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Steinmeier besucht Gedenkstätte Gardelegen

15.09.2020 - Der Bundespräsident hat in Gardelegen das neue Dokumentations- und Besucherzentrum der Gedenkstätte Isenschnibbe eröffnet - aus gutem Grund. Dabei hat Frank-Walter Steinmeier eine klare Botschaft.

  • Bundespräsident Steinmeier spricht bei der Eröffnung des Dokumentationszentrums in Gardelegen. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bundespräsident Steinmeier spricht bei der Eröffnung des Dokumentationszentrums in Gardelegen. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat davor gewarnt, einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der NS-Geschichte zu ziehen und in alte Verdrängung zurückzufallen. «Nicht die Erinnerung an die Vergangenheit ist eine Last. Zur Last wird sie, wenn wir sie leugnen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Orte wie diesen haben, Orte des Erinnerns», sagte Steinmeier am Dienstag in der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen.

Dort wurde ein neues Dokumentations- und Besucherzentrum eröffnet. An der Feierstunde in kleinem Kreis nahmen Hinterbliebene der Opfer, Vertreter des Diplomatischen Korps sowie Landes- und lokale Politiker teil. Die Gedenkstätte erinnert an ein Massaker an KZ-Häftlingen am 13. April 1945. Die Menschen, die aus verschiedenen geräumten Konzentrationslagern auf Todesmärsche geschickt worden waren, wurden in die Scheune getrieben und diese dann angezündet. Es fielen Schüsse und es wurden Handgranaten gezündet; 1016 Menschen starben.

Es war eine der letzten Gräueltaten der Nazis. Beteiligt waren nicht nur Angehörige von SS und Wehrmacht, sondern auch des örtlichen Volkssturms, also ältere und jugendliche Männer aus der Umgebung.

«Gardelegen steht für viele kleine Städte in Deutschland, in denen Verbrechen geschehen sind», sagte der Bundespräsident. «Es steht für die Verbrechen, die Deutsche in den letzten Wochen und Tagen des Krieges, der längst verloren war, begangen haben. Sie mordeten bis zur letzten Minute - überall in Deutschland, mitten in Deutschland.» Die Deutschen seien zutiefst dankbar für die Hand der Versöhnung, die ihnen später von den Nachbarn, aber auch von den Nachfahren der Opfer gereicht wurde. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, und wir wollen ihr gerecht werden!», unterstrich Steinmeier.

«Wir leben in einer Zeit, in der unsere Demokratie, in der unser Rechtsstaat nicht unangefochten ist. In der autoritäres, sogar völkisches Denken neue Verführungskraft entwickelt, in der neue Verschwörungsmythen gedeihen, in der die Taten von Hanau und Halle, in der die NSU-Morde und andere rechtsextremistische Anschläge möglich waren.» Weiter betonte das Staatsoberhaupt: «Unsere Verantwortung heute, unsere Verantwortung ist es, jede Form von Antisemismus, Rassenhass bekämpfen, einzutreten für die Demokratie und die Würde einen jeden Einzelnen.»

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bezeichnete das Gedenken als «letzten Tribut, den man den Opfern und Hinterbliebenen zollen kann». Erinnerung schütze vor Wiederholungen. «Wohin Hass, Intoleranz und Rassismus führen, hat uns die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands gezeigt. Dieser Geschichte müssen wir uns stellen», sagte Haseloff. «Nur aus der Geschichte können wir lernen.»

Steinmeier betonte, es sei wichtig, Wissen kreativ zu vermitteln, neue historisch fundierte und emotional berührende Formen der Vermittlung zu finden. Neue Technologien eröffneten da neue Wege, wie in Gardelegen. «Wenn ich mir als Bundespräsident heute noch etwas wünschen darf, dann das: Dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler mindestens einmal in ihrer Schulzeit eine Gedenkstätte wie die Ihre besuchen, damit sie [...] wissen, was geschehen ist.»

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