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Rößler: «Jüdisches Leben in Deutschland wieder in Gefahr»

27.01.2021 - 76 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sehen Politiker in Sachsen wieder jüdisches Leben bedroht. Sorgen bereiten dabei auch Verschwörungsmythen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

  • Matthias Rößler (CDU), Landtagspräsident in Sachsen. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Matthias Rößler (CDU), Landtagspräsident in Sachsen. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler hat davor gewarnt, dass Judenhass durch Verschwörungstheorien wieder salonfähig wird. «Akzeptieren wir als Gesellschaft nicht, dass Verschwörungsideologen aller Couleur ihren Judenhass wieder unters Volk bringen», mahnte er am Mittwoch bei einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Tag im Dresdner Landtag. Auch Grünen-Landeschef Norman Volger verwies in einer Mitteilung auf zahlreiche Verschwörungsmythen zur Corona-Pandemie und Klimakrise. Sie beruhten häufig auf antisemitischen Vorurteilen und rechtsextremen Ideologien.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rief die Sachsen auf, «im Privaten und im Dienstlichen» klar Stellung gegen Rassismus und Antisemitismus zu beziehen. «Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen», sagte er bei einer Kranzniederlegung an der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg. Deutschland sei heute in der Welt überall geschätzt, weil es eine klare Haltung zur NS-Geschichte habe.

«Hier hat im Grunde genommen vieles begonnen, was am Ende in den Holocaust hineingeführt hat», erinnerte Kretschmer an die Rolle des Konzentrationslagers in Frankenberg (Landkreis Mittelsachsen). Dort waren von 1933 bis 1937 etwa 10 000 Menschen inhaftiert; es gilt als Vorläufer späterer Lager wie Buchenwald und Sachsenhausen. Hier habe «diese menschenverachtende, bösartige Ideologie» begonnen, Menschen zu selektieren und umzubringen, betonte Kretschmer. Linksfraktionschef Rico Gebhardt rief die Landesregierung auf, Besuche von Schülern in KZ-Gedenkstätten sicherzustellen. Gebhardt: «Antifaschismus ist unser aller Verpflichtung.»

Am Holocaust-Gedenktag wird alljährlich an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Das Lager steht symbolhaft für den NS-Völkermord an Millionen Menschen.

Rößler erinnerte in seiner Ansprache auch an die Weltkriegsopfer in der Roten Armee. «Allein bis Ende 1941 starben 1,4 Millionen Rotarmisten in deutscher Kriegsgefangenschaft.» Und er zeigte sich froh darüber, dass es nach dem Holocaust wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt. «Wir dürfen nicht naiv sein. Jüdisches Leben in Deutschland ist wieder in Gefahr», mahnte er mit Blick auf antijüdische Angriffe und Hetze in jüngerer Zeit. «Antisemitismus, Judenhass, sie sind unter uns und eine Schande für unser Land.»

Wegen der Corona-Pandemie waren anders als in den Vorjahren keine Bürger und Schüler bei der Gedenkfeier im Landtag zu Gast, sie wurde aber live im Internet übertragen. Als Zeitzeugnis spielten Musiker das «Quartett auf das Ende der Zeit» des französischen Komponisten Olivier Messiaen. Das Stück hatte Messiaen den Angaben nach während seiner Kriegsgefangenschaft in einem Lager in Görlitz vollendet; dort wurde es im Januar 1941 vor rund 400 Kriegsgefangenen und Angehörigen des Wachpersonals in einer Baracke uraufgeführt.

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