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Corona sorgt für Engpässe bei Jugend-Sozialstunden

26.09.2020 - Straffällig gewordene Jugendliche werden häufig zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt - doch die Einsatzstellen werden mancherorts knapp.

  • In einem Pflegeheim wird ein Bewohner über den Flur geleitet. Foto: Tom Weller/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    In einem Pflegeheim wird ein Bewohner über den Flur geleitet. Foto: Tom Weller/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Thüringer Kommunen suchen Jugendhilfeeinrichtungen in der Corona-Pandemie händeringend nach Einsatzstellen, an denen straffällig gewordene Jugendliche Sozialstunden ableisten können. «Gerade in der aktuell schwierigen Phase wären weitere Einsatzstellen von Nöten», sagte Regina Püschel, Bereichsleiterin Jugendkonflikthilfe beim Verein «Horizont» in Nordhausen.

Grundsätzlich mangele es an Einrichtungen, die auch nachmittags oder am Wochenende Möglichkeiten bereitstellen könnten. Die gemeinnützige Arbeit ist eine von mehreren «Erziehungsmaßregeln» im Strafrecht. Durch die Corona-Einschränkungen habe sich die Lage verschärft. Von ähnlichen Problemen berichten auch die Jugendkonflikthilfestellen in Erfurt, Weimar, Gera und Eisenach.

Während in Nordhausen jedes Jahr im Schnitt 140 Jugendliche gemeinnützige Arbeit verrichten, sind es in Weimar jährlich etwa 130, in Gera, Eisenach und Jena um die 80. «Die Jugendlichen müssen die Einhaltung von Regeln, Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen lernen», so Püschel. «Dieses Modell funktioniert dafür sehr gut.» Etwa 80 bis 90 Prozent der jungen Täter schlössen die Maßnahmen erfolgreich ab. Das größte Problem der jungen Leute liege darin, dass deren soziale Kompetenz in den vergangenen Jahren abgenommen habe. Immer wieder komme es zu Problemen mit Unpünktlichkeit, mangelnder Motivation oder Unzuverlässigkeit.

Deshalb sei der direkte Kontakt zu den Einsatzstellen wichtig, um Jugendliche rechtzeitig in andere Stellen vermitteln zu können. In etwa 40 Prozent der Fälle erfüllten die Jugendlichen alle Auflagen ohne Komplikationen.

In den Einsatzstellen sorge vermehrt Personalmangel für Probleme, erklärt Monique Hubka von der Stadtverwaltung Gera. Die Teilnehmer müssten oft permanent begleitet werden, viele Stellen hätten dafür nicht die nötigen Kapazitäten. Die Schließungen und nur zaghafte Wiederöffnungen trügen dazu bei, dass die Sozialstunden aktuell nicht oder nur in sehr reduzierter Form abgeleistet werden könnten.

Die Bereiche, in denen Jugendliche für gemeinnützige Arbeiten eingesetzt werden, sind vielfältig. Sie reichen je nach Kommune von Alten-, Jugend- und Pflegeeinrichtungen über Tierheime, Bauhöfe bis zu Sportvereinen, Feuerwehren oder dem Technischen Hilfswerk. «Bei solchen externen Stellen kommt es immer wieder vor, dass die Jugendlichen ihr Interesse für den jeweiligen Bereich entdecken und sich nach Abschluss der Maßnahme privat engagieren», hat Püschel beobachtet. Wenn wie aktuell Arbeitsstunden wegen Corona nicht abgeleistet werden können, werden die gesetzten Fristen in der Regel verlängert - was aber den Stellenbedarf nach der Krise noch steigere.

Sinn der gemeinnützigen Arbeit ist es laut dem Thüringer Justizministerium, den Jugendlichen bewusst zu machen, dass sie für ein begangenes Unrecht einstehen müssen. Erzieherische Gesichtspunkte müssten immer im Vordergrund stehen, etwa um sinnvolle Alltagsstrukturen zu erlernen. Bei Jugendstraftaten handele es sich zudem «oft um vorübergehende Entgleisungen».

In den vergangenen Jahren wurden in Thüringen jährlich im Schnitt um die 500 Jugendlichen zu sogenannten Erziehungsmaßregeln wie Sozialarbeit verurteilt. Statistisch nicht erfasst werden Arbeitsstunden, die etwa bei einer außergerichtlichen Einigung verhängt werden.

Den Kommunen zufolge werden die meisten Arbeitsstunden für Delikte wie Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Ordnungswidrigkeiten oder Sachbeschädigung verhängt. Neben den Arbeitseinsätzen gibt es zudem Maßnahmen wie den Täter-Opfer-Ausgleich, Betreuungsweisungen, Suchtberatungen und Verkehrskurse.

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