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Weniger Zwangsversteigerungen, höhere Preise

01.05.2019 - Noch vor zehn Jahren galten Zwangsversteigerungen als Schnäppchenmarkt für findige Immobilienkäufer. Doch das sogenannte «Betongold» erfreut sich zunehmender Beliebtheit - und kommt teils erst gar nicht mehr unter den Hammer.

  • Ein Auktionator hält in einem Auktionshaus während einer Versteigerung einen Hammer in der Hand. Foto: Daniel Naupold/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Auktionator hält in einem Auktionshaus während einer Versteigerung einen Hammer in der Hand. Foto: Daniel Naupold/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt werden immer weniger Immobilien zwangsversteigert, oft aber für deutlich mehr Geld als früher. Nach Angaben des Justizministeriums gingen vergangenes Jahr 1177 Anträge auf Zwangsversteigerung ein, 2008 waren es noch 3430 - mehr als doppelt so viele. Grund sind laut den Amtsgerichten die steigenden Immobilienpreise. Aufgrund der großen Nachfrage werden viele Grundstücke auf dem freien Markt verkauft, anstatt versteigert zu werden. Sowohl Privatleute als auch Unternehmen legten ihr Kapital zunehmend in Häusern und Wohnungen an.

In den letzten vier Jahren habe es eine deutliche Preissteigerung bei Grundstücken, Häusern und Wohnungen gegeben, sagte Annett Neubauer, Rechtspflegerin am Amtsgericht Halle. Ist eine Immobilie in einem einigermaßen akzeptablem Zustand, werde sie heute immer oberhalb des Verkehrswerts versteigert, so die Rechtspflegerin. Auch wenn der Zustand schlecht sei, könne das über eine gute Lage ausgeglichen werden. «Objekte, die ich vor fünf Jahren gar nicht losgeworden bin, gehen heute gleich beim ersten Termin weg.»

Dass die Auktionen immer beliebter werden, zeigt sich in Halle auch am Zulauf vor Ort: Für Versteigerungen müsse mittlerweile immer der größte zur Verfügung stehende Saal herhalten, sagte Neubauer. «Sonst bekommen wir nicht alle unter.» Laut der Rechtspflegerin werden Immobilien in rund 70 Prozent der Fälle wegen Überschuldung der Eigentümer versteigert. In etwa 30 Prozent der Fälle sei die Auflösung einer Eigentümergemeinschaft der Grund.

Aber auch in kleineren Städten ist der allgemeine Immobilien-Boom spürbar. Laut Rechtspfleger Andreas Gaschler sind die Preise in Wernigerode in den letzten zehn Jahren massiv gestiegen. Die gute wirtschaftliche Lage der Stadt im Harz sorge dafür, dass attraktive Häuser teilweise zum doppelten Verkehrswert veräußert werden - wenn es überhaupt zu einer Versteigerung kommt. So zahlten Banken Schuldnern teilweise Handgeld, damit sie ihre Grundstücke auf dem freien Markt verkaufen. Von einem Schnäppchenmarkt könne man nicht mehr sprechen, sagte Gaschler.

Im etwa 20 Kilometer entfernten Halberstadt ist die Situation laut der zuständigen Rechtspflegerin anders. Zwar sei auch hier die Zahl der Zwangsversteigerungen stark rückläufig, die Objekte würden jedoch meist unter dem Verkehrswert verkauft. Einen Immobilien-Hype wie andernorts gebe es in der Kreisstadt nicht. «Man kann Halberstadt nicht mit Wernigerode oder Halle vergleichen», sagte die Rechtspflegerin, die ihren Namen nicht nennen wollte.

Dass die Lage der Grundstücke entscheidend ist, bestätigt auch Dietlind Kreutz, Rechtspflegerin am Amtsgericht Gardelegen. So gingen Grundstücke, die näher am rund 50 Kilometer entfernten Wolfsburg liegen, für gute Preise weg. Häuser, die an den dünn besiedelten Norden Sachsen-Anhalts grenzen, seien deutlich schwieriger zu verkaufen, sagte Kreutz. Sehr beliebt sind laut der Rechtspflegerin Ackerflächen. «Die gehen weg wie warme Semmeln.»

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