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Coronavirus in Pflegeheimen in Halle und Jessen: Zwei Tote

29.03.2020 - Das Coronavirus ist in Sachsen-Anhalt bei den Verletzlichsten angekommen. Pflegeheimbewohner in Halle und Jessen sind infiziert, es gab zwei Todesfälle. Unterdessen gilt weiter Quarantäne für Tausende Jessener und Hunderte Asylbewerber in Halberstadt.

  • Eine 3D-Darstellung eines Coronavirus. Foto: Uncredited/Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine 3D-Darstellung eines Coronavirus. Foto: Uncredited/Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Alltag vieler Sachsen-Anhalter ist wegen des Coronavirus eingeschränkt und erfasst zunehmend sensible Bereiche der Gesellschaft. In einem Altenpflegeheim in Halle sind 13 Bewohner infiziert, einer ist gestorben, wie Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Sonntag mitteilte. Auch in einem Pflegeheim in Jessen (Elster/Landkreis Wittenberg) breitet sich Sars-CoV-2 aus. Der Landkreis teilte am Sonntag mit, dass ein 76 Jahre alter infizierter Bewohner mit multiplen schweren Erkrankungen im Krankenhaus gestorben sei. Im Pflegeheim sei die Zahl der infizierten Bewohner von 11 auf 19 gestiegen, 7 Mitarbeiter seien erkrankt. Es gebe rund 100 Bewohner.

In Jessen sind etwa 8000 Bürger der Ortsteile Jessen und Schweinitz in Quarantäne. Die meisten von ihnen zeigen sich besonnen und einsichtig, wie Bürgermeister Michael Jahn (SPD) am Wochenende sagte. Und auch in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt, wo rund 850 Bewohner wegen eines Corona-Falls ebenfalls von der Umwelt getrennt sind, herrscht Verständnis, wie der Landkreis Harz mitteilte.

Landesweit waren bis Sonntagmittag 635 Infektionen nachgewiesen, teilte das Sozialministerium in Magdeburg mit. 53 von ihnen würden in Krankenhäusern behandelt. Dennoch erwischen Polizei und Ordnungsämter immer wieder Uneinsichtige, die Partys feiern, die Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregeln nicht einhalten. Im Ilsetal etwa trafen die Beamten am Wochenende viele Ausflügler aus umliegenden Bundesländern, wie das Polizeirevier Harz am Sonntag mitteilte.

In Halle wurden allein am Samstag 31 Strafanzeigen gestellt. In Magdeburg wurden bei den Kontrollen am Samstag hingegen nur fünf größere Personengruppen angetroffen, wie eine Stadtsprecherin mitteilte. Am Freitag war dort noch eine Bar amtlich versiegelt worden, die nicht wie vorgeschrieben geschlossen war. Der Betreiber war laut Stadt uneinsichtig.

In Halberstadt löste die Polizei gleich mehrere Partys auf. In einem Fall hätten neun Personen in einem Wohnzimmer eng beieinander gesessen. «Die Personen bagatellisierten die Hinweise des Beamten und zeigten sich uneinsichtig», schilderte die Polizei. Es gab neun Strafanzeigen und Platzverweise. Auf einem Parkplatz ebenfalls in Halberstadt grillten fünf Menschen trotz des weitreichenden Kontaktverbots und tranken Alkohol.

Die Stadt Halle betonte am Sonntag wiederholt, wie wichtig die Einhaltung der Corona-Regelungen ist - nicht zuletzt, um die Schwächsten zu schützen. Die 13 positiv getesteten Bewohner des Diakonie-Altenpflegeheimes hätten keine Symptome gezeigt, betonte Wiegand. Er wies darauf hin, dass es jeden treffen könne, auch unbemerkt. Zu dem am Sonntag verstorbenen Heimbewohner wollte die Stadt mit Rücksicht auf die Angehörigen keine Details nennen. In der Einrichtung seien 152 Menschen untergebracht. Der Gebäudeteil mit 55 Bewohnern, in dem eine zuvor positiv getestete Pflegerin gearbeitet hatte, sei unter Quarantäne gestellt. Das Personal arbeite mit Schutzausrüstung.

Auch in einer kleineren Pflegeeinrichtung mit 24 Bewohnern wurde laut Wiegand bei einer Pflegerin das neuartige Coronavirus festgestellt. Alle Bewohnerinnen und Bewohner würden nun untersucht. Es gelte auch dort eine Quarantäne.

In den beiden Jessener Ortsteilen, die seit Donnerstag abgeriegelt sind, herrscht laut Bürgermeister Jahn überwiegend Verständnis: «Die Stimmung ist überwiegend vernünftig, klug und besonnen.» Die Leute seien sich der Gefahr bewusst. Nur wenige hätten es noch nicht verstanden. Bewohner müssen in ihren Wohnungen und auf ihren Grundstücken bleiben und dürfen sie nur verlassen, um sich auf dem kürzesten Weg etwa mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

«Das trifft die Stadt schon extrem», sagte Jahn, der seit 2015 Bürgermeister ist. Die Stadt habe Erfahrung mit der Flut und mit Bränden, aber jetzt könnten die Menschen dem Virus nichts entgegensetzen. Die zwei Wochen, für die die Quarantäne nun erstmal angesetzt ist, könnten sehr lang werden. «Am Anfang ist es noch wie ein Ferienlager.» Es sei aber bei Familien schon das Dilemma zu merken, wenn alle lange Zeit zusammen sein müssten. «Emotional wird es große Probleme geben», so Jahns Einschätzung.

Unter Druck kämen Firmen, deren Mitarbeiter nicht mehr arbeiten dürften, sagte Jahn. Und es gebe auch Unmut angesichts von Ungleichbehandlungen, wenn etwa eine Firma weiterarbeiten könne und eine andere nicht. Und auch für die Menschen in den anderen 42 Jessener Ortsteilen sei die Quarantäne deutlich spürbar. Man fahre eben zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Kita und Schule nach Jessen in die Stadt. Jetzt würden die Wege deutlich weiter.

In der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt seien die Bewohner über die Notwendigkeit der Einschränkung ihrer sozialen Kontakte informiert worden. Sie hätten Verständnis und Besonnenheit gezeigt, teilte der zuständige Landkreis Harz am Sonntag mit. Die einzelnen Häuser der Einrichtung mit rund 850 Bewohnern seien untereinander isoliert. Ein ehemaliger Bewohner, der inzwischen in Halle lebt, war positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden.

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