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Anlaufstelle soll Opfern von Terror und Unglücken helfen

26.02.2020 - Das Attentat von Halle, die Explosion in einem Wohnhaus in Blankenburg, Zugunglücke - Opfer fühlen sich nach solchen Ereignissen oft allein gelassen. Dabei gibt es viele Hilfsangebote. Ein Blick über die Landesgrenze zeigt, wie wichtig Opferbeauftragte sind.

  • Ein Notfallseelsorger. Foto: Patrick Seeger/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Notfallseelsorger. Foto: Patrick Seeger/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Magdeburg/Hanau (dpa/sa) - Opfer von Terroranschlägen, Attentaten oder schweren Unglücksfällen sollen in Sachsen-Anhalt künftig schneller die passende Hilfe finden. Eine Zentrale Anlaufstelle übernehme die Lotsenfunktion hin zu bestehenden speziellen Hilfs- und Beratungsangeboten, sagte Manuela Naujock, Referatsleiterin im Justizministerium, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. «Wir sind jetzt dabei, die Strukturen aufzubauen.»

Zentraler Ansprechpartner soll der oder die Landesopferschutzbeauftragte sein. Noch ist nicht klar, wer diese Funktion übernimmt. Bis spätestens zum zweiten Quartal dieses Jahres soll dies aber geklärt sein. Als Ehrenamtliche oder Ehrenamtlicher werde diese Person schnell zu Ereignisorte reisen und als Ansprechpartner dienen, erklärte Naujock. «Es geht darum, den Opfern von staatlicher Seite Gehör zu verschaffen.» Die Anlaufstelle werde aus einer Sachbearbeiterin und einem Referenten bestehen. Für diese soll ein Büro im Justizministerium eingerichtet werden.

Als Beispiel für rasche Hilfe nannte Naujock die Abläufe nach der Gasexplosion in einem Mehrfamilienhaus in Blankenburg am 13. Dezember 2019. «Wir sind sofort tätig geworden. Der Soziale Dienst in Halberstadt ist mit der Stadt in Verbindung getreten. Drei Betroffenen ist geholfen worden», berichtete Naujock. «Die Zusammenarbeit mit dem Krisenstab in Blankenburg hat gut funktioniert.»

Beim Sozialen Dienst der Justiz seien an sechs Standorten zwölf Opferberaterinnen tätig. Sie könnten genau auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen, die sich oft in einer Schocksituation befänden. Die Erfahrung zeige, dass jeder Unterschiedliches benötige: psychologische Hilfe, schnelle finanzielle Unterstützung oder aber Betreuung für ein Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen. «Oft sind es die kleinen Dinge des Lebens, die geregelt werden müssen.»

Wie wichtig ein Wegweiser für die Betroffenen ist, war erstmals besonders deutlich nach dem Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz 2016 geworden. Damals fehlte ein zentraler Anlaufpunkt, wo Hilfe koordiniert wurde. Betroffene fühlten sich allein gelassen. Das Bundeskabinett ernannte im April 2018 einen Opferbeauftragten, der sich um die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen terroristischer Straftaten im Inland kümmert.

In Hanau, wo ein Deutscher vor einer Woche neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschoss und dann mutmaßlich seine Mutter und sich selbst, sind mehrere Opferbeauftragte tätig. Neben den Vertretern von Bund und Land sind das zwei Vertreterinnen, die die Stadt Hanau ernannt hat. Eine von ihnen ist Silke Hoffmann-Bär, Leiterin der städtischen Stabsstelle für Gesundheit. Die Medizinerin koordiniert die angestoßene Hilfe, gibt nach Gesprächen mit Opfern Einschätzungen ab, ob jemand eine Therapie braucht und wer dabei weiterhelfen könnte.

Hoffmann-Bär sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wichtig ist es, mit den Menschen empathische Gespräche zu führen. Sie bekommen das Signal von uns, dass sie mit wirklich allen Problemen, die sie beschäftigen, auf uns zukommen können. Wir helfen, wo wir können.» Ein großes Thema sei neben der Verarbeitung der Trauer auch, wie finanzielle Soforthilfe beantragt werden kann. «Die Menschen machen sich Sorgen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Andere wollen unbedingt aus ihrer Wohnung ausziehen, weil sie sonst zu stark an den verlorenen Menschen erinnert werden.» Um Bestattungskosten müssen sich die Opferfamilien nicht kümmern. Die übernehme die Stadt.

Bei den Hilfsangeboten sei Sachsen-Anhalt insgesamt sehr gut und breit aufgestellt, betonte Naujock. Neben dem Sozialen Dienst der Justiz als staatliche Anlaufstelle gebe es die bekannten nichtstaatlichen Hilfsorganisationen wie den Weißen Ring, aber auch spezialisierte Vereine wie Wildwasser bei sexueller Gewalt, die Mobile Opferberatung für Opfer rechter Gewalt oder die Fachstelle Vera gegen Menschenhandel und Zwangsverheiratung.

Wichtig ist aus Naujocks Sicht aber auch die Langzeitbetreuung der Opfer. «Sie leiden oft Jahre und brauchen die Betreuung, Begleitung und Unterstützung.»

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