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Prozessauftakt: Frau tötet Nachbarn und kassiert Rente

11.08.2019 - Vor drei Jahren wird ein Verbrechen publik, das den Harzort Rieder erschüttert. Eine Frau hat ihren Nachbarn getötet und dessen Rente eingeheimst. Jetzt beginnt der Prozess - und es könnte wichtig werden, wann die Tat begangen wurde.

  • Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: S. Puchner/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: S. Puchner/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Magdeburg (dpa/sa) - Es ist ein Fall, der bundesweit für Entsetzen sorgte: Vor dem Landgericht Magdeburg beginnt am Dienstag (9.00 Uhr) der Prozess gegen eine Frau aus dem Harz, die ihren Nachbarn getötet und über Jahre dessen Rente kassiert hat. Die Angeklagte hat die Tat gestanden. Wann genau sie den Senior aber mit Messer und Beil angriff, ist unklar.

Nach ihren Angaben ist das Gewaltverbrechen 24 Jahre her. Laut ihrer Aussage tötete sie den Mann bereits 1995 in dessen Haus im kleinen Harzort Rieder - aus Notwehr, weil er sie bedrängt haben soll. Sie hatte den Rentner laut Gericht versorgt und sich um ihn gekümmert.

Doch der genaue Tatzeitpunkt ist für die juristische Einordnung entscheidend. Die Anklage gegen die 62-jährige Deutsche lautet auf Totschlag, nicht auf Mord. Doch Totschlag wäre - ausgehend vom Tatzeitpunkt 1995 - nach 20 Jahren verjährt.

Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklageschrift aber davon aus, dass die Tat nach dem 20. Mai 2001 passierte, da war das Opfer 81 Jahre alt. Damals sollen ihn Verwandte noch gesehen haben. Die Frau ließ die Leiche auf dem Grundstück verschwinden. Im Jahr 2016 flog alles auf. Weiterhin wirft die Anklagebehörde der Frau vor, die Rente des Getöteten bis zur Entdeckung der Tat einkassiert zu haben.

Aufgeflogen waren Tötungsverbrechen und Rentenbetrug, weil sich Mitarbeiter der Krankenkasse gewundert hatten, dass für den 1920 geborenen Mann jahrelang keine Arztbesuche anfielen. Das Gericht hat zunächst sechs Verhandlungstage bis 6. September vorgesehen. Zwölf Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen.

Fälle wie diesen gibt es immer mal wieder. Gut ein Jahrzehnt blieb der Mord an einem Witwer in Berlin unentdeckt. Ein Mann hatte den Rentner erschossen, zerstückelt und in einer Kühltruhe versteckt. Zuvor hatte er sich dessen Vertrauen erschlichen - und dann zehn Jahre die Rente kassiert. Der Mörder wurde Mitte 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.

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