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Corona bringt die Digitalisierung an Musikschulen in Schwung

15.10.2020 - Der Lockdown im Frühjahr hat auch Sachsen-Anhalts Musikschulen getroffen - von einem auf den anderen Tag war Umdenken gefragt. Die Erfahrungen nutzen den Einrichtungen auch für die Zukunft.

  • Ein Junge spielt an einem Flügel. Foto: Michael Hanschke/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Junge spielt an einem Flügel. Foto: Michael Hanschke/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Musikschulen in Sachsen-Anhalt beschleunigt. «Die Pandemie hat die Zukunft in die Gegenwart geholt», sagte Christian Reineke, Geschäftsführer des Landesverbands der Musikschulen mit Sitz in Magdeburg. «Wir sind der Zeit jetzt schätzungsweise drei bis vier Jahre voraus.» Grund dafür ist der Ausfall des Präsenzunterrichts in allen 20 staatlich anerkannten Musikschulen während des Lockdowns. Damals mussten sich die Lehrkräfte laut Reineke schnell überlegen, wie der Unterricht trotzdem aufrecht erhalten werden könne.

Lehrkräfte hätten mit ihren Schülern beispielsweise via Handy kommuniziert, ihnen wöchentliche Aufgaben per Video zukommen lassen. «Die Notwendigkeit einer Digitalisierung ist durch die akute Lage offenkundig geworden», so Reineke. Dabei seien auch Baustellen aufgefallen: Mobile Dienstgeräte sind den Angaben nach nicht überall vorhanden, technische Grenzen wie eine schwache Internetverbindung, gerade im ländlichen Raum, traten auf, Fragen zum Datenschutz müssten geklärt werden.

Derzeit würden knapp 19 000 Schülerinnen und Schüler an den Musikschulen im Land unterrichtet. Etwa 2000 größtenteils Kinder und Jugendliche stehen zudem auf Wartelisten. Grund dafür sei der Lehrkräftemangel. Den habe es bereits vor der Pandemie gegeben. «Gerade im ländlichen Raum ist es schwer, Honorarkräfte zu finden», so Reineke. Mit mehr finanziellen Mitteln ließe sich das Problem seinen Angaben nach lösen - denn die Erfahrung zeige, dass bei ausgeschriebenen Festanstellungen Interesse bestehe.

Ziele für die Zukunft seien deswegen ausreichend Personal und die Erkenntnisse der vergangenen Monate zu nutzen. Digitale Unterrichtsmethoden sollen künftig den Präsenzunterricht ergänzen. Denn die Erfahrungen von Lehrkräften, Schülern und Eltern zeigten, wie wertvoll der direkte Kontakt zu Menschen sei. Zudem sei die nonverbale Ebene beim Musizieren entscheidend - die falle vor allem beim digitalen Zusammenspiel größtenteils weg. «Der digitale Unterricht ist eine gute Brücke zu den Schülern und sinnvoll, um die Motivation aufrechtzuhalten», bilanziert Reineke. «Er kann aber nicht mit dem Präsenzunterricht gleichgesetzt werden.»

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