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«Kein normales Schuljahr» Schrittweise Öffnung von Schulen

16.02.2021 - Seit Wochen sind Schulen und Kindergärten geschlossen - auch, weil das Corona-Infektionsgeschehen in Thüringen bundesweit am stärksten ist. Nun sollen Bildungseinrichtungen wieder öffnen - Schritt für Schritt.

  • Ein Bild im Eingang eines Kindergartens heißt die Kinder willkommen. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Bild im Eingang eines Kindergartens heißt die Kinder willkommen. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ab März sind es noch 52 Tage bis zur ersten Abi-Prüfung und nur 19 Wochen bis zum Ende des Schuljahres: Nach wochenlangen Schließungen sollen in Thüringen ab kommenden Montag nach und nach Schulen wieder öffnen - wenn auch mit Einschränkungen. «Alle Schülerinnen und Schüler brauchen den Weg zurück in die Schulen, brauchen die Lehrerinnen und Lehrer, brauchen den Kontakt untereinander, das Miteinander und den Spaß und die Freude - trotz aller Beschränkungen, die es weiterhin geben muss», sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag nach Beratungen des Kabinetts über eine neue Corona-Verordnung. «Wir haben kein normales Schuljahr.»

Die neue Verordnung sieht unter anderem vor, dass ab Montag die Grundschulen in den eingeschränkten Regelbetrieb starten, eine Woche später dann sollen die fünften und sechsten und - wenn es das Infektionsgeschehen zulässt - auch höhere Klassen folgen.

Eine harte Zeit seien die gut 32 Schultage im Lockdown gewesen, sagte Holter. Nun müsse der Lernstand der Schüler erfasst werden. «Das muss vor Ort geschehen», sagte der Minister. Lehrer müssten auf den einzelnen Schüler individuell reagieren - auch wenn dies eine zusätzliche und große Herausforderung für die Lehrkräfte sei. Mit Blick auf die Sommerferien arbeite man bereits an «bildungsunterstützenden Angeboten», sagte Holter, ohne Details zu nennen.

Schulen und Kindergärten sind in Thüringen seit dem 21. Dezember für die meisten Kinder und Jugendlichen geschlossen. Zuletzt durften aber schon Schüler der Abschlussklassen in die Schulen. Auch waren diesmal die Regeln für die Notbetreuung nicht so streng wie im ersten Lockdown im März 2020, sodass der Anteil der Kinder in der Notbetreuung teils bei mehr als 40 Prozent lag. Nun soll schrittweise die Rückkehr zum Regelbetrieb der Schulen gelingen. Ein Überblick:

GRUNDSCHULEN

Sie sind die ersten, die ab kommenden Montag wieder öffnen - im eingeschränkten Regelbetrieb (Stufe gelb). Die Notbetreuung entfällt. Kinder im Primarbereich der Schulen (Klasse eins bis vier) sollen in festen Gruppen betreut und unterrichtet werden. «Alle Kinder gehen jeden Tag wieder zur Schule», sagte Holter. Allerdings bestehe dazu keine Pflicht. Eltern könnten selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht.

KITAS

Analog zu den Grundschulen machen auch die Kindergärten in Thüringen wieder auf - und zwar unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz in den einzelnen Regionen. Die Notbetreuung entfällt auch hier.

WEITERFÜHRENDE SCHULEN

Ab 1. März können die fünften und sechsten Klasse wieder in den Schulen lernen. Hier ist es laut Holter möglich, dass in festen Gruppen unterrichtet wird oder aber Wechselunterricht eingeführt wird, um in den Räumen größeren Abstand zwischen den Schülern zu ermöglichen. Entscheiden sollen das die Schulleiter.

Schüler ab den siebten Klassen sollen ebenfalls ab 1. März in die Schulen zurückkehren können. Bedingung dafür ist aber, dass es weniger als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tage in der jeweiligen Region gab. Auch hier sei Unterricht in festen Gruppen oder mit mehr Abstand im Wechselbetrieb möglich.

PERSPEKTIVE

Laut Holter soll es bei dem Ziel bleiben, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz auf unter 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche zu drücken. Erst wenn dies «stabil» erreicht sei, könnten Schulen im Land auf Stufe «grün» und damit in den normalen Regelbetrieb wechseln. Strenge Infektionsschutzmaßnahmen seien freilich auch dann noch nötig, betonte Holter.

IMPFUNGEN

Der Bildungsminister sprach sich erneut dafür aus, dass Lehrer früher geimpft werden als bisher angepeilt. Vergangene Woche hatten sich die Regierungschefinnen und Regierungschefs von Bund und Ländern darauf verständigt, dass geprüft werden soll, ob Lehrer in der Impfverordnung in eine höhere Kategorie rutschen können. Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus.

TESTS

Holter appellierte wiederholt an Lehrer und Schüler, sich regelmäßig auf eine Corona-Infektion testen zu lassen. Bisher bezahlt das Land diese Tests für die Beschäftigten an den Schulen und für jene Schüler, die bislang trotz Lockdown an den Schulen lernen durften - zum Beispiel Abschlusskandidaten oder Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf. Holter machte klar, dass eine Ausweitung dieses Testsystems teuer sein würde. Bisher habe man zwölf Millionen Euro für solche Tests eingestellt. «Wenn das Testsystem ausgedehnt werden soll, brauchen wir finanzielle Verstärkung, die aber deutlich über zwölf Millionen hinausgeht.»

Bisher ist noch unklar, ob alle künftig regelmäßig getestet werden. «Bei 245 000 Schülerinnen und Schülern und 44 000 Beschäftigten oder auch bei rund 20 000 Lehrerinnen und Lehrern kommt man auf eine richtig große Summe», sagte Holter. Er rechne damit, dass mindestens noch einmal 40 Millionen Euro, «wenn nicht sogar noch mehr», nötig seien, um das Testsystem auf alle auszuweiten.

KRITIK

Der Thüringer Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert vor allem, dass an Grundschulen und in Kitas nur feste Gruppen vorgeschrieben werden sollen - aber kein Wechselmodell. «Kindergärten und Grundschulen öffnen nun in voller Besetzung, ohne dass die Voraussetzungen für sichere Arbeit vollumfänglich geschaffen wurden», erklärte Thüringens GEW-Vorsitzende Kathrin Vitzthum. Auch angesichts der Virusmutationen halte man die Entscheidung des Kabinetts für fahrlässig.

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