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Drohnen-Zentrum Cochstedt: Aus der Provinz an die Weltspitze

17.06.2020 - Mitten im Nirgendwo will Deutschland die Zukunft der Luftfahrt mitbestimmen: Auf einem ehemaligen Flugplatz der Sowjets entwickelt die Bundesrepublik die Drohnen-Technik weiter. Nach einem Jahr Aufbau gewähren die Forscher erste Einblicke.

  • Ein Drohne fliegt am blauen Himmel. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Drohne fliegt am blauen Himmel. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Treffen sich zwei Drohnen in einer Großstadt, muss jemand entscheiden, welche Drohne Vorfahrt hat - in ein paar Jahren sollen das die Fluggeräte möglichst selbst miteinander klären. Um solche Abläufe zu entwickeln und sie testen zu können, ohne dass eine Drohne mitten in den Großstadtverkehr abstürzt, baut das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) derzeit das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) auf. Erste Flugtests gab es auf dem Flughafen in Cochstedt, mitten in der Provinz Sachsen-Anhalts, bereits. Am Mittwoch durften Politiker und Journalisten sich ein Bild von dem Zukunftsprojekt machen.

Aktuell sei die Einrichtung noch ein recht unbeschriebenes Blatt, sagte ihr Leiter Daniel Sülberg. «Aber die Vision sieht anders aus: Wir wissen genau, wo wir mit Cochstedt hin wollen». Der Flughafen soll als Freiraumlabor aber auch als Schmelztiegel dienen, für die 18 DLR-Institute, die in ganz Deutschland zu dem Thema forschen, aber auch für Unternehmen, die ihre Entwicklungen dort testen wollen. Erste Firmen hatte das Zentrum ursprünglich für August erwartet, wegen der Corona-Pandemie verschieben sich die Pläne nun.

Neben der Entwicklung der Technologie sollen in Cochstedt auch Drohnen zertifiziert werden, eine Art Zulassungsstelle für die Fluggeräte. Auch die Bedienung der Drohnen soll eines Tages auf dem Drohnen-Testzentrum geschult werden. Ab Mitte nächsten Jahres sollen dann auch wieder Verkehrsflugzeuge landen. Das eröffnet der Forschung einen weiteren Bereich, der sich nur selten unter Realbedingungen untersuchen lässt: Der Parallelbetrieb von tief und eher langsam fliegenden Drohnen und schnell und hochfliegenden Düsenjets.

Deutschland habe mit der Einrichtung gute Chancen auf eine globale Führungsposition in der Drohnen-Technologie, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), bei dem Termin am Mittwoch. Viele Menschen würden bei Drohnen aber noch immer zuerst an Nachbarn denken, die mit Hobbygeräten und hochauflösenden Kameras die Schlafzimmer der Anwohner ausspionieren. Doch Drohnen seien sehr viel mehr als Spielzeug, sagte Jarzombek. Das der Öffentlichkeit zu vermitteln gehört auch zu den Aufgaben, die sich das Zentrum aufgetragen hat: Ängste und Vorbehalte sollen abgebaut und die Menschen für die Zukunftstechnologie begeistert werden.

Politiker in der Region sind das bereits: Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD), der die Ansiedlung des Zentrums unterstützt hatte, sprach von einem «Leuchtturm für Zukunftstechnologie». Landrat Markus Bauer (SPD) sieht den Salzlandkreis mit der Einrichtung auf dem Weg zur «smarten Region». Der ehemalige Militär- und spätere Verkehrsflughafen hatte sich unter 20 Bewerbern durchgesetzt. Dabei profitierte der Salzlandkreis vor allem von einer Eigenschaft, die eine erfolgreiche Nutzung Cochstedts als Verkehrsflughafen vereitelt hatte und der Gegend auch sonst eher zu schaffen macht: ihrer Abgelegenheit. Mehr als 30 Kilometer ist die nächste Großstadt Magdeburg entfernt. Auf 37 Quadratkilometer erstreckt sich das potenzielle Testgebiet - eine Fläche knapp doppelt so groß wie die Ostseeinsel Hiddensee.

Das erlaube weiträumige Tests ohne die Gefahr, dass durch Abstürze jemand verletzt wird, freuten sich die DLR-Verantwortlichen. Und auch der Region scheint das Projekt bereits zu nutzen: Vier der bisher 13 Menschen, die an dem Testzentrum arbeiten, sind in der Region aufgewachsen, haben sie zum Studium verlassen und sind dank des Zentrums nun als hoch qualifizierte Fachkräfte in ihre Heimat zurückgekehrt.

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