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Corona in Thüringen: Gemeinde und Krisenstab in Quarantäne

23.03.2020 - In Thüringen steigen die Fallzahlen von Infektionen mit dem Coronavirus. Auch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nehmen zu. In Südthüringen wurden für eine kleine Gemeinde besonders starke Beschränkungen erlassen.

  • Thomas Nitzsche (FDP), Oberbürgermeister von Jena. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thomas Nitzsche (FDP), Oberbürgermeister von Jena. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus steht nun in Thüringen eine Gemeinde im Ilm-Kreis mit mehreren Hundert Einwohnern unter Quarantäne. Zudem wurde nach einem positiven Befund bei einem Mitglied der Krisenstab Jenas abgeschottet, davon ist auch der Oberbürgermeister betroffen.

Die Gemeinde Neustadt am Rennsteig ist nach Angaben des zuständigen Landratsamts seit Sonntagabend unter Quarantäne und ist fast vollständig von der Außenwelt abgeschottet. Vorerst bis einschließlich 5. April darf nun niemand mehr den Ortsteil der Landgemeinde Stadt Großbreitenbach verlassen, wie die Sprecherin der Kreisverwaltung, Doreen Huth, am Montag sagte. Auch betreten werden dürfe der etwa 900 Bewohner zählende Ort nur noch in Ausnahmefällen und unter strengen hygienischen Sicherheitsvorkehrungen.

Man habe sich zu dem Schritt entschieden, weil sechs der am Montagmittag bekannten elf Fälle im Kreis von bestätigten Infektionen aus dem Bereich Neustadt stammten, sagte Huth. «Dort hängen viele Kontaktpersonen daran.» Allein bis Sonntagabend hatte das Gesundheitsamt 69 Kontaktpersonen ausgemacht. Die Bewohner seien am Sonntagabend via Lautsprecher über die Allgemeinverfügung informiert worden.

Nun unterstützte die Feuerwehr die Polizei dabei, die Ortszugänge abzuriegeln. Schranken seien errichtet, auch die Durchfahrt sei nicht mehr möglich. Die Versorgung der Bewohner werde über einen Lebensmittelladen in dem Ort sichergestellt. Auch Kunden von Lieferdiensten für Essen auf Rädern sollen weiterversorgt werden. «Die Essen werden an einer Barrikade am Ortseingang abgegeben und dann weiterverteilt», so Huth.

Mitarbeiter von Pflegediensten und im Notfall Rettungshelfer und Ärzte dürften in die Gemeinde. Allerdings gelten strenge Hygieneregelungen. «Sie dürfen nur noch unter Vollschutz rein und raus», erklärte Huth. Auch die Müllabfuhr komme, Bewohner sollten jedoch die Tonnen rechtzeitig vor die Tür stellen und keinen Kontakt zu den Mitarbeitern suchen.

Auch der Besuch des Lebensmittelladens sei stark beschränkt. Nur noch eine gewisse Anzahl an Kunden dürfe das Geschäft gleichzeitig betreten, Plexiglasvorrichtungen sollen Kassiererinnen schützen. «Bewohner dürfen wirklich nur noch für das Allernötigste ihr Zuhause verlassen», betonte Huth. Auch Spaziergänge seien nicht mehr erlaubt.

Unklar sei noch, wie die Versorgung mit Medikamenten geregelt werde. Auch müsse der Krisenstab noch eine Lösung für Patienten finden, die den Ort für Dialyse-Behandlungen eigentlich verlassen müssen. Zudem brauche es noch Klarheit über die Betreuung von 13 Kindern, die in einem Heim in Neustadt lebten, sagte Huth. Zwei der Infizierten aus Neustadt mussten inzwischen in Krankenhäuser außerhalb gebracht werden, da sich ihr Zustand stark verschlechtert habe.

In Jena, Thüringens zweitgrößter Stadt, wurde derweil der Krisenstab zu Corona unter Quarantäne gestellt - inklusive des Oberbürgermeisters Thomas Nitzsche (FDP), wie Stadtsprecher Kristian Philler am Montag sagte.

Das betroffene Krisenstabsmitglied habe keine Symptome gezeigt, sei aber bei einem Routinetest positiv auf Sars-Cov-2 getestet worden, hieß es. Der Test davor sei noch negativ ausgefallen. Alle anderen Stabsmitglieder seien daraufhin umgehend ebenfalls einem Test unterzogen worden.

Die Quarantäne sei zunächst vorsorglich für die anderen Mitglieder angeordnet worden. Am Montagmittag hätten noch keine Ergebnisse der jüngsten Tests vorgelegen, sagte Philler. Möglicherweise gebe es erst in der Nacht zu Dienstag oder erst am Dienstag selbst neue Erkenntnisse. «Wir warten auf die Testergebnisse, danach entscheiden wir, wer möglicherweise wie weiter arbeiten kann.»

Die Stadt werde gemeinsam mit einem privaten Anbieter frühestens ab Dienstag in Lobeda eine mobile Teststation in speziell dafür hergerichteten Bürocontainern einrichten, so Philler. Auch arbeite man an Plänen für weitere Testeinrichtungen. Am Sonntagabend zählte die Stadt insgesamt 77 Infektionsfälle mit dem Coronavirus.

Vor allem bei Rückkehrern aus Risikogebieten seien zuletzt Infektionen nachgewiesen worden, sagte Philler. Die Stadt zählt nun unter anderem auch Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz zu den Risikogebieten. Menschen, die sich in den vergangenen 14 Tagen dort aufgehalten haben, müssen sich unverzüglich in häusliche Quarantäne begeben und sich beim Gesundheitsamt melden.

Derweil sei immer noch nicht klar, ob ein 83 Jahre alter Mann in Jena vor einigen Tagen tatsächlich an dem Virus gestorben sei. «Es spricht vieles dafür, aber es kann sein, dass wir nie Klarheit darüber haben werden», sagte Philler. Der Mann war nachweislich infiziert gewesen, er hatte aber auch unter Vorerkrankungen gelitten.

In Thüringen haben sich inzwischen mindestens 263 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Staatskanzlei nannte am Montag in ihrem täglichen Bulletin die Zahl (Stand Montag, 10.00 Uhr). Hinzu kommen 53 weitere Fälle aus Jena, die vom dortigen Gesundheitsamt telefonisch übermittelt wurden, aber noch nicht in der Statistik eingerechnet sind.

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