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Einsatzführer erfuhr bei Halle-Anschlag spät von Schießerei

16.07.2020 - In wenigen Tagen beginnt der Prozess gegen den Attentäter von Halle, der einen Anschlag auf eine Synagoge versuchte und zwei Menschen tötete. Die Anhörung des Polizeieinsatzleiters im Landtag offenbart, dass seinerzeit bei den Sicherheitskräften nicht alles glatt lief.

  • Tagung des Untersuchungsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt zum Terroranschlag in Halle. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Tagung des Untersuchungsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt zum Terroranschlag in Halle. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Leiter des Polizeieinsatzes bei dem rechtsextremen Anschlag in Halle hat erst spät von einem Schusswechsel zwischen dem Täter und Polizisten erfahren. Die Sicherheitskräfte vor Ort hätten auf die Frage, ob sie geschossen hätten, nicht geantwortet, sagte der Beamte der Polizeiinspektion Halle am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Landtages in Magdeburg. Er vermute, sie hätten so unter dem Eindruck des Einsatzgeschehens gestanden, dass sie die Frage nicht hörten.

Die Beamten hätten die Schüsse melden müssen. Stattdessen seien diese erst nach der Festnahme des Täters knapp zwei Stunden später bekannt geworden - auf den Einsatz habe das jedoch keine Auswirkungen gehabt. Auch dass andere Polizisten den Täter bei dessen Flucht über die Autobahn aus den Augen verloren hätten, sei bei ihm mit erheblicher Verzögerung angekommen, berichtete der Einsatzführer, der seit 35 Jahren bei der Polizei arbeitet. Es gebe keinen Einsatz ohne Fehler.

Am 9. Oktober hatte ein schwerbewaffneter Mann versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als er scheiterte, erschoss er in der Nähe eine 40 Jahre alte Frau und einen 20-Jährigen. Auf der Flucht verletzte der Täter ein Paar schwer, bevor er nahe Zeitz von zwei Polizisten festgenommen wurde. Der zum Tatzeitpunkt 27 Jahre alte Deutsche hat den Anschlag gestanden und rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt. Vom kommenden Dienstag an steht er in Magdeburg vor Gericht.

Das Ziel, den Täter zeitnah zu stellen und weitere Gefahr für die Bevölkerung abzuwenden, sei erreicht worden, führte der befragte Polizist vor den Parlamentariern aus. 90 Minuten nach dem ersten Notruf wurde der Attentäter nach einem Unfall gefasst. Dass Polizisten aus Zeitz den Mann so festnahmen, sei «hart erarbeitetes Glück» gewesen, sagte der damalige Einsatzleiter. «Wir hätten ihn kurze Zeit später auch so gehabt.»

Die Lage am Mittag des 9. Oktober 2019 war der Schilderung zufolge sehr unübersichtlich. So habe es kurz nach 12.00 Uhr eine Welle von Notrufen gegeben - gerade, als ein Schichtwechsel anstand. Viele davon hätten nicht entgegengenommen werden können. Laut dem Beamten kamen außerdem Hinweise auf viele weitere potenzielle Täter und Tatorte herein, die sich nicht bestätigt hätten.

Es habe rund 20 «Parallellagen» mit potenziellen Bedrohungen gegeben - vom Supermarkt bis zum Wohnhaus. Weil teilweise Unklarheiten mit Blick auf Ortsbezeichnungen bestanden hätten, habe er in alle Ortschaften Einsatzkräfte geschickt, berichtete der damalige Einsatzführer.

Von ursprünglich 26 zur Verfügung stehenden Einsatzfahrzeugen im Bereich sei rasch auf zusammen mehr als 1500 Polizeivollzugsbeamte aus diversen Bundesländern und von der Bundespolizei aufgestockt worden. Dass der Attentäter seine Tat live im Internet übertrug, habe er während des Einsatzes nicht gewusst, sagte der Einsatzleiter.

Die Bundesanwaltschaft Karlsruhe legt dem Mann zweifachen Mord, mehrfachen Mordversuch zum Nachteil von 68 Menschen sowie Volksverhetzung zur Last. Er habe aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus gehandelt. Angeklagt ist der Deutsche zudem wegen Volksverhetzung, Körperverletzung und räuberischer Erpressung.

Seit Februar befasst sich der Untersuchungsausschuss im Landtag mit dem Polizeieinsatz und möglichen Versäumnissen. Den Abgeordneten geht es auch um die Sicherheit der jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt. Die Polizei steht vor allem in der Kritik, weil sie im Oktober den Feiertag Jom Kippur nicht im Blick hatte und keine spezielle Bewachung jüdischer Einrichtungen plante.

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