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«Entjudungsinstitut»: Gedenken an Teil der Kirchengeschichte

23.04.2019 - Aus kirchlichen Texten entfernten Mitarbeiter des «Entjudungsinstituts» alles Jüdische. 1939 hatten mehrere evangelische Kirchen die Einrichtung in Eisenach gegründet. Nun soll etwa eine Ausstellung den düsteren Teil der Kirchengeschichte beleuchten.

  • Christopher Spehr (l-r), Ilse Junkermann und Jochen Birkenmeier zeigen am Rande einer Pressekonferenz einen Flyer. Foto: Michael Reichel © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Christopher Spehr (l-r), Ilse Junkermann und Jochen Birkenmeier zeigen am Rande einer Pressekonferenz einen Flyer. Foto: Michael Reichel © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt (dpa/th) - Mit einer Installation und einer Sonderausstellung soll in Eisenach an ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte erinnert werden. 80 Jahre nach dem mehrere evangelische Landeskirchen auf der Wartburg das «Entjudungsinstitut» gegründet hatten, will die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) die Wirkung und Geschichte der antisemitischen Einrichtung aus der Zeit des Nationalsozialismus verstärkt aufarbeiten.

Elf Landeskirchen gründeten 1939 das «Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben». Es war auch innerhalb der evangelischen Kirche umstritten. Die Institutsmitarbeiter sollten nationalsozialistische Ideologien auf die Kirche und ihre Schriften übertragen. Verweise auf die Beschneidung Jesu', auf jüdische Ortsnamen und vieles mehr tilgten die Mitarbeiter aus kirchlichen Texten.

In Liedtexten für Gesangsbücher arbeiteten sie Zeilen mit klaren Bezug zu nationalsozialistischen Ideologie ein. Die Arbeit kam zum Erliegen, als Mitarbeiter für den Krieg eingezogen wurden. Nach Kriegsende erhielten die Mitarbeiter Positionen in Wissenschaft und Kirche. Die geschichtliche Aufarbeitung begann erst nach 1990.

«Uns ist es sehr wichtig, an die Geschichte des sogenannten Entjudungsinstituts zu erinnern», sagte EKM-Landesbischöfin Ilse Junkermann am Dienstag in Erfurt. Angesicht zunehmenden Antisemitismus' sehe die EKM eine große Geschichtsvergessenheit, so Junkermann. Dieser wolle die Kirche entgegentreten.

Dazu soll am 6. Mai in Eisenach eine Gedenkinstallation nahe dem Haus enthüllt werden. Diese diene als Schuldbekenntnis und zur mahnenden Erinnerung an die Verantwortung der Nachfolger der Kirchen damals, hieß es in einer Mitteilung der EKM.

In einer wissenschaftlichen Tagung im Herbst auf der Wartburg sollen zudem bisherige Forschungserkenntnisse zusammengetragen werden. Das Entjudungsinstitut sei ein extremes Beispiel für «deutsch-christlich» verantworteten Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus', sagte Christopher Spehr. Als Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte der Friedrich-Schiller-Universität in Jena ist er maßgeblich an der wissenschaftlichen Aufarbeitung beteiligt.

Passend zur Tagung wird im September dann im Eisenacher Lutherhaus die Sonderausstellung «Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche "Entjudungsinstitut" 1939-1945» eröffnet, für die unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Schirmherrschaft übernimmt.

Das Institut werde bereits in einem Teil der Dauerausstellung behandelt, sagte der wissenschaftliche Leiter des Lutherhauses, Jochen Birkenmeier. Mit der Sonderausstellung könne das Thema nun umfassender angegangen werden. Ebenfalls in Eisenach beginnen dann am 19. September die jüdisch geprägten Achava-Festspiele Thüringen mit einem Konzert.

«Die Auseinandersetzung mit innerkirchlichem Antisemitismus vor und während des Nationalsozialismus sei auch heute noch ein wichtiges Aufgabenfeld», sagte Thüringens Antisemitismusbeauftragter und Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke). «Anhand des sogenannten Entjudungsinstituts können entsprechende Argumentationsmuster, die auch heute noch im gesellschaftlichen Diskurs Verwendung finden, identifiziert und dekonstruiert werden.»

Die EKM hat nach eigenen Angaben rund 712 000 Mitglieder. Ihr Gebiet umfasst im Wesentlichen die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen - auch Teile Brandenburgs und Sachsens gehören dazu.

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