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Vier Jahre Jugendstrafe für lebensgefährliche Tritte

05.03.2020 - Ein Mann spricht Jugendliche an, die in einer Magdeburger Straßenbahn randalieren und Krach machen. Sie greifen ihn an und fügen ihm massive Verletzungen zu. Jetzt ist das Urteil gegen die Täter gefallen.

  • Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erst randalierten sie in einer Straßenbahn, dann traten sie einen einschreitenden 22-Jährigen an einer Haltestelle fast tot: Das Landgericht Magdeburg hat am Donnerstag zwei schon vorbestrafte, junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung zu Jugendstrafen von vier Jahren verurteilt. Der Jüngere soll wegen Drogen- und Alkoholkonsums in eine Entziehungsanstalt, der zweite Täter lehnt eine Therapie ab.

In das Urteil flossen vorherige Strafen ein, beide Angeklagte hatten immer wieder Gewaltdelikte begangen. Zur Tatzeit standen die 17- und 18-Jährigen unter Bewährung. Die jungenhaft wirkenden Angeklagten nahmen das Urteil ohne große Regungen entgegen. Es ist nicht rechtskräftig, das Rechtsmittel der Revision ist möglich.

«Die Tat war brutal und sinnlos und durch nichts zu rechtfertigen», fasste die Vorsitzende Richterin am Donnerstag zu Beginn der Urteilsbegründung zusammen. Das Opfer habe Glück im Unglück gehabt. Die damals 17 und 18 Jahre alten Deutschen hatten am 10. August 2019 mit Bekannten in einer Straßenbahn in der Nähe des Magdeburger Hauptbahnhofs Krach gemacht, Sitze aus der Verankerung gerissen. Der 22-Jährige sprach sie an, es soll der Satz gefallen sein: «Ihr benehmt euch wie Assis».

Nach einem Wortwechsel schlugen die Angeklagten ihr Opfer zunächst, der Mann ging zu Boden, sie traten auf ihn ein - das alles ergab sich laut der Vorsitzenden Richterin aus Zeugenaussagen. Der 22-Jährige erlitt unter anderem diverse Brüche am Kopf, die potenziell, aber nicht akut lebensgefährlich gewesen seien. Der Mann kann sich laut der Vorsitzenden Richterin nicht an die Tat erinnern.

Aufgrund der massiven Verletzungen habe er eineinhalb Monate lang keine feste Nahrung zu sich nehmen können. Bis heute sei er wegen der Folgen der Tat in zahnärztlicher Behandlung. Der Mann war in dem nicht öffentlich verhandelten Prozess als Nebenkläger aufgetreten. Bei der Urteilsverkündung war er nicht dabei.

Mit ihrem Urteil folgte das Gericht nicht der Staatsanwaltschaft, die die beiden Männer wegen versuchten Totschlags angeklagt hatte. Als Grund nannte die Vorsitzende Richterin, es habe sich um ein brutale, massive Gewalt gehandelt, der Zustand des Opfers sei aber nicht akut lebensbedrohlich gewesen. Der Mann sei ohne Operation einen Tag nach der Tat aus dem Krankenhaus entlassen worden, er sei auch nicht bewusstlos gewesen. Sie hätten mit weichen Turnschuhen auf ihr Opfer eingetreten.

Die Angeklagten hätten die Tat auch nicht geplant, die Stimmung sei emotional aufgeladen und durch Alkohol enthemmt gewesen. Beide hätten von ihrem Opfer abgelassen, als ein Zeuge einschritt. Sie hätten den Weg freigemacht, so dass der schwer verletzte 22-Jährige in die Straßenbahn einsteigen konnte.

Das Jugendstrafrecht kann für Täter bis zu 21 Jahren angewendet werden. Es ist milder als das Erwachsenenstrafrecht und berücksichtigt zum Beispiel Entwicklungsdefizite und stellt den Erziehungseffekt während der Haft in den Vordergrund.

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