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Prüfung zu Polizei-Versäumnissen nach Tod eines Zweijährigen

14.07.2020 - Ein Zweijähriger ist offenbar schwer misshandelt worden und gestorben. In Untersuchungshaft sitzen die Mutter und ihr Lebensgefährte. Jetzt beschäftigt sich der Innenminister mit dem Vorfall.

  • Blick auf das Wohnhaus, in dem der Leichnam des Zweijährigen aufgefunden wurde. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf das Wohnhaus, in dem der Leichnam des Zweijährigen aufgefunden wurde. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nachdem ein misshandelter Zweijähriger in Querfurt (Saalekreis) gestorben ist, werden mögliche Versäumnisse der Polizei geprüft. Das sagte Innenminister Holger Stahlknecht am Dienstag in Magdeburg. Hintergrund seien Vorwürfe von Nachbarn. «Wir haben diese zum Anlass genommen, das eingehend zu prüfen», sagte der CDU-Politiker. «Sobald ein Ergebnis vorliegt, werden wir uns dazu verhalten.»

Die 36 Jahre alte Mutter des Kindes sowie deren 30-Jähriger Lebensgefährte sitzen seit Sonntag in Untersuchungshaft. Bislang haben sie sich nicht zu dem Geschehen geäußert, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Die Ermittlungen dauerten an. Der am Samstag in einer Wohnung aufgefundene Leichnam des Zweijährigen weist laut den Ermittlern massive Verletzungen und Spuren schweren sexuellen Missbrauchs auf.

Nachbarn der Familie hatten sich an den MDR Sachsen-Anhalt gewandt und schwere Vorwürfe gegen Polizei und Jugendamt erhoben. Die Behörden hätten Bescheid gewusst und es habe eine Vielzahl von Hilfeschreien gegeben, zitierte der Sender aus einer E-Mail.

Der Kinderschutzbund Sachsen-Anhalt bekräftigte mit Blick auf die Ereignisse in Querfurt seine Forderung, Jugendämter mit mehr Geld und Personal auszustatten. «Die Belastung für die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist enorm groß. Da muss was passieren, das ist schon dramatisch», sagte Andrea Wegner, Geschäftsführerin des Kinderschutz-Landesverbands Sachsen-Anhalt der Deutschen Presse-Agentur.

Wie das Statistische Landesamt am Dienstag mitteilte, ist im vergangenen Jahr mit 3549 Fällen des Verdachts einer Kindeswohlgefährdung der höchste Stand seit Einführung der entsprechenden Statistik registriert worden. Im Vergleich zum Vorjahr wurden fast 10 Prozent mehr Fälle gemeldet, wie das Landesamt am Dienstag in Halle mitteilte. Bei Einführung der Statistik im Jahr 2012 waren 2315 solcher Fälle gezählt worden.

Der Kinderschutzbund führt das auch auf mehr Zivilcourage zurück. «Wir sind sehr froh, dass viele Menschen Gefühle und Verhalten von Kindern bewusster wahrnehmen», so Wegner. Als positiv wertet der Kinderschutzbund auch, dass bei drei Viertel der gemeldeten Fälle vermutlich nichts passiert sei. Bei einem solch wichtigen Anliegen sei es besser einmal zu viel als einmal zu wenig Bescheid zu sagen.

Wegner sagte: «Wenn man Kinder über einen längeren Zeitraum kennt und sich deren Verhalten in einer kurzen Zeitspanne stark ändert, es beispielsweise plötzlich stiller und schlechter gelaunt oder auf einmal total aufgekratzt ist, kann das ein Indiz für Misshandlung sein.» Im Zweifel könne auch ein Gespräch mit den Eltern sinnvoll sein. Wegner betonte aber auch: «Es kann für jeden Fall auch immer eine harmlose Erklärung wie ein gestorbenes Haustier geben».

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