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Zigarettenhandel und Schutzgeld: Prozess wegen Doppelmordes

23.03.2020 - Die Tat ist länger her als die Opfer alt geworden sind: 1995 werden in Chemnitz zwei Vietnamesen ermordet. Nun hat der Prozess gegen einen Landsmann begonnen. Laut Anklage wollte der Tatverdächtige damals in den florierenden illegalen Zigarettenhandel einsteigen.

  • Das Landgericht Chemnitz. Foto: Peter Endig/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Landgericht Chemnitz. Foto: Peter Endig/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es ging um illegalen Zigarettenhandel, Schutzgeld und Schulden: Begleitet von Schutzvorkehrungen wegen der Coronaviruskrise hat fast 25 Jahre nach einem Doppelmord in Chemnitz am dortigen Landgericht der Prozess gegen einen Tatverdächtigen begonnen. Angeklagt ist ein 53 Jahre alter Mann. Dem Vietnamesen wird vorgeworfen, im Sommer 1995 zwei Landsleute im Wohnzimmer des einen Opfers mit einem Elektrokabel erdrosselt zu haben. Zum Prozessauftakt am Montag schwieg der Angeklagte und wollte nach Aussage seines Anwalts auch keine Angaben zur Person machen.

Es ist irgendwann zwischen 21.15 Uhr und 24.00 Uhr am 30. Juli 1995, einem warmen Sommertag, als die beiden 23 und 16 Jahre alten Brüder getötet werden. In einem Mehrfamilienhaus, das es heute nicht mehr gibt, hat der Täter die Opfer an den Händen und den Füßen gefesselt, mit den Händen auf dem Rücken. Mit Knebeln werden Rufe oder Schreie unterbunden. Denn werden sie mit einem schwarzen Elektrokabel stranguliert. Die Opfer ersticken, heißt es in der Anklageschrift.

Am nächsten Tag werden die Toten gefunden. Schon bald danach gerät der jetzt Angeklagte ins Visier der Ermittler. Er wird mit einem europäischen Haftbefehl gesucht. Die Fahndung ist 24 Jahre vergeblich. Der Tatverdächtige ist nach Tschechien geflohen. Dort taucht er unter falscher Identität ab. «Er war dort unter einer anderen Personalie gemeldet», sagt Staatsanwalt Stephan Butzkies. Für diese habe er richtige Papiere gehabt.

Im vorigen Jahr wurde der schmächtige Mann mit den dunklen Haaren dann in Prag festgenommen. Die Hintergründe dafür sind auch Butzkies nicht ganz klar. «Die tschechischen Behörden halten sich bedeckt», sagt er. Es habe geheißen, man habe Ermittlungen in der vietnamesischen Community geführt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der damals florierende Zigarettenschmuggel und -handel das Motiv für die grausame Tat war. «Er wollte in das Geschäft einsteigen», sagt Butzkies. Damit verbunden war den Angaben zufolge auch Schutzgelderpressung. Zudem, so die Ermittlungen, habe der Angeklagte bei einem der Opfer Schulden gehabt.

Nicht nur, aber auch wegen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zeichnete sich schon am ersten Verhandlungstag ab, dass der Prozess nicht leicht wird. Zahlreiche Zeugen sind inzwischen über die ganze Bundesrepublik verteilt oder gar wieder in Vietnam.

Wegen der langen Zeit zwischen Tat und Prozessbeginn offenbarten sich bei den ersten Zeugen Erinnerungslücken. Ein Polizist, der damals als einer der Ersten am Tatort war, wusste aber noch, dass die Eltern der Opfer dort waren. Diese hätten sehr geweint, berichtete er vor Gericht.

Eine Frau, die damals auf der gleichen Etage wohnte wie die Getöteten, hatte die Polizei alarmiert. Nach ihrer Aussage lagen die Brüder auf dem Bauch, die Hände waren auf dem Rücken zusammengebunden. «Es sah aus wie in einem Krimi», sagte sie.

Bis zum 20. Mai sind zunächst noch sechs weitere Verhandlungstage angesetzt. Eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen. Die Vorsitzende Richterin sondiert bereits Termine bis in den August.

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