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Mordprozess um Sophia: Angehörige schneller als Polizei?

24.07.2019 - Im Prozess um die getötete Studentin Sophia geht es nicht nur um die Frage nach dem Motiv des Angeklagten. Im Raum steht auch: Hätten die Ermittler schneller sein und dem Verbrechen zuvor kommen können?

  • Ein wegen Mordes angeklagter Marokkaner (2.v.r.) sitzt zu Prozessbeginn den Sitzungssaal im Landgericht Bayreuth. Foto: Daniel Karmann © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein wegen Mordes angeklagter Marokkaner (2.v.r.) sitzt zu Prozessbeginn den Sitzungssaal im Landgericht Bayreuth. Foto: Daniel Karmann © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bayreuth (dpa) - Angehörige der erschlagenen Tramperin Sophia Lösche hatten schneller Kontakt zu dem in einem Mordprozess angeklagten Fernfahrer als die Polizei. Das sagte ein leitender Ermittler am Mittwoch vor dem Landgericht Bayreuth. Auch bei der Suche nach der vermissten Sophia sei die Familie zuerst tätig geworden.

Ein Freund Sophias habe zudem Lkw-Fahrer befragt. Dem Bruder der Verstorbenen zufolge riefen die Angehörigen auch den Arbeitgeber des Fernfahrers in Marokko vor den Ermittlern an. «Die Polizei musste regelrecht gedrängt werden, sich dort zu melden», sagte er.

Die Familie der 28-jährigen Studentin hatte mehrfach kritisiert, dass die Polizei nicht schnell genug tätig geworden sei und über die Zuständigkeit uneinig gewesen wäre. Sophia Lösche wollte vor gut einem Jahr von Leipzig ins bayerische Amberg reisen, weshalb zunächst Polizisten in Amberg und Leipzig involviert waren. Später kam die Polizei Bayreuth hinzu, da der Tatort in Oberfranken liegen könnte.

Das bayerische Innenministerium hat inzwischen «organisatorische Maßnahmen veranlasst, um die Festlegung der Zuständigkeit in derartigen Fällen zukünftig zu beschleunigen». Es bestätigte einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks. Das sächsische Ministerium will sich bis zum Prozessabschluss nicht äußern. Ob schnelleres Handeln den Tod der jungen Frau hätte verhindern können, ist unklar. Todeszeitpunkt und -ort blieben zunächst strittig.

Der 42-jährige marokkanische Angeklagte hatte am ersten Prozesstag zugegeben, die Tramperin mitgenommen und getötet zu haben. Den ihm ebenfalls in der Anklage vorgeworfenen sexuellen Übergriff verneinte er vehement. Vielmehr sei es aufgrund eines Missverständnisses über einen scheinbaren Diebstahl zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Die Leiche wurde einige Tage später in Spanien gefunden, wo auch der Angeklagte festgenommen wurde.

Bei der Obduktion wurden nach Angaben des leitenden Ermittlers keine Hinweise auf eine sexuelle Straftat gefunden. Die Details der Obduktionsergebnisse werden allerdings laut Staatsanwaltschaft noch besprochen werden müssen. Die spanische Rechtsmedizinerin soll während des weiteren Prozesses per Video als Zeugin gehört werden.

Der Ermittler gab am zweiten Prozesstag einen Überblick über das Vorgehen der Polizei und schilderte mit Bildern von Überwachungskameras und Satellitenaufnahmen die Fahrtroute des Angeklagten. Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie die Tramperin und der Fernfahrer gemeinsam in den Lkw steigen und später einen Kaffee zusammen trinken. Irgendwann ist nur noch der Fahrer auf den Bildern zu sehen.

Im Telefonat und Chat-Austausch zwischen dem Fernfahrer und einer Freundin und einer Cousine Sophias haben die beiden Frauen den Angeklagten als kooperativ und freundlich wahrgenommen, sagte der Ermittler. Der Fernfahrer habe damals noch angegeben, die Tramperin wie gewünscht in der Nähe von Nürnberg abgesetzt zu haben.

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