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Betroffener im Halle-Prozess befragt den Angeklagten selbst

28.07.2020 - Am dritten Tag des Prozesses um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat erstmals ein Betroffener selbst das Wort ergriffen. Der US-Amerikaner Ezra Waxman, der während des Anschlags in der Synagoge in Halle war und als Nebenkläger auftritt, stellte dem Angeklagten am Dienstag mehrere Fragen. Waxman konfrontierte den Angeklagten mit den antisemitischen Vorurteilen, die der 28-Jährige immer wieder vor Gericht ausbreitete.

  • Der Angeklagte Stephan Balliet sitzt mit Handfesseln im Verhandlungssaal im Landgericht. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Angeklagte Stephan Balliet sitzt mit Handfesseln im Verhandlungssaal im Landgericht. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Waxman wollte wissen, wie diese Klischees auf ihn persönlich zutreffen würden. Der Angeklagte Stephan Balliet antwortete, es handele sich eher um generelle, gesellschaftliche Eigenschaften von Juden. Waxman unterbrach den Angeklagten: «Ich frage Sie aber nicht generell, ich frage Sie über mich». Außerdem fragte der Amerikaner, ob der Angeklagte seine Anschlagspläne auch umgesetzt hätte, wenn er Kinder oder eine Freundin gehabt hätte. Es wäre unwahrscheinlicher gewesen, antwortete der Angeklagte. Nach der Befragung verlas die Anwältin Waxmans eine Erklärung, in der die antisemitischen, rassistischen, sexistischen Äußerungen des Angeklagten scharf kritisiert werden.

Der Prozess gegen den Sachsen-Anhalter vor dem Oberlandesgericht Naumburg läuft seit vergangenem Dienstag. Wegen des großen öffentlichen Interesses und aus Sicherheitsgründen erfolgt die Verhandlung im größten Verhandlungssaal Sachsen-Anhalts im Landgericht Magdeburg. Die Bundesanwaltschaft wirft Balliet 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord.

Der 28 Jahre alte Angeklagte hatte vorige Woche eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt 52 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Nachdem er nicht in die Synagoge gelangt war, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und später einen 20-Jährigen in einem Dönerimbiss.

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