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Weltgrößtes Typisierungslabor in neuem Domizil

18.09.2019 - Die Suche nach dem genetischen Zwilling ist für Leukämiekranke eine Sache von Leben und Tod. Vor einer lebensrettenden Transplantation müssen die Gewebemerkmale der Stammzellspender analysiert werden - je mehr Übereinstimmung, desto besser.

  • Eine Mitarbeiterin arbeitet an einer Einsortierung. Foto: Robert Michael/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Mitarbeiterin arbeitet an einer Einsortierung. Foto: Robert Michael/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dresden (dpa) - Schatzkammer des Lebens im Geldspeicher: Wo einst Geld gezählt und Gold bewahrt wurde, ist nun die DNA von sieben Millionen Menschen archiviert - bei minus 20 Grad, auf Platten in schmalen Schließfächern. Eine Etage darunter befinden sich Server mit Stammzellspenderdaten, deren Volumen mehrere Terrabyte umfasst. Der Geschäftsführer des DKMS Life Science Lab Dresden, Thomas Schäfer, sprach am Mittwoch von der «Schatzkammer des Lebens». Das weltweit größte und stetig wachsende Typisierungslabor für Stammzellspender hat im ehemaligen Gebäude der Bundesbank Dresden ein neues Domizil.

Dort werden nun täglich bis zu 7000 Wangenschleimhautabstriche neuer Spender aus aller Welt analysiert. Je mehr Gewebemerkmale, desto schneller und sicherer das Matching von Spender und Empfänger, erklärte Schäfer. Zur effektiven Typisierung würden mit dem sogenannten Next Generation Sequencing seit 2012 modernste biotechnologische Verfahren mit Hochdurchsatz sowie aktuelle Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung genutzt.

Mit weit über 1,2 Millionen typisierten Proben jährlich ist das 2001 von der DKMS übernommene Labor inzwischen das weltweit größte seiner Art - fast das Zehnfache von 2012. «Das nächstgrößere macht nur die Hälfte», sagte Technologiechef Vinzenz Lange. «Wir typisieren zwischen 40 und 46 Prozent der Menschen, die sich weltweit als Stammzellspender registrieren lassen.» Die Kosten pro Spender konnten dank moderner Verfahren von 50 auf 35 Euro gesenkt werden.

Laut Lange dauert die Bestimmung der Gewebemerkmale von jedem neuen Spender etwa drei Wochen. «Bei uns wird von Anfang an so viel charakterisiert, dass alle wichtigen Parameter für eine Spenderauswahl direkt zur Verfügung stehen.» Das erspare die Feintypisierung nach der Vorauswahl. Dort, wo früher Geld gezählt oder geschreddert wurde, filtern drei Maschinen die DNA aus den Wattestäbchen, die nach einem Barcode in kleine Boxen mit je 96 Löchern per Hand vorsortiert werden.

«DNA sieht man nicht», erklärte Geoffrey Behrens vom Management. Sie befinde sich am Ende in einer Lösung, die wie Wasser aussehe. Nur ein Promille eines Tropfens davon werde für die Analyse hinter panzersicheren Glasscheiben gebraucht. Die Ergebnisse übermitteln die Dresdner an die DKMS - und der Spender steht laut Lange «dem weltweiten Suchlauf für Patienten zur Verfügung».

Bei Frank Keßler lag nur ein halbes Jahr zwischen Registrierung und erster Spende. «Es gab in unserem Nachbarort in der Oberlausitz einen Leukämie-Fall», beschrieb der 34-Jährige seine Motivation. Im Februar 2017 schob er deshalb drei Stäbchen in den Mund, benetzte sie mit Speichel und gab sie ab. Kurz vor Weihnachten wurden ihm ambulant periphere Stammzellen aus dem Blut entnommen. Im März hat der DHL-Zusteller den 58-Jährigen aus den USA kennengelernt, dessen Lebensretter er ist - auch für Keßler ein emotionaler Moment.

«Nur in 20 Prozent der Fälle wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen», erklärte DKMS-Sprecherin Sonja Krohn. Wie die Stammzellen für eine Transplantation gewonnen werden, bestimme der Arzt. Die DKMS hat seit ihrer Gründung 1991 schon knapp 79 600 Spenden für an Blutkrebs erkrankte Menschen in alle Welt vermittelt. Bei ihr haben sich bisher über 9,3 Millionen Spender registrieren lassen - mit jedem wachsen die Chancen Leukämiekranker.

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