Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Deutsche Teilung neu erklärt: Dauerausstellung in Marienborn

14.07.2020 - Vor 30 Jahren endeten die Grenzkontrollen an der innerdeutschen Grenze. Für viele Menschen sind geschlossene Grenzen, Kontrollen, Fluchtversuche kaum noch vorstellbar. Die Gedenkstätte Marienborn setzt bei der Erklärung stark auf Multimediales und Biografien.

  • Tischler Paul Winkler installiert eine Stele in der neuen Dauerausstellung in der Gedenkstätte. Foto: Ronny Hartmann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Tischler Paul Winkler installiert eine Stele in der neuen Dauerausstellung in der Gedenkstätte. Foto: Ronny Hartmann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Einst reihte sich hier Auto an Auto. Warten, Kontrollen und Schikane waren an der Tagesordnung - heute ist der ehemals größte deutsch-deutsche Grenzübergang an der A2 Gedenkstätte mit einem riesigen Gelände. Und das erklärt sich für viele jüngere Menschen nicht ohne Weiteres selbst. «Es kommen immer mehr Menschen zu uns, die die Grenzübergangsstelle nicht mehr selbst erlebt haben», sagte der amtierende Leiter der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Sven Sachenbacher, am Dienstag. Eine neue Dauerausstellung gehe daher auf neue Fragen der Besucherinnen und Besucher ein, reagiere auf neue Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen.

Coronabedingt ist am Freitag keine große Eröffnungsveranstaltung geplant, sondern ein kleiner Premierenrundgang mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (beide CDU). Im Anschluss ist die Ausstellung «Die DDR-Grenzübergangsstelle Marienborn. Schauplatz des Ost-West-Konflikts im geteilten Deutschland» für das Publikum geöffnet. Sie ersetzt die bisherige, 20 Jahre alte Dauerausstellung und hat rund 830 000 Euro gekostet.

Die Besucher werden von einer Multimedia-Installation empfangen, die in das Thema und den Ort einführt, geografisch und historisch einordnet. Auf 460 Quadratmetern teilt sich die Ausstellung in neun Kapitel, die den Alltag an der Grenzübergangsstelle Marienborn beleuchten, missglückte und geglückte Fluchtversuche, den Transitverkehr nach West-Berlin, das Leben im Zonenrandgebiet und die Friedliche Revolution. «Der Blick endet nicht am Grenzübergang», sagte Sachenbacher. Die neue Ausstellung ordne viel mehr ein als die alte. Eine festen Rundgang gibt es nicht.

Zu jedem Kapitel gehören Medienstationen, an denen die Besucher Zeitzeugenvideos ansehen können. Diese wurden für die Ausstellung neu gedreht. Die Verbindung der historischen Hintergründe mit Biografien und aussagekräftigen, manchmal irritierenden Objekten sei ein Anliegen der Ausstellungsmacher gewesen, sagte Sachenbacher. Beim Thema Flucht hängt beispielsweise schlichtweg ein Autoschlüssel in einer Vitrine - er gehört zu einem VW-Bus, der zur Flucht dienen sollte. Die Geschichte dazu wird ausführlich erzählt.

Spezialspiegel für die Kontrolle von Autos sind ebenso zu sehen wie eine Selbstschussanlage und Fotos, die die Stasi heimlich an grenznahen Raststätten an der A2 gemacht hat. Das größte Objekt ist ein riesiges DDR-Emblem, das direkt an der Autobahn an einer riesigen Betonstele hing.

Die Ausstellungsgestalter der Leipziger Agentur KOCMOC haben auch an der Verbindung zwischen Ausstellung und riesigem Gelände gearbeitet: Seit dem vergangenen Jahr stehen draußen sogenannte Zeitschleusen, die nähere Informationen zum Areal geben und mit historischen Fotos und Gucklöchern einen Eindruck der früheren Grenzübergangsstelle vermitteln. Elemente dessen finden sich auch in der neuen Dauerausstellung: Durch Gucklöcher nach draußen soll ein Eindruck vermittelt werden, wie es dort früher aussah.

Die Grenzübergangsstelle Marienborn an der Autobahn 2 war die größte und bedeutendste an der innerdeutschen Grenze außerhalb Berlins. 1985 passierten fast 4,5 Millionen Fahrzeuge den Grenzübergang, täglich wurden durchschnittlich 12 320 abgefertigt. Rund 1000 Menschen leisteten auf dem rund 35 Hektar großen Gelände zu DDR-Zeiten ihren Dienst. 1996 wurde das Gelände zur Gedenkstätte. Im vergangenen Jahr haben laut Sachenbacher rund 137 700 Menschen die Gedenkstätte besucht.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren