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Die verschobene Trauer: Bestatter und die Corona-Zeit

07.04.2020 - Ein Trauerfall ist eine sensible Angelegenheit. In der Corona-Krise ist die Situation aber eine noch größere Herausforderung und auch Bestatter sind vor neue Probleme gestellt.

  • Sargträger mit weißen Handschuhen tragen einen Sarg. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Sargträger mit weißen Handschuhen tragen einen Sarg. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Thüringens Bestattern fehlt nach Verbandsauskunft Schutzausrüstung für die Corona-Epidemie. «Wir haben zwar punktuell über die Landesregierung etwa Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel erhalten, aber bei 260 Bestattern in Thüringen ist die Menge überschaubar», sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bestatterverbands Thüringens, Ronald Häring. Denn Zugangsbeschränkungen sähen vor, dass Bestatter nur noch mit Vollschutzausrüstung Tote etwa in Pflegeheimen und Krankenhäuser abholten. Dabei gehe es nicht nur um Menschen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind, sondern auch um andere Verstorbene, so Häring.

«Bei unseren eigentlichen Tätigkeiten haben wir jetzt zwar nicht mehr zu tun, aber gibt es andere Herausforderungen», sagt Häring und bezieht sich damit etwa auf die Einschränkungen bei Trauerfeiern. «Da müssen wir jetzt noch sensibler auf die Angehörigen reagieren.»

Laut der Thüringer Verordnung zu Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus müssen Trauerfeiern unter freiem Himmel stattfinden und es darf etwa nur ein sehr enger Kreis an Verwandten dabei sein. «Da gibt es dann teils auch Zwietracht unter den Angehörigen, wer jetzt dabei sein darf, es hat also psychologische Auswirkung», so Häring.

Alternativ sei es auch möglich, die Beisetzungen zu verschieben, bei Erdbestattung allerdings nur um einige Tage. Für Urnenbestattungen - wie in Ostdeutschland üblich - sei der Termin bis zu sechs Monate schiebbar. Solange würden die Urnen in den Krematorien gelagert. «Ich habe den Eindruck, etwa 50 Prozent wünschen einen baldigen Abschluss im kleinen Kreis, die anderen tendieren zum Verschieben.»

Durch das Verschieben sieht Häring allerdings ein weiteres Problem kommen. Um einen Stau zu verhindern, sollten Angehörige etwa zu Beisetzungen in der ersten Wochenhälfte bereit sein. Umgekehrt müssten aber auch Friedhofsträger - in der Regel Kommunen - flexibler werden. «Sinnvoll wäre es etwa, statt vier Trauerfeiern dann sechs oder sieben an einem Tag zu ermöglichen», so Häring.

Vor allem zeige die Corona-Krise, dass mehr Einheitlichkeit auch bei der Bestattungsgesetzgebung nötig sei. «Wir lernen jetzt dazu und der Föderalismus ist an dieser Stelle nicht zufriedenstellend», sagt Häring. Zudem wäre es seiner Meinung nach sinnvoll, Bestatter bundesweit als systemrelevant anzuerkennen, damit diese etwa Anspruch auf Kinderbetreuung haben, auch wenn Schulen und Kitas geschlossen sind.

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