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Trachten in der Niederlausitz: Mehr als nur Kleidung

16.05.2019 - Mädchen, junge Frauen und die ältere Generation: In der Niederlausitz tragen viele Sorbinnen traditionell Tracht - und setzen damit ein Statement. Das An- und Ausziehen ist aber nicht ganz einfach.

  • Mit Blumen bestickte Haube einer sorbischen Tracht. Foto: Patrick Pleul/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mit Blumen bestickte Haube einer sorbischen Tracht. Foto: Patrick Pleul/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Cottbus/Lübben (dpa) - Statt Knöpfen und Reißverschlüssen gibt es Stecknadeln und Bänder. Die sorbische Tracht ist vielleicht ein wenig kompliziert, anzuziehen, aber in der Niederlausitz nach wie vor modern. Die Tradition sei in vielen Familien lebendig, sagt Milena Stock, die die sorbische Kulturinformation Lodka in Cottbus leitet. Dabei hat jedes Dorf seine eigene Kleiderordnung und Tracht. Viele davon sind beim Deutschen Trachtenfest von Freitag bis Sonntag in Lübben im Spreewald zu sehen. Insgesamt erwartet die Stadt rund 2500 Trachtenträger aus ganz Deutschland zu dem Fest unter dem Motto «Tracht verbindet». Neben einem großen Trachtenumzug werden während der drei Tage vor allem sorbische Bräuche, typisches Handwerk und traditionelle Feste gezeigt.

Die nationale Minderheit der Sorben mit slawischen Wurzeln, die sich in Brandenburg auch Wenden nennen, lebt seit ungefähr 1500 Jahren im heutigen Osten Deutschlands. Sie haben eine eigene Sprache, Kultur und Identität. Im Siedlungsgebiet in der Lausitz gilt die Zweisprachigkeit.

Zahlen zu den sorbischen Trachtenträgerinnen gibt es nicht. Ute Henschel, die die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus leitet, schätzt ihre Zahl auf rund 5000 bis 10 000 - auch junge Frauen. «Die Generation, die im Alltag Tracht trägt, stirbt weg», erklärt Stock, die selbst Tracht trägt. Anlässe zum Tragen der besonderen Kleidungsstücke gebe es genug: die wendische Fastnacht, Erntebräuche, Oster- und Weihnachtszeit. «Ohne Trachten ist das kulturelle Leben nicht denkbar», sagt Henschel. Die sorbische Tracht sei dabei mehr als nur Kleidung. «Wenn ich die Tracht anziehe, trete ich als Sorbin auf», sagt Henschel. Das Nationalbewusstsein der Sorben nehme zu, vor allem seit der Wende.

Fünf große Schneidereien gibt es laut Henschel es in der Region, die traditionelle Trachten fertigen - mit steigender Auftragslage. Eine der aufwendig bestickten Trachten kann demnach gut 2000 Euro kosten. Die traditionelle Variante hat keine Knöpfe und keine Reißverschlüsse. Sie wird gebunden und mit Ösen und Haken befestigt. Gut eine Stunde dauere es, alle Kleidungsstücke anzuziehen. Eine Ankleidefrau helfe dabei. Hinzu komme noch einmal mindestens eine Stunde für die typische bestickte Haube. Sie wird mit Dutzenden Stecknadeln an einem Pappstück und dann am Kopf befestigt.

Örtliche Vereine, die das sorbische Brauchtum auf Bühnen vorführen, verwenden laut Stock oft die Stilisierung einer Tracht - mit Knöpfen und Reißverschlüssen geht das Umziehen deutlich schneller. Auch die aktuelle Mode übernimmt demnach Elemente der sorbischen Tracht. Die Spreewälder Designerin Sarah Gwiszcz lässt sich beispielsweise bei ihren Entwürfen von den sorbischen Modellen inspirieren.

Die Männertracht der Sorben ist seit mehr als 100 Jahren verschwunden, erklärt Stock. Sie wurde im Ersten Weltkrieg weitgehend durch Militärkleidung ersetzt. Allerdings würden von den Trachtenschneidereien auch wieder Männertrachten nach historischen Vorlagen genäht.

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