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Ramelow: Ost-Quote für Spitzenpositionen ist keine Lösung

28.04.2019 - Ostdeutsche sind auch 30 Jahre nach dem Mauerfall in Spitzenpositionen von Wirtschaft, Politik und Verwaltung unterrepräsentiert. Könnte eine Ost-Quote helfen? Thüringens Regierungschef ist skeptisch.

  • Bodo Ramelow (Linke), Ministerpräsident von Thüringen. Foto: Michael Reichel/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bodo Ramelow (Linke), Ministerpräsident von Thüringen. Foto: Michael Reichel/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt (dpa) - Eine Ost-Quote ist nach Meinung von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nicht der Weg, um das Defizit an Ostdeutschen in Spitzenpositionen von Wirtschaft, Politik und Verwaltung auszugleichen. Vielmehr müsste es darum gehen, geeigneten Bewerbern aus den ostdeutschen Bundesländern bei der Besetzung von Top-Positionen tatsächlich eine Chance zu geben. «Die Mehrheit der Entscheider denkt nach wie vor westdeutsch», sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. «Das muss sich ändern.»

Nach einer Studie des Instituts für Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Berliner Humboldt-Universität sind 48 Prozent der Ostdeutschen für eine solche Quote. Ebenso viele sind dagegen. In Westdeutschland konnten sich demnach nur 24 Prozent der Befragten mit einer Ost-Quote anfreunden.

Befürworter hoffen, dass Ostdeutsche durch eine Quote entsprechend ihres Bevölkerungsanteils in wichtige Positionen gebracht werden können. Eine Studie der Universität Leipzig kam 2016 zu dem Ergebnis, dass Menschen mit Ost-Hintergrund lediglich 1,7 Prozent der Führungspositionen in Deutschland besetzen - bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 17 Prozent.

Eine Ost-Quote sei ihm auch zu pauschal, sagte Ramelow. «Was ist damit eigentlich gemeint? Der Geburtsort? Und wie bin ich da einzuordnen?» Der 63-Jährige wurde in Niedersachsen geboren, lebt und arbeitet aber seit der Wiedervereinigung und damit etwa die Hälfte seines Lebens in Thüringen. Letztlich sollte es bei der Besetzung wichtiger Positionen auch um Menschen gehen, «die den Osten verstehen - unabhängig von ihrem Geburtsort.»

30 Jahre nach dem Mauerfall warnte Ramelow vor einseitigen Ost/West-Sichtweisen. «Man muss auch Vielfalt akzeptieren», sagte er. Es habe schon immer regionale Unterschiede in Deutschland gegeben. «Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland haben an manchen Stellen auch spannende Züge.» Das gelte beispielsweise für die Modernität an vielen Stellen in Ostdeutschland, nicht nur bei neu angesiedelten Betrieben. «Es gibt aber auch unangenehme Züge, wenn Menschen, die 30 Jahre die Transformation erlebt haben, in die Altersarmut fallen.»

Auch deshalb pochten die ostdeutschen Regierungschefs auf die Herstellung gleicher Lebensbedingungen. «Die Zeiten, dass man durch Wehklagen Solidarität gewinnt, sind vorbei», sagte Ramelow. «Man muss heute sagen, wir haben einen Anspruch.»

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