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2019 Tausende Funde bei 550 Grabungen

01.01.2020 - Sachsen-Anhalt ist auch 2019 ein fundreiches Land für Archäologen geblieben. Insgesamt 550 Grabungen brachten neue Hinweise über das Leben unserer Vorfahren.

  • Eine Nachbildung der Himmelsscheibe von Nebra wird mit einem Mikroskop untersucht. Foto: Sebastian Willnow/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Nachbildung der Himmelsscheibe von Nebra wird mit einem Mikroskop untersucht. Foto: Sebastian Willnow/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Halle (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt hat es 2019 landesweit 550 archäologische Grabungen gegeben. «Die Zahl ist über die Jahre annähernd gleich geblieben», sagte Landesarchäologe Harald Meller. «Die Forschungsgrabung am Ringheiligtum in Pömmelte hat erstaunliche Ergebnisse gebracht und ist enorm wichtig für das Verständnis um die Himmelsscheibe von Nebra.» Das Projekt werde auch 2020 mit finanzieller Unterstützung des Bundes fortgesetzt.

Nahe Griebo (Landkreis Wittenberg) kam ein Jahrtausende alter Siedlungsplatz zum Vorschein. Vor 2450 Jahren wurde hier mit der Produktion von Schmuck und Werkzeugen begonnen. Im 9. Jahrhundert ging die Siedlung laut Archäologen bei einem Brand abrupt unter.

Bei Dolle (Landkreis Börde) ist ein rund 2800 Jahre altes, spätbronze-/früheisenzeitliches Urnengräberfeld entdeckt und weit mehr als 100 Keramikurnen aus Urnengräbern geborgen worden. Auch in der Altstadt von Halle fanden sich bis zu 2800 Jahre alte Siedlungsfunde. Darunter waren Fragmente von Gefäßen, die damals zum Salzsieden benutzt wurden. In Halle sprudelten bis in die Neuzeit mehrere Solequellen und begründeten den Reichtum der Stadt. Aus jüngerer Zeit wurde ein hölzerner Kastenbrunnen aus dem 10./11. Jahrhundert freigelegt. Darin fand sich ein zierlicher Fingerring mit Durchmesser 1,6 Zentimeter aus Kupfer oder Bronze mit kreisförmigen Verzierungen. Zudem kamen Fragmente von farbigen Bleiglasringen zu Vorschein. Die Stücke könnten Fingerringe gewesen sein oder als Kleiderbesatz gedient haben. Auch eine sogenannte Zierscheibe aus Blei, aus der Stauferzeit, Mitte des 13. Jahrhunderts, fand sich unter den Artefakten. Sie zeigt einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Möglicherweise diente sie als Verzierung auf einer Ledertasche oder einem Kleidungsstück.

Bei Kemberg (Landkreis Wittenberg) fanden sich neue Hinweise zu einem der bedeutendsten vorgeschichtlichen Burgwälle Mitteldeutschlands. Die äußere Palisade wurde anhand der Altersbestimmung von Jahrringen der beim Bau verwendeten Hölzer vor 2968 bis 2955 Jahren erbaut. Damit ist die Burg von Kemberg die älteste genau datierte Anlage dieser Art in ganz Mitteleuropa und rund 200 Jahre älter als die meisten anderen dieser Befestigungen. Verkohlte Schichten im Holz-Erde-Wall belegen, dass der Burgwall durch Feuer zerstört wurde. Auslöser könnte eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Reitervolk der Skythen aus der ukrainischen Steppe im 6. Jahrhundert vor Christus gewesen sein.

Auf dem Gelände der Magdeburger Polizei wurde ein rund 3500 Jahre altes Gräberfeld aus der Bronzezeit in der Magdeburger Innenstadt, entdeckt. In einem 6 mal 37 Meter großen Areal fanden sich mehrere Skelette von Frauen, die mit ihrem Schmuck beigesetzt wurden. Zudem gab es auf dem Gelände Hinweise auf eine noch ältere Anlage, die aus der Frühbronzezeit stammt und 4200 bis 3500 Jahre alt ist.

Es wird aber nicht nur gegraben: Das Interesse an der Geschichte und an archäologischen Funden ist weiter groß. So kamen im Jahr 2019 über 70 000 Besucher in das Landesmuseum Halle. Im Jahr 2018 waren es 80 000 Menschen. «Dass es dieses Jahr weniger sind, lag an der fehlenden Sonderausstellung und die neue Sonderausstellung «Ringe der Macht» hat erst im November begonnen», sagte Meller. «Im langjährigen Mittel sind es über 100 000 Besucher, zumal 2020 die große Sonderausstellung zur Himmelsscheibe kommt und für einen deutlichen Besucherzuwachs sorgen wird.»

Die Unterwasserarchäologie wird 2020 mit der Vermessung und Dokumentation des Arendsee (Altmark) fortgesetzt. Ebenso wird in Kooperation mit der Universität Halle die Forschung zu den Informationswegen bezüglich des Wissens auf der Himmelsscheibe in Süditalien weiter gehen. «Wir wissen schon viel, aber wir brauchen noch mehr Befunde, um die konkreten Strecken vom Nahen Osten bis nach Mitteldeutschland nachweisen zu können», sagte der Landesarchäologe.

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