlungen beschaffte, die er dann auch nach Leipzig sandte, erklärte Kuratorin Carola Krebs. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Weule von der Niederschlagung des Aufstands im heutigen Tansania profitierte.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der aggressiven Sammlungspolitik habe bereits während der DDR begonnen, sagte Meijer-van Mensch. Die Zeit wird in der Ausstellung etwa mit Plakaten und Fotografien veranschaulicht. «Wir sind diejenigen, die das erzählen können», betonte die Direktorin, seit Februar Chefin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Und auch die Zukunft des Leipziger Museums ist Thema der Schau: Die Besucher dürfen Vorschläge machen, wie die Dauerausstellung künftig aussehen soll. 2023 ist die Eröffnung der überarbeiteten Sammlung des Grassi Museums für Völkerkunde geplant. Aktuell zählt die Sammlung etwa 200 000 Objekte. Die Sonderausstellung «Die Weltensammler» ist bis zum 15. März 2020 zu sehen.

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