Ärztekammer will weg von Priorisierung bei Corona-Impfungen

15.04.2021 Die Landesärztekammer plädiert bei der Corona-Impfkampagne für eine Abkehr von der starren Impfreihenfolge. «Solange der Impfstoff extrem knapp war, war die Priorisierung beim Impfen und deren strikte Einhaltung absolut richtig und notwendig», erklärte Kammerpräsidentin Ellen Lundershausen am Donnerstag. Nachdem die besonders schützenswerten Gruppen aber nun weitgehend geimpft seien, gehe es um mehr Tempo beim Impfen. «Und wir brauchen damit verbunden mehr Flexibilität, damit am Ende nicht noch Impfstoffe verfallen, weil gerade niemand von der vorgeschriebenen Gruppe verfügbar war.»

Hinweisschild zu einem Impfzentrum. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts der Infektionslage sei ein Punkt erreicht, «an dem jeder Geimpfte zählt und wir an diesem Ziel unser Handeln ausrichten müssen», erklärte Lundershausen. In Thüringen waren von Mittwoch zu Donnerstag fast 1200 neue Corona-Infizierte registriert worden. Der Sieben-Tage-Wert im Freistaat stieg auf 259,2 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Thüringen ist weiterhin das am stärksten betroffene Bundesland in Deutschland - vor Sachsen, wo die Inzidenz am Donnerstag bei 235,3 lag.

Auch in der Landespolitik wird die vollständige Aufhebung der Impfreihenfolge diskutiert. Forderungen danach kamen von den Landtagsfraktionen der Grünen und der CDU. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte allerdings darauf verwiesen, dass die verfügbaren Impfstoffvorräte dafür bislang nicht ausreichten.

In Thüringen werden derzeit hauptsächlich Menschen aus den Prioritätsgruppen eins und zwei geimpft. Dazu zählen unter anderem Menschen über 70 Jahre und mit bestimmten Vorerkrankungen sowie inzwischen alle Lehrer und das Personal in Kindergärten. In einigen Landkreisen mit besonders hoher Inzidenz werden auch schon Menschen der Priorisierungsgruppe drei geimpft.

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