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Neue Perspektiven für Umgebindehäuser: Familien interessiert

22.11.2019 - Vor 15 Jahren gründete sich die Stiftung Umgebindehaus, um das gefährdete Fachwerk im Oberlausitzer Bergland zu sichern und zu sanieren. Inzwischen haben sich für die Denkmäler zahlreiche Liebhaber mit handwerklichem Geschick gefunden.

  • Auf einer Wiese nahe dem sächsischen Hinterhermsdorf steht ein saniertes Fachwerk-Umgebindehaus. Foto: Matthias Hiekel/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auf einer Wiese nahe dem sächsischen Hinterhermsdorf steht ein saniertes Fachwerk-Umgebindehaus. Foto: Matthias Hiekel/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ebersbach-Neugersdorf (dpa/sn) - Die geduckten Fachwerkhäuser gelten als architektonischer Schatz im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck: Deutschlandweit einmalig erzählen die Umgebindehäuser von der Baukunst einfacher Handwerker bereits zu Ur-Ur-Großmutters Zeiten. Um den Verfall der jahrhundertalten Gebäude in den einstigen Weber-Dörfern aufzuhalten, hat sich vor 15 Jahren die Stiftung Umgebindehaus in den Landkreisen Görlitz und Bautzen gegründet.

Ihre heutige Bilanz fällt positiv aus: «Von unseren 6400 erfassten Objekten in der Region sind inzwischen 60 Prozent saniert und bewohnt, gut 40 Prozent suchen noch nach einem Bauherrn», sagte Stiftungsmitarbeiter Sven Rüdiger am Freitag vor Journalisten in Ebersbach-Neugersdorf (Landkreis Görlitz).

Cunewaldes Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) erinnert sich noch gut an sorgenvolle Zeiten. In seinem Dorf mit mehr als 200 Umgebindehäusern prägt der Fachwerkstil wie in Obercunnersdorf, Ebersbach-Neugersdorf, Großschönau, Bertsdorf und Eibau das Ortsbild. «Im Erlenweg steht unser kompaktestes Umgebinde-Ensemble. Vor Jahren standen dort Häuser leer, andere waren in der Zwangsversteigerung. Heute wohnen dort junge Familien. Es ist der Beweis, dass es sich im Umgebinde gut leben lässt», bemerkte das Mitglied des Fachbeirats der Stiftung.

Allerdings haben noch nicht alle Häuser aus Blockbau, Fachwerk und Massivbau neue Liebhaber gefunden. «Manche liegen in schwierigen Lagen, wie an viel befahrenen Straßen. Ihren Erhalt zu sichern, wird eine der Aufgaben der Zukunft sein», sagte die Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Birgit Weber.

Es wäre zum Beispiel denkbar, die Häuser ab- und an ruhigerer Stelle wiederaufzubauen, um die Architektur im Kontext zu erhalten. Auf etwa 100 000 Euro schätzen die Experten die Kosten allein für einen solchen Umzug. Bisher hat ein Umgebindehaus seinen ursprünglichen Standort Richtung Berlin verlassen. Das soll laut Weber jedoch eine Ausnahme bleiben.

Die Stiftung Umgebindehaus war 2004 als «Hilfe zur Selbsthilfe» gegründet worden, um die Gebäude zu sichern und zu sanieren. Zu ihrer Aufgabe gehört es unter anderem, Hauseigentümer und Bauherren in puncto Förderung und praktische Handwerkstipps zu beraten. «Wir kommen jährlich auf 100 Fachberatungen. Außerdem wurden über die Stiftung schon 150 Zuwendungen vergeben», berichtete Rüdiger.

Daneben gibt es eine Bauteilbörse, wo historische Bauelemente aus abgerissenen Häusern gegen eine Spende abgeben werden. Zudem werden Fachexkursionen, Projekte mit Schülern und Seminare zum Bau mit ökologischen Baustoffen organisiert. Wer ein Umgebindehaus erwirbt, sollte handwerkliches Geschick mitbringen.

Dabei reicht das Interesse am denkmalgeschützten Umgebinde weit über die Landesgrenzen hinaus. «Die weiteste Anreise hatten Studenten aus Tokio», sagte Rüdiger, der mit seinem Kollegen Arnd Matthes jährlich den Tag des offenen Umgebindehauses am letzten Mai-Wochenende organisiert. Daran beteiligen sich jährlich mehr als 200 Hauseigentümer grenzüberschreitend im Dreiländereck. Die Stiftungsvorsitzende Weber betonte: «Umgebindehäuser sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Region. Die Stiftung hat sich etabliert und ist ein wichtiges Instrument für ihren Erhalt geworden.»

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