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Mehr Sachsen-Anhalter gehen zum Psychotherapeuten

02.07.2020 - Angststörungen und Depressionen treiben immer mehr Menschen im Land zu Psychotherapeuten. Reformen haben dafür gesorgt, dass die Wartezeiten auf einen ersten Kontakt geschrumpft sind. Der Weg zur Therapie kann dennoch lang sein - was tun?

  • Ein Schild weist auf eine Praxis für Psychotherapie hin. Foto: Jens Wolf/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild weist auf eine Praxis für Psychotherapie hin. Foto: Jens Wolf/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Immer mehr Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter nehmen psychotherapeutische Hilfe in Anspruch - allerdings gibt es hierzulande vergleichsweise wenige Therapeuten. Zwischen den Jahren 2009 und 2018 sei die Zahl der Patienten von 32 700 auf 59 000 gestiegen und damit um gut 80 Prozent, teilte die Barmer am Donnerstag in Magdeburg mit. Die Zahlen basierten auf den Abrechnungsdaten der Barmer-Versicherten und seien standardisiert. Den Angaben zufolge sind 14 Prozent der im Land gesetzlich Versicherten über die Krankenkasse abgesichert.

Sachsen-Anhalt sei zu Wende-Zeiten von einem sehr niedrigen Niveau gestartet, zunehmend mehr Menschen gingen inzwischen zum Therapeuten, sagte der Präsident der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer, Gregor Peikert. Etwa 80 Prozent der Patientinnen und Patienten kämen mit Depressionen oder Angststörungen.

In Sachsen-Anhalt kommen laut der Barmer 22 Psychotherapeuten auf 100 000 Einwohner. Das sei der niedrigste Wert in ganz Deutschland, in dicht besiedelten Regionen wie Berlin oder Hamburg seien es zum Teil mehr als 70 Therapeuten je 100 000 Einwohner. Dennoch gibt es hierzulande eine wachsende Zahl von Psychotherapeuten, 2009 gab es den Angaben zufolge nur 14 dieser Experten. Der aktuellen Planung zufolge können in Sachsen-Anhalt ab Juli 67 zusätzliche Sitze für Therapeuten vergeben werden. Die regionale Verteilung sei sehr unterschiedlich.

Die Wartezeiten hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verkürzt, erklärte Peikert weiter. Ein großer Teil der Patienten erhalte binnen vier Wochen einen ersten Kontakt. Vor zehn Jahren habe die Wartezeit noch bei über 20 Wochen gelegen. Zur Entwicklung beigetragen habe die Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde mit einer Reform im Jahr 2017. Aus der Sprechstunde gingen die Patienten mit einer Diagnose und einer Beratung zum weiteren Vorgehen.

Der Weg bis zur tatsächlichen Therapie kann aber deutlich länger dauern. Die Barmer macht daher den Vorschlag, mehr Gruppentherapien anzubieten. Bislang würden 94 Prozent der Behandlungen als Einzeltherapie durchgeführt, sagte Barmer-Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann. Gruppentherapien, die hauptsächlich in Kliniken angeboten würden, könnten im ambulanten Bereich Wartezeiten verkürzen und zur weiteren Normalität beitragen, sagte Wiedemann.

Aus Sicht der Psychotherapeuten wäre das möglich, sagte Kammerpräsident Peikert. Man sei dabei, Praxen zu vernetzen, damit sie sich abstimmen könnten, wer welche Therapiegruppen anbieten könne. Es müsse eine gewisse Homogenität geben mit Blick auf die Probleme der Teilnehmenden und deren Motivation, mitzumachen. Peikert wies auch darauf hin, dass weniger als ein Viertel der niedergelassenen Therapeuten über die notwendige Gruppenzulassung verfüge.

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