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Staatsanwaltschaft fordert im Köthen-Prozess Jugendstrafen

07.05.2019 - Der Tod eines 22-Jährigen nach einer Auseinandersetzung schlug in Köthen hohe Wellen. Der Prozess am Landgericht Dessau-Roßlau hingegen verläuft in ruhigen Bahnen. Jetzt stehen die ersten Strafanträge.

  • Justitia-Figur auf dem Gerechtigkeitsbrunnnen auf dem Römerberg. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Justitia-Figur auf dem Gerechtigkeitsbrunnnen auf dem Römerberg. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dessau-Roßlau (dpa/sa) - Im Prozess um den Tod eines 22-jährigen Mannes aus Köthen ist die Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge abgerückt. Oberstaatsanwalt Hermann-Josef Gerhards forderte am Dienstag am Landgericht Dessau-Roßlau eine Verurteilung der beiden jungen afghanischen Angeklagten zu Jugendstrafen wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung. Er halte für den inzwischen 19 Jahre alten Angeklagten eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten für angemessen. Für den 17-Jährigen forderte er ein Jahr und fünf Monate. Der Ältere solle wegen seiner Alkoholabhängigkeit im Maßregelvollzug untergebracht werden. Die beiden Angeklagten verfolgten den Prozess aufmerksam, zeigten aber weitgehend keine Emotionen.

Es sei davon auszugehen, dass einer der Angeklagten den 22-Jährigen geschlagen und der andere den am Boden Liegenden getreten habe. Dass der 22-Jährige bei dem Geschehen starb, rechnete die Staatsanwaltschaft den beiden Angeklagten nicht mehr zu. Sie hätten der üblichen Lebenserfahrung nach nicht mit dem Tod des Mannes rechnen können, sagte der Oberstaatsanwalt. Das 22-jährige Opfer, das sich auf die Straße begab, um zu schlichten, hatte den Sachverständigen zufolge einen Herzinfarkt aufgrund einer Vorschädigung erlitten. Die Angeklagten bestreiten die Attacke.

Zum Tatzeitpunkt am 8. September waren die beiden Angeklagten 17 und 18 Jahre alt. Sie hatten Alkohol getrunken und waren mit einem Landsmann in einen handfesten Streit über eine Vaterschaft geraten, wie im seit Februar geführten Prozess deutlich wurde. Der 22-Jährige soll hinzugekommen sein. Zeugen berichteten vor Gericht von unterschiedlichen Hergängen, von Schubsen über Schläge bis zu Tritten unterschiedlicher Art und Intensität. Wenig später war der 22-Jährige tot.

Der Tod des 22-Jährigen in Zusammenhang mit den afghanischen Tatverdächtigen hatte in der Kleinstadt Köthen rechtsgerichtete Demonstrationen und Gegenproteste ausgelöst.

Rechtsmedizinische Untersuchungen haben einen Herzinfarkt als Todesursache ergeben, zudem wurde eine Schürfwunde am Hinterkopf festgestellt, die vom Sturz herrühren soll. An der Lippe hatte der 22-Jährige eine Wunde, die von einem Schlag herrühren könnte. Hinweise auf starke Tritte wie etwa Schuhabdrücke oder starke Verletzungen seien bei der Obduktion nicht gefunden worden.

Zum Beginn seines Plädoyers bekundete Oberstaatsanwalt Gerhards der Familie des gestorbenen 22-Jährigen seinen Respekt. Auch wenn die Geschehnisse in Köthen für große Emotionen und auch Demonstrationen gesorgt hätten, seien die Angehörigen dem Prozess sachlich und korrekt gefolgt. Zwei Brüder, zwei Schwestern und die Mutter des 22-Jährigen sind im Prozess als Nebenkläger dabei. Gerhards hob hervor, dass auch die Medien sachlich berichtet hätten.

Am Dienstag plädierten auch die drei Nebenklagevertreter. Sie machten deutlich, dass sie keine Zweifel am Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge haben. Es liege innerhalb der Lebenswahrscheinlichkeit, dass auch junge Menschen an einem Herzinfarkt versterben. Ohne die Attacke wäre der Köthener noch am Leben. Ohne eine konkrete Höhe des Strafmaßes zu fordern, beantragten die Nebenklagevertreter mehrjährige Strafen, die auch eine Genugtuung für die Familie darstellten. Für den älteren Angeklagten sei eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht angemessen.

Der Prozess wird am 14. Mai (09.00 Uhr) mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Das Urteil soll laut der Vorsitzenden Richterin Uda Schmidt am 17. Mai (11.00 Uhr) gesprochen werden.

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